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Der MINT-Nachwuchs – gesucht und nicht gefunden!

… aus der MINT-Kolumne "MINT-Fachkräfte – dringend gesucht" von Dr. Ellen Walther-Klaus, Geschäftsfüherin von MINT Zukunft schaffen.

Die Fachkräftelücke steigt weiter, der Fachkräftearbeitsmarkt ist leergefegt, es gibt kaum qualifizierten Nachwuchs.

Und das trotz jahrzehntelanger MINT-Initiativen: MINT-Camps, MINT-Wettbewerbe, MINT-Berufsorientierungsprogramme, MINT-Museen und vieles mehr. Immer wieder hört man, dass alle Jugendlichen hellauf begeistert sind und engagiert mitmachen. Aber nachhaltig entscheiden tun sich dann leider nur wenige.

Deshalb haben wir einen strukturellen Fachkräftemangel, allein im akademischen Bereich fehlen uns jedes Jahr 16.000 MINT-Studienabsolventen, vor allem auch Mädchen. Diese strukturelle MINT-Lücke wird bis zum Jahre 2020 auf über 200.000 anwachsen, vermehrt um die 117.000, die uns heute schon fehlen.

Das bedeutet, wir müssen unser Reservoir an Jungen und Mädchen besser ausschöpfen und ihnen zeigen, dass die Vorurteile, die mit MINT-Berufen verknüpft sind, eben nur Vorurteile sind – leider oft auch "self-fulfilling prophecies".

Wir kämpfen gegen den demographischen Wandel, sinkende Schülerzahlen, geringe Technikaffinität und hohe Abbruchquoten in MINT-Studiengängen.

Berufsorientierung und Berufswahl

Nach einer Studie von www.acatech.de entscheiden sich nur 50% der technisch-naturwissenschaftlich interessierten Schüler/innen für einen entsprechenden Beruf – und das aus den verschiedensten Gründen. Zum einen ist es eine mangelnde und fehlerhafte schulische Berufsinformation. Immer noch kennen Jugendliche und ihre Eltern nur etwa 15% der 380 Ausbildungsberufe. Es ist sehr schwierig, gar fast unmöglicht, für sich selbst Transparenz und Orientierung im Dschungel der mehr als 13.000 Studiengänge zu schaffen. Viele Studienberater warnen Abiturienten auch vor Etikettenschwindel.

Die Darstellung in den Informationsmedien ist sehr häufig mit Klischees und Vorurteilen behaftet. In Schulbüchern ist immer noch die Mutter in der Küche und der Vater in der Garage.

MINT-Studiengänge galten bzw. gelten wegen der hohen Anforderungen immer schon als schwer, anstrengend, lernintensiv, riskant und belastend.

Nach dem PISA Schock und den zunehmenden Meldungen von der Nicht-Ausbildungs- und Studierfähigkeit vieler junger Menschen, vor allem aufgrund mangelnder mathematischer Kenntnisse – ein paar Nuller zu viel, was schadet das schon, Banker müssen damit ja auch nicht umgehen können – trauen sich immer weniger junge Menschen in die MINT-Richtung zu marschieren, obwohl MINT-Ausbildung und -Studium beste Berufschancen und Gehälter garantieren.

 

Klischees und Vorurteile sorgen zusätzlich für eine Diskrepanz zwischen den zugeschriebenen Eigenschaften von MINT-Berufen und einem selbst entworfenen Idealberuf, was Vielseitigkeit, Sicherheit, Aufstiegschancen, Beitrag zur Gesellschaft, Kontakthäufigkeit, Vereinbarkeit mit Familie und Freizeitaktivitäten betrifft. Der Einfluss durch das Studium auf die Veränderungen im Lebensstil und sozialem Umfeld wird unterschätzt.

Es gibt beispielsweise keine Soaps und Serien, die diese MINT-Berufe positiv zeigen, so wie etwa die diversen Sendungen mit attraktiven, jungen, einfallsreichen, weiblichen Pathologen. Hier spiegeln die Medien insofern das gesellschaftliche Vorurteil über langweilige und verstaubte MINT-Berufsbilder wider – meistens jedoch vollkommen zu unrecht.

Wer sich aber dennoch für ein MINT-Studium entscheidet, sieht sich mit falschen Einschätzungen der Anforderungen konfrontiert und muß überhöhte Erwartungen an das Studium korrigieren.

Jede Entwicklung am Arbeitsmarkt, das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie einseitige gender-spezifische Darstellungen werden vom Einzelnen kritisch registriert. Dabei ist in diesem Zusammenhang die generelle Einstelllung zu MINT-Berufen und -Studiengängen und auch deren Image durchaus nicht negativ. Aber letztlich profitieren können dann nur die, die sich auch für diesen Weg entscheiden.

So zeigt die acatech-Studie, dass es eine positive Einstelllung der Jugendlichen zur Techniknutzung gibt, wenn es um den täglichen Technikgebrauch geht. Es existiert keine Technikfeindlichkeit. Es gibt keinen Aufstand gegen Handys, Laptops, Spülmaschinen oder Staubsauger. Dieses Verständnis als Mittel der Ausweitung körperlicher Fähigkeiten des Menschen ist trotzdem eher mechanisch als sozial geprägt.

MINT-Berufe haben durchaus ein positives Image. Sie sind fortschrittlich, modern, und könnten nützlich für die Gesellschaft sein, wenn man nicht so viele Packungsbeilagen lesen und Nebenwirkungen fürchten müsste. Deswegen punkten die MINT-Berufe im Vergleich zu anderen Berufen nur wenig.

Im nächsten Teil der Kolumne wird das Thema "MINT und die Frauen" behandelt.

Es grüßt herzlichst

Ihre Ellen Walther-Klaus

 

Zur Person:

Dr. Ellen Walther-Klaus promovierte am Lehrstuhl für mathematische Logik der Ruhr-Uni Bochum. Nach verschiedenen Leitungsfunktionen, unter anderem bei Siemens Nixdorf und der Siemens AG, wechselte sie 2001 zur T-Systems International GmbH. Seit 2007 ist sie Geschäftsführerin von MINT Zukunft schaffen.

Weitere Informationen rund um MINT Zukunft schaffen finden Sie unter www.mintzukunft.de.

 

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