Energie & Umwelt

Deutsch-marokkanische Energiepartnerschaft vereinbart – Export Erneuerbarer Energien

Deutschland und Marokko haben eine Energiepartnerschaft vereinbart. Der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler, und der marokkanische Minister für Energie, Bergbau, Wasser und Umwelt, Fouad Douiri, haben dafür in Berlin eine gemeinsame Absichtserklärung unterzeichnet. Schwerpunkt der Partnerschaft ist der Ausbau Erneuerbarer Energien und die politische Flankierung des Desertec-Vorhabens – dem ambitionierten Großprojekt zur Gewinnung von Strom aus der Wüste Nordafrikas. Daneben sind der Ausbau der Stromnetze, Energieeffizienz und Energieforschung Gegenstand der Kooperation.

Hintergrundinformationen zu Marokko

Marokko ist eine konstitutionelle Monarchie, allerdings mit starken Vorrechten des Königs Mohammed VI (seit 1999). Als – seines Erachtens nach – direkter Nachkomme des Propheten Mohammed ist der König als „Anführer der Gläubigen“ nicht nur weltlicher, sondern auch geistiger Führer seines Landes. Das Land mit 32 Millionen Einwohnern ist aufgrund des Westsahara-Konfliktes als einziges afrikanisches Land nicht Mitglied der Afrikanischen Union. Die Region Westsahara wurde nach dem Abzug der Kolonialmacht Spanien von Marokko annektiert (1976/79). Aufgrund des Rohstoffreichtums des Landes brach daraufhin ein bis heute ungelöster Konflikt aus. Hier liegt eines der größten Phosphat-Vorkommen der Welt, das für Kunstdünger unerlässlich ist und aufgrund der begrenzten Weltvorräte und der steigenden Weltbevölkerung von strategischer Bedeutung ist. Marokko und die Westsahara halten zusammen 32% der Weltvorräte, nur China besitzt mit 37% mehr.

Das BIP pro Kopf betrug in Marokko 2.276 Euro in 2011, die Arbeitslosigkeit rund 10%. Übergeordnetes wirtschaftspolitisches Ziel ist die Modernisierung des Landes von einem landwirtschaftlich geprägten Entwicklungsland zu einem Schwellenland mit einem bedeutenden regionalen Dienstleistungssektor für das frankophone Nord- und Westafrika. Grundlage hierfür soll unter anderem der Aufbau einer modernen Verkehrsinfrastruktur sein, Großprojekte in dieser Hinsicht sind die geplante TGV-Verbindung zwischen Tanger und Casablanca sowie der Ausbau des Hafens „Tanger Med“. Vor den Eindrücken der demokratischen Umwälzungen in den nordafrikanischen Nachbarländern im vergangenen Jahr (Tunesien, Ägypten, Libyen), wurde eine neue Verfassung ausgearbeitet und am 1. Juli 2011 per Referendum angenommen.

Obwohl die innenpolitische Lage vergleichsweise ruhig ist, ist das Sprengpotential immer noch hoch: Der König steht als Unternehmer allein für rund 6% der marokkanischen Wirtschaft – rund 15-mal so viel wie Berlusconis BIP-Anteil in Italien. Hinzu kommen noch seine Günstlinge, unter denen es ebenfalls einige Milliardäre gibt. Schon der Vater König Mohammeds VI wurde noch zu dessen Lebzeiten auf rund 42 Milliarden Dollar geschätzt, er besaß zehn Paläste und 20% des landwirtschaftlich nutzbaren Landes. Damit dürfte sein Erbe, Mohammed der VI, einer der reichsten Männer der Welt sein (der Reichtum von Monarchen und Despoten ist nur schwer zu schätzen, daher werden sie nicht in die Forbes-Liste aufgenommen, obwohl es hier weltweit einige Überraschungen gibt).

Energiepolitik

Derzeit ist das Land im Energiesektor noch nahezu vollständig von Einfuhren abhängig. Die erneuerbaren Energien decken gegenwärtig nur rund 5% der Stromerzeugung. Bislang war das Ausbauziel 20% bis 2020. Mittlerweile wurde die Zielmarke auf 42% angehoben. Das Potential für Windenergie entlang der langen Küste und für Solarstrom aus der Wüste im Landesinneren sind enorm. Mit den ambitionierten Plänen gilt Marokko als Pionier für Erneuerbare Energien in Nordafrika.

Bundesminister Rösler: "Die Bundesregierung begrüßt die Energiepartnerschaft zwischen Deutschland und Marokko. Die Bedingungen für Wind- und Solarenergie sind in Marokko besonders günstig. Mit der einzigen existierenden Stromleitungsverbindung nach Europa und seinen ambitionierten Zielen beim Ausbau Erneuerbarer Energien ist Marokko ein idealer Partner für Deutschland und empfiehlt sich auch für den Start von Desertec-Projekten. Marokko kann dabei von der großen Erfahrung deutscher Technologieunternehmen, insbesondere im Bereich Erneuerbarer Energien, profitieren. Die Energiepartnerschaft bringt beträchtliche Vorteile für die Energieversorgungssicherheit beider Länder."

Die Energiepartnerschaft wird durch ein hochrangiges Steuerungsgremium geleitet. Die konkrete Zusammenarbeit erfolgt in thematischen Arbeitsgruppen, an denen Regierungs- und Industrievertreter beider Seiten teilnehmen. Die gemeinsame Absichtserklärung der bilateralen Energiepartnerschaft steht zum Download auf der Website des BMWi bereit.

(mb)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.