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„Der Weg zum Bestseller ist ein Marathon!“ – Interview mit Elmar Weixlbaumer und Monika B. Paitl

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Wie wird ein Buch zum Bestseller? Monika B. Paitl und Elmar Weixlbaumer verraten es. (Bild: © Goldegg Verlag)

Wer denkt, dass ein gutes Manuskript und das sich daraus ergebende Buch von selbst zum Bestseller wird, der irrt. Wenn ein Buch geschrieben ist, fängt die Arbeit für Autorinnen und Autoren erst richtig an: Denn dann muss das Werk vermarktet werden! Und wer könnte das besser wissen als Monika Paitl (MP) und Elmar Weixlbaumer (EW)? Die beiden haben gerade das Buch „Bestseller! Wie Sie Ihr Buch zum Erfolg pushen“ veröffentlicht und zeigen darin wie erfolgreiches Buchmarketing für Autoren geht.

Hinweis der Redaktion: Wir verlosen auf AGITANO drei Exemplare von „Bestseller! Wie Sie Ihr Buch zum Erfolg pushen“.

Wie bringt man einen Bestseller auf den Markt?

Herr Weixlbaumer, Sie sind Verleger und haben bereits zahlreiche Bücher bei ihrem Erscheinen begleitet. Jedes Jahr kommt eine unglaublich große Anzahl neuer Bücher auf den Markt. Braucht es überhaupt noch neue Bücher? Ist nicht schon zu allen Themen etwas geschrieben worden?

EW: Ja, aber noch nicht von jedem! Doch lassen wir diesen Scherz von Karl Valentin beiseite. Tatsächlich erscheinen jedes Jahr knapp 100.000 neue Bücher am deutschsprachigen Buchmarkt. Dem stehen rund vier bis fünf Millionen jährlich eingereichte Manuskripte gegenüber. Jeder Deutsche schreibt somit alle 20 Jahre ein Buch. Es gibt also offenbar genug zu sagen, so viele Menschen bringen durchaus neue Aspekte, neue Erfahrungen, neue Methoden ein. Das ist unsere Entwicklung – und Bücher entwickeln sich mit uns.

Frau Paitl, Sie sind PR-Beraterin und beraten namhafte Autorinnen und Autoren bei der Buchvermarktung. Warum hat das klassische Buch nach wie vor diesen hohen Stellenwert, vor allem bei Speakern, Trainern, Coaches und Beratern?

MP: Das Buch ist ein direkter Beweis der vorhandenen und vor allem eben „verlegten“ Expertise des Autors. Es unterstreicht eindeutig und sichtbar dessen Expertise. Wer 220 bis 240 Seiten oder mehr mit Wissen füllen kann, der demonstriert glaubhaft, dass er etwas zu sagen hat.

Viele Autorinnen und Autoren wünschen sich natürlich, dass ihr Buch zum Bestseller wird. Nur wenige Bücher schaffen es bis an die Spitze der Verkaufslisten. Was ist eigentlich ein Bestseller?

EW: Bestseller-Listen sind Momentaufnahmen einer Woche von im Buchhandel verkauften Büchern. Erscheint ein Buch zu einer Zeit, in der sonst keine Bücher erscheinen, Anfang Januar beispielsweise, ist ein Autor schon auf der Bestellerliste mit dabei, wenn er in einer Woche tausend Stück verkauft. Andererseits gibt es Bücher, die über Jahre konstant unzählige Exemplare verkauft haben, aber eben nicht über den Buchhandel oder in keiner einzelnen Woche so viel, dass das Buch auf eine Liste gerutscht wäre. Diese Top-Titel sind dann offiziell trotzdem keine „Bestseller“.

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Bild: © Goldegg Verlag

Was macht einen Bestseller zum Bestseller?

EW: Es ist im Grunde wie bei jedem Konsumartikel: Zeit und Handwerk müssen stimmen, das ist die Pflicht. Um als Kür zu den Bestsellern aufzusteigen, braucht es ein außergewöhnliches Thema, perfekte Schreibe und natürlich auch die absolut professionelle Vermarktung dazu. Wie bei jedem anderen Produkt muss der Produzent – also der Autor – mit vollem Einsatz hinter seinem Erzeugnis stehen, sonst passiert gar nichts mit dem Buch. Der Verlag als Schnittstelle zu Buchhandel und Presse wird zwar wichtige Teile der Promotion abnehmen, die Präsentation und Vermarktung gegenüber dem Publikum liegt aber sicher beim Autor.

MP: Ja, genau, das sind die wichtigsten Grundvoraussetzungen, um ein wirklich interessantes und lesenswertes Buch zu produzieren. Ist das Werk dann schlussendlich erschienen, geht der Marathon zum Bestseller allerdings erst richtig los. Denn Hände in den Schoß legen führt für Autoren sicher nicht zum Bestseller! Die Verantwortung für den Erfolg seines Buches endet für den Autor nicht mit der Abgabe des Manuskripts. Sondern das ist vielmehr der Moment, in dem jeder Autor zum Vermarktungsprofi mutieren muss. Ein Profi, der das Buch auf allen Kanälen und in allen vorhandenen Netzwerken sichtbar und bekannt machen muss, aktive PR und Buchmarketing betreiben muss. Und dies über einen sehr langen Zeitraum. Was auf dem Weg zum Bestseller definitiv unterstützend wirkt, ist, eine Bekanntheit als Experte schon im Vorfeld aufgebaut zu haben, bei Medien und Redaktionen zu diesem Thema bereits bekannt zu sein.

Ein Bestseller-Erfolg ist also meist nur dann möglich, wenn ein Buch von Phase eins an, also schon vor der Produktion, zielorientiert geplant wird und dann eine sehr offensive und intensive Vermarktung durchläuft.

Herr Weixlbaumer hat die Bedeutung des richtigen Themas angesprochen. Mein Thema zu finden, halte ich für relativ einfach. Nur wie finde ich das richtige Thema im Sinne des Marktes?

MP: Das richtige Thema im Sinne des Marktes kann sich durch eine intensive Recherche der Bücher, die dazu bereits auf dem Markt sind, ergeben. Entweder springt dann ein Autor auf diesen schon vorhanden „Zug“ auf, und bringt eine neue, aktuelle, bisher noch nicht dagewesene These zu einem bereits etablierten Thema, oder ein Autor schafft es, ein bisher nicht vorhandenes Thema für sich zu besetzen und Verlage dafür zu interessieren. Das wird allerdings immer schwieriger, da es zu nahezu allen Themen bereits Veröffentlichungen gibt. Aber in meiner PR-Arbeit sehe ich durchaus doch immer wieder neue, überraschende Themenbereiche in Buchform auftauchen, und das macht dann ganz besonderen Spaß!

Welche Bedeutung hat der Titel? Und aus was kommt es dabei an?

MP: Titel und Untertitel haben eine sehr hohe Bedeutung für den Erfolg eines Buches. „Die Macht des Titels“ haben wir das in unserem Buch genannt. Was sehen Kunden in Buchhandlungen oder auch auf Online-Portalen als erstes? Das Cover und den Titel. Durch die gelungene Kombination dieser beiden Elemente erregt ein neues Buch ja erst Aufmerksamkeit! Der Titel muss also neugierig machen, aufrütteln, bewegen. Sehr gute Buchtitel weisen auf ein Problem hin und geben gleichzeitig die Lösung für dieses. Wobei der Titel oft kurz, prägnant, knackig, ja sogar oft zunehmend „frech“ ist, und der Untertitel – dessen Wirkung Autoren niemals unterschätzen sollten – dann näher ins Detail geht und darlegt, welche Problemlösung, welchen Nutzen dieses Buch bietet. Der Titel entscheidet also sicher maßgeblich über den Erfolg oder Misserfolg eines Buches!

Viele Autorinnen und Autoren möchten gerne in einem Verlag, der dazu möglichst renommiert ist, ihr Buch veröffentlichen. Einen zu finden ist manchmal ein sehr langer und mühsamer Weg. Wozu brauche ich überhaupt noch einen Verlag? Ich kann ja auch selbst publizieren.

EW: Natürlich kann jeder Autor seine Bücher selbst herausbringen. Ich kann auch meine Möbel selber tischlern oder meine Wäsche selbst nähen. Die Frage ist aber, ob ich das auch will? Doch abgesehen vom Handwerklichen – hier hinkt der Vergleich mit den Möbeln – will ich als Autor Bücher nicht nur herstellen, sondern auch erfolgreich verkaufen. Ich will, um beim Beispiel zu bleiben, auch Möbelhändler werden. Dafür ist die Zusammenarbeit mit einem gut situierten Verlag unverzichtbar. Nur gute Verlage können ihre Vertreter – die der Selfpublisher gar nicht hat – in den Buchhandel entsenden. Verlage haben Kooperationsverträge mit dem Groß- und Zwischenhandel, der dafür sorgt, dass das Buch in kürzester Zeit in jeder Buchhandlung bestellbar ist. Verlage haben auch die Kontakte zur Presse, um für eine gute Berichterstattung zu sorgen. Und, letztlich kostet das alles Geld: Der Verlag finanziert das alles vor. Daher kommt übrigens auch der Name: Verlag kommt von „vorlegen“, also Geld vorstrecken.

Was raten Sie Ihren Autorinnen und Autoren – Verlag, Selfpublishing oder sogar einen Mischweg?

MP: Ich rate eindeutig zum Verlag. Immer. Aus verschiedenen Gründen: Erstens, weil ein eigenverlegtes Buch beim Zielpublikum immer leicht das Flair des „hat keinen Verlag gefunden“ um sich wehen hat. Wenn ein Verlag an das Buch glaubt, genug an das Buch glaubt, um in eine hohe Vorleistung zu gehen, nun, dann kann der Leser diesem Buch doch eindeutig auch mehr Vertrauen schenken. Die vorher erwähnte Autorität, die durch das Buch beim Autor entsteht, wird beim Selfpublishing-Buch kaum zum Tragen kommen. Außerdem unterschätzen die meisten Autoren das Handwerk des Buchmachens, sozusagen die „tricks of the trade“, die zum wirklich professionellen Buch führen. Wer sich auf das Abenteuer Selfpublishing einlässt, muss alle wichtigen Schritte selber stemmen. Das beginnt bei der Wahl des Titels, des Covers, des Layouts und erstreckt sich bis zur Organisation eines exzellenten Lektorats und Korrektorats. Hier Profis zu beschäftigen – und ohne diese geht es nicht – ist äußerst kostenintensiv. Ich sehe in der Praxis bei solchen selbstverlegten Büchern immer wieder eklatante und grundlegende Fehler, die mir in der Seele wehtun, weil Autoren sich dadurch um ihren Erfolg und eben auch um ein Stückchen ihrer Autorität bringen. Und der wichtigste Grund, einen Verlag zu haben, ist dieser: Der Verlag bringt das Buch dorthin, wo ein Buch hingehört: Nämlich in den Buchhandel, das ist für ein Buch im Eigenverlag ein von Beginn an versperrter Weg.

Wie finde ich den für mich richtigen Verlag?

EW: Ich würde jedem Autor raten, als erstes in der Buchhandlung Verlage zu suchen, die ähnliche Bücher herausgebracht haben. Sie glauben nicht, wie viele Manuskripte von Koch- oder Kinderbüchern wir als Sachbuchverlag angeboten bekommen. Das sind für alle leere Kilometer, die man sich sparen kann. Große Verlage haben den Vorteil, im Buchhandel gut eingeführt zu sein und starke Prozesse zu fahren. Der Nachteil ist sicherlich, dass junge Autoren dort die letzten in der Nahrungskette sind. Auch ist der Weg in einen großen Verlag sehr schwer und ohne Agentur oder persönliche Beziehungen kaum zu schaffen. Kleine Verlage haben den Vorteil der persönlichen Beziehung zum Verleger und einer intensiveren Betreuung. Wo hier Vorsicht geboten ist, ist vielleicht bei manchen sehr kleinen Verlagen die fehlende Professionalität und manchmal auch eine mangelhafte Kapitaldecke für die Vorfinanzierung neuer Buchprojekte. Wie so oft, ist hier der Mittelweg zu empfehlen.

Welche Aufgaben nimmt der Verlag für mich als Autorin bzw. Autor wahr?

EW: Klassischerweise hat der Verlag drei Aufgaben: Zum ersten die Vorfinanzierung eines professionellen Buchprojekts, da geht es bei einem Sachbuch um Summen zwischen 20.000 und 100.000 Euro. Bei großen Belletristikauflagen geht der Aufwand in die Millionen. Die zweite Aufgabe liegt im technischen Knowhow: Der Verlag hat ausgebildete Fachlektoren, Grafiker, Schriftsetzer, Korrektoren, Druckvorstufentechniker, Kalkulanten usw. Die dritte, vielleicht die wesentlichste Aufgabe ist der Vertrieb: Der Verlag führt eine Presseabteilung, die den Kontakt zu Journalisten über Jahre aufgebaut hat. Eine Mannschaft an Vertretern läuft durch die Buchhandlungen und stellt das Buch vor. Werbeprofis entwickeln Prospekte, Inserate für buchhandelsspezifische Fachmedien, Merchandising-Produkte und Give-aways und so fort. In einem Verlag arbeiten viele Fachabteilungen mit jahrzehntelang aufgebautem Knowhow für die Produktion und Vermarktung der Bücher. All das bekommt der Autor geschenkt, ein guter Deal, oder?

Welche Aufgaben habe ich als Autorin und Autor nach dem Schreiben meines Buches noch?

MP: Jede Menge, absolut jede Menge! Ein Autor ist eigenverantwortlich für den Erfolg seines Buches, ja er ist spätestens ab Erscheinen sogar der wichtigste „Marktschreier“ des Buches. Jeder Autor ist aufgerufen, einen strikten und individuellen Vermarktungsplan zu erstellen und diesem Plan seine verschiedensten Aktivitäten einzuverleiben, die da sind: Intensive Social Media Vermarktung auf Facebook, Xing, LinkedIn, Twitter, Pinterest & Co. Fachbeiträge und Interview in den passenden Zielmedien, eigene Blog-Beiträge, Bekanntmachen des Buches im eigenen Newsletter, sowie Informationen zum Buch in den Blogs und Newslettern anderer, bekannter Experten. Sehr empfehlenswert ist auch das Erstellen einer eigenen Landing Page zum Buch, zu der alle Social Media Links und sonstigen Links hinführen.

Frau Paitl, Herr Weixlbaumer, vielen Dank für das interessante Gespräch rund um die Buchentwicklung und die Bedeutung eines Verlages.

Das Interview mit Elmar Weixlbaumer und Monika B. Paitl führte Oliver Foitzik, Herausgeber AGITANO und HCC-Magazin und selbst Verleger.

 

Hinweis der Redaktion

Sichern Sie sich Ihr Exemplar: Wir verlosen auf AGITANO drei Exemplare von „Bestseller! Wie Sie Ihr Buch zum Erfolg pushen“!

 

Über Monika B. Paitl

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PR-Beraterin und Vermarktungsprofi Monika B. Paitl. (Bild: © Monika Paitl)

Monika B. Paitl ist Inhaberin von communications9, der Agentur für PR für deutsche und internationale Autoren, Keynote Speaker, Trainer und Coaches mit Sitz in Salzburg, Österreich.

Früh startete sie eine internationale Karriere, die sie nach Paris und Detroit, USA führte. Ihre beruflichen Erfahrungen sind breit gefächert und führen vom diplomatischen Dienst an der OECD über die Automobilindustrie zur Elektronikindustrie, und sie verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Presse, Events und Weiterbildung.

Monika B. Paitl widmet sich seit Jahren der PR von erfolgreichen Autoren. Ihre Agentur communications9 betreut zahlreiche Bestsellerautoren, Keynote Speaker und Experten. Sie blickt auf unzählige Praxiserlebnisse als Vermarktungsprofi zurück und gibt ihre Erfahrungen im Buch „Bestseller – So pushen Sie Ihr Buch zum Erfolg“ weiter. Sie begleitet ihre Kunden auch auf dem gesamten Weg des Buch-Entstehungsprozesses und ist als Ghost- und Teamwriterin tätig.

Über Elmar Weixlbaumer

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Elmar Weixlbaumer ist Medienexperte, Verleger und Publizist. (Bild: © Elmar Weixlbaumer)

Elmar Weixlbaumer ist Medienexperte und Publizist. Er ist seit Jahrzehnten im Management von Medienbetrieben tätig und führt seit 2003 als CEO den Goldegg Verlag in Berlin & Wien. Als Verleger hat er viele erfolgreiche Bücher auf den Markt begleitet. Seine tiefe Branchenkenntnis und sein Knowhow über die Mechanismen des Buchmarktes begeistern sowohl die Leser als auch die Zuhörer seiner Keynotes.

Seine Kompetenz zeigt Elmar Weixlbaumer als Sachbuchautor und Vortragender über Verlagswesen und Medientechnik. Er weiß genau, worauf es ankommt, um ein Buch zum Bestseller zu machen. In „Bestseller – So pushen Sie Ihr Buch zum Erfolg“, seinem Verlagslehrgang – dem einzigen in Österreich – sowie in Seminaren und Work-Shops vermittelt er den Lesern profundes Insider-Wissen der Verlagsbranche.

Elmar Weixlbaumer ist gefragter Keynote-Speaker im Bereich Medien und Bildung und gern gesehener Interviewpartner in TV und Printmedien. Er studierte Mathematik und Betriebswirtschaft und ist neben seiner beruflichen Tätigkeit auch wissenschaftlich und als Sachbuchautor tätig.

 

Katja Heumader

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