Energie & Umwelt

Deutschland, Österreich und Schweiz starten Initiative zum Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken

Deutschland, Österreich und die Schweiz wollen sich in einer gemeinsamen Initiative für den verstärkten Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken einsetzen. Dazu haben der deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Dr. Philipp Rösler, der österreichische Bundesminister für Wirtschaft, Familie und Jugend, Dr. Reinhold Mitterlehner, sowie die schweizerische Bundesrätin für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Doris Leuthard, eine entsprechende gemeinsame Erklärung unterzeichnet.

Ausreichende Speicherkapazitäten gelten als eine der Grundvoraussetzungen für die regenerative Energiewende und somit für die Erreichung der energie- und klimapolitischen Ziele. Pumpspeicherkraftwerke gelten dabei wegen ihrer Dimensionen und Flexibilität derzeit als die einzige bereits großtechnisch verfügbare Speichertechnologie. Deutschland, Österreich und die Schweiz haben daher nun das gemeinsame Ziel vereinbart, die Nutzung dieser Technologie weiter auszubauen und neue Potentiale zu erschließen. Vor allem die Alpenländer wollen sich dabei als die "Batterien Europas" positionieren und ihre Nachbarländer bei einer sicheren Energieversorgung unterstützen. Deutschland könnte aufgrund seiner Vorreiterrolle bei den Erneuerbaren Energien davon ebenfalls deutlich profitieren.

Erklärungen der zuständigen Minister aus DEU, AUT und CHE

Bundesminister Dr. Rösler: "Für den Umbau der Energieversorgung hin zu erneuerbaren Energien brauchen wir auch den Ausbau von Pumpspeicherkapazitäten. Neben der notwendigen Erschließung der verfügbaren deutschen Potenziale wollen wir hier auch mit unseren Nachbarn zusammenarbeiten. Mit der gemeinsamen Erklärung bereiten wir konkrete Schritte für die länderübergreifende Nutzung vorhandener Speicherkapazitäten und für gemeinsame Aktivitäten zu deren Ausbau vor."

Dazu Österreichs Wirtschafts- und Energieminister Dr. Reinhold Mitterlehner: "Pumpspeicherkraftwerke haben als flexible Stromspeicher eine Schlüsselrolle für den weiteren Ökostrom-Ausbau. Durch die bessere Abstimmung mit Deutschland und der Schweiz wollen wir unsere gemeinsamen Kapazitäten effizienter nutzen und neue Potenziale erschließen. Das erhöht auch die Versorgungssicherheit mit Energie", sagt Mitterlehner. "Auf Basis der gemeinsamen Erklärungen können wir die Positionierung Österreichs als Energiedrehscheibe und ‚grüne Batterie‘ im Herzen Europas weiter stärken", so Mitterlehner.

Die schweizerische Bundesrätin für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, Doris Leuthard, hält fest, dass die Schweiz bereits über große Kapazitäten im Pumpspeicherbereich verfüge. Aufgrund ihrer Lage und Topografie komme ihr eine wichtige Rolle bei der Integration von erneuerbaren Energien und der grenzüberschreitenden Versorgungssicherheit zu: "Mit Pumpspeicherwerken kann unser Land im Herzen des Kontinents zur Batterie Europas werden."

Wirkungsgrad von Pumpspeicherkraftwerken

Pumpspeicherkraftwerke erreichen eine Wirkungsgrad von 70-80%. In der Regel werden also 1,3 KW zum Hinaufpumpen des Wassers benötigt – dann wenn mehr Strom zur Verfügung steht als benötigt wird, beispielksweise Nachts – um dann zu Spitzennachfragezeiten 1 KW Strom zu erzeugen. Dieser Wirkungsgrad der riesigen Stromspeicher ist aber dennoch günstiger, als schwerfälligere konventionelle Kraftwerke extra anfahren zu müssen.

Dimensionen von Pumpspeicherkraftwerken

Das größte deutsche Pumpspeicherkraftwerk ist Goldisthal in Thüringen. Die 2003 in Betrieb genommene Anlage hat eine Gesamtnennleistung von 1.060 Megawatt, was in etwa der Größenordnung eines Atomkraftwerks entspricht. Das Kraftwerk hat genügend Kapazitäten, um 8 Stunden volle Leistung zu liefern und so den Strombedarf von ungefähr 2,7 Millionen Durchschnittshaushalten zu decken.

Neue Technologien – unterirdische Pumpspeicherkraftwerke

Der Neubau oberirdischer Pumpspeicherkraftwerke wird allerdings oftmals von den Anwohnern und Naturschützern heftig kritisiert. Zudem sind besonders in den flachen Regionen Deutschlands geeignete Plätze beschränkt. In den letzten Jahren hat sich hierzu eine Alternative entwickelt: Die Verlagerung der Pumpspeicherkraftwerke unter die Erde (siehe hierzu federführend das IMW an der TU Clausthal), indem alte stillgelegte Bergwerkstollen umgebaut werden. Der Speichersee liegt dann auf dem Niveau der Oberfläche, die Turbinen – speziell auf große Fallhöhen, nicht auf große Wassermassen ausgelegt – in Hunderten Metern Tiefe. VW plant derzeit die Realisierung eines ersten entsprechenden Kraftwerks – die Umbauzeit dürfte rund vier Jahre betragen. Insgesamt würden sich 100 Bergwerksstollen in Deutschland hierfür eignen. Das Problem geeigneter Fallhöhen stellt sich indes in Österreich und der Schweiz nicht. Die Anbindung an die Stromverbrauchszentren Süddeutschlands, die Industriezentren um Stuttgart und München, lassen sich nach Süden auch deutlich einfacher gestalten, als den langen Weg an die norddeutsche Küste.

Die gemeinsame Erklärung von Deutschland, Österreich und der Schweiz kann hier im Originalwortlaut abgerufen werden.

(mb)

 

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