Wirtschaft

Deutsche Wirtschaft boomt – Fortsetzung ist möglich

Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) hat seine Prognose der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland aktualisiert und angesichts des extrem starken Konjunkturanstiegs zu Jahresbeginn angehoben. Für 2011 wird nunmehr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,5 % gerechnet, für 2012 mit einem von 2,2 %.

Die deutsche Wirtschaft hat schneller als erwartet – und anders als andere wichtige EU-Länder – das Vorkrisenniveau wieder überschritten und befindet sich auf einem nachhaltigen Aufwärtstrend. Die Zahl der Arbeitslosen ist auf den niedrigsten Stand seit fast zwanzig Jahren gesunken. Auch wenn die Konjunkturdynamik von Jahresbeginn so nicht anhalten dürfte, stehen die Chancen für eine Fortsetzung des Aufschwungs von binnenwirtschaftlicher Seite recht gut. Allerdings haben die Risiken von außen weiter zugenommen.

Die deutsche Wirtschaft ist in den ersten Monaten dieses Jahres trotz Zuspitzung der europäischen Staatsschuldenkrise und einer Reihe weiterer störender Einflüsse von außen, insbesondere der kräftige Preisanstieg bei Öl und anderen Rohstoffen, weiter kräftig gewachsen. Das reale Bruttoinlandsprodukt hat das Vorkrisenniveau wieder überschritten. Der Arbeitsmarkt entwickelte sich noch günstiger; die Zahl der Erwerbstätigen ist um gut eine halbe Million höher als damals und die der registrierten Arbeitslosen ist mittlerweile unter 3 Millionen gesunken. Die Inflationsrate lag zuletzt mit 2,3 % zwar über der Stabilitätsmarke von 2 %, ist vor dem Hintergrund der boomenden Konjunktur und kräftiger Inflationsanstöße von außen aber noch akzeptabel, zumal die Lohnentwicklung moderat blieb. Die deutsche Wirtschaft befindet sich – abgesehen von großteils witterungsbedingten Schwankungen – auf einem stetigen Aufwärtstrend. Dieser basierte zunächst auf außen-, inzwischen aber noch mehr auf binnenwirtschaftlichen Auftriebskräften. Die hohe konjunkturelle Grunddynamik spiegelt sich am deutlichsten in der regen Investitionstätigkeit der Unternehmen wider. Die Ausrüstungsinvestitionen steigen schon seit Anfang 2010 kräftig; im ersten Quartal 2011 waren sie um fast 20 % höher als vor Jahresfrist. Der Wohnungsbau wird durch die nach wie vor sehr niedrigen Zinsen angetrieben und im öffentlichen Bau wirken noch die Konjunkturprogramme nach. Darüber hinaus festigte sich der private Konsum mehr und mehr und lag zuletzt um knapp 2 % über Vorjahrsniveau. Schließlich kommen dank der anhaltenden globalen Erholung weiterhin vom Außenhandel merkliche Wachstumsbeiträge.

Der Erholungsprozess basiert damit auf einer breiten Basis und die binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind derart günstig, dass sie für sich eine Fortsetzung des Aufschwungs erwarten lassen. Die Unternehmen wollen die Beschäftigung weiter erhöhen, so dass mit steigenden Einkommen auch der private Konsum weiter zunehmen wird. Und die hohe Kapazitätsauslastung wird die Investitionstätigkeit hoch halten. Trotz der starken Binnenkonjunktur wird sich die hohe Dynamik von Anfang des Jahres nicht fortsetzen: diese war zum einen durch die Nachholeffekte wegen der ungünstigen Witterungsbedingungen Ende 2010 überzeichnet und zum anderen auch aus zyklischen Gründen.

Allerdings gibt es eine Reihe externer Risiken, bei deren Zuspitzung der Aufschwung gefährdet ist. Da wäre zuvorderst die andauernde Staatsschuldenkrise zu nennen. Ein Staatsbankrott Griechenlands scheint zwar abgewendet. Aber selbst bei Zustandekommen eines neuen Rettungspakets für Griechenland wäre die Staatsschuldenkrise nicht überwunden. Hinzu kommen die Unruhen in Nordafrika und Nahost, die sich ausweiten könnten. Die aktuelle „Verschnaufpause“ bei den Rohstoffpreisen, speziell bei Öl, könnte sich dann wieder in einen möglicherweise nach rapideren Anstieg wandeln. Weltweit sind aber auch konjunkturelle Rückschläge nicht auszuschließen, sei es in den USA oder auch in wichtigen Schwellenländern, etwa im Gefolge restriktiver Maßnahmen dort zur Bekämpfung von Inflationsentwicklungen, insbesondere bei Nahrungsmitteln, oder von Blasen an den Immobilienmärkten. Solange diese Risiken realwirtschaftlich nicht virulent werden, werden auch vom Außenhandel weiter positive Wachstumsbeiträge kommen. Das reale Bruttoinlandsprodukt wird dann im Jahresdurchschnitt 2011 ähnlich wie 2010 um 3 1/2 % wachsen. Die Beschäftigung wird weiter zunehmen und die Zahl der Arbeitslosen weiter sinken. Der Preisauftrieb wird sich im Laufe von 2011 eher noch etwas verstärken und im Jahresdurchschnitt annähernd 2 ½ % betragen. Für 2012 sind die Aussichten ähnlich denen für dieses Jahr: Günstigen binnenwirtschaftlichen Rahmenbedingungen stehen nicht unerhebliche Risiken von außen gegenüber. Lassen sich letztere in den Griff bekommen, wird sich der Aufschwung auch im kommenden Jahr fortsetzen. Lediglich wegen eines deutlich niedrigen überhangs würde das Wirtschaftswachstum im Jahresdurchschnitt dann mit 2,2 % geringer als in diesem Jahr sein. Eine Verschärfung oder gar Eskalation der aktuellen Probleme würde die Konjunktur entsprechend beeinträchtigen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.hwwi.org.

 

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