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Deutschland startet neue Rohstoff-Offensive – Technologien für Ersatz und Recycling

„Dies ist ein Kampf um Ressourcen, und das ist Realität.“ So der schwedischen Arktis-Botschafter Gustaf Lind auf einer Konferenz des Arktischen Rates vom August 2011. Doch der strategische Kampf um den ungehinderten Zugang zu wertvollen Rohstoffen findet nicht nur in der Arktis statt. Betroffen sind dabei sowohl Lieferanten- wie Abnehmerländer und aufgrund der ausufernden Rohstoffspekulation der Finanzwirtschaft nahezu alle Güter mit denen man handeln kann, von Metallen bis Lebensmitteln. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat nun ein Programm lanciert, um den effizienten Umgang der deutschen Wirtschaft mit seltenen Rohstoffen weiter zu fördern und neue Technologien für ein quantitativ wie qualitativ besseres Recycling zu entwickeln.

Hintergrund

Die staatliche KfW hat Ende 2011 eine Studie über die Risiken der Versorgung Deutschlands mit mineralischen Rohstoffen (Metalle, Industriemineralien, Steine und Erden) unter Berücksichtigung der weltweit steigenden Nachfrage durch Zukunftstechnologien herausgegeben. Darin werden 52 Rohstoffe hinsichtlich ihrer Risiken für die Rohstoffversorgung und der Verletzbarkeit der deutschen Wirtschaft bei Eintritt einer Versorgungsstörung analysiert. Bei insgesamt 13 bedeutenden mineralischen Rohstoffe wird die Versorgungslage als kritisch eingestuft. Eine Verknappung würde die deutsche Wirtschaft substanziell schädigen und die Entwicklung von Zukunftstechnologien (z. B. Elektromobilität, Informations- und Kommunikationstechnik) beeinträchtigen, die u.a. auch für die Energiewende benötigt werden. Unternehmen wird in der Schlussfolgerung empfohlen, Strategien für nachhaltige Rohstoffsicherung und vor allem auch Ressourceneffizienz zu entwickeln.

Die Handelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD) hat Ende März 2012 die Struktur der Rohstoffspekulation untersucht. Das Ergebnis: Hochfrequenzhandel und Börsenspekulation verzerren den Rohstoffmarkt und sind Preistreiber zulasten der Realwirtschaft. Geld wird so aus dem Wirtschaftskreislauf abgezweigt und in die Taschen der Spekulanten umgeleitet, die ihren Gewinnrückgang im Zuge der Finanzkrise 2008 zunehmend durch Rohstoffspekulation zulasten der Realwirtschaft ausgleichen wollen. Die DIHK hatte zuvor bereits die Auswirkungen der Rohstoffspekulation auf die deutsche Wirtschaft berechnet: Für die deutschen Unternehmen bedeutet allein die Spekulation mit Rohstoffen auf den ungenügend regulierten Finanzmärkten rohstoffbezogene Mehrausgaben von rund 30 Milliarden Euro im Jahr 2010 – die Spekulationssumme hat sich dabei nach Informationen des WDR-Magazins „Monitor“ allein im Jahr 2008 um 600% vervielfacht.

Insgesamt waren die Rohstoffe laut dem Rohstoffpreisindex des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Jahr 2011 so teuer wie nie zuvor. Auf das Jahr gerechnet verteuerten sich die in dem Index gelisteten Rohstoffe um 12,4% ohne energetische Rohstoffe wie Erdöl und Erdgas und um 22,4% inklusive der energetischen Rohstoffe (in US-Dollar gerechnet: 18% und 28,6%). Die Erklärung des HWWI ist dabei wie ein Schlag in das Gesicht realwirtschaftlich tätiger Unternehmer, ihrer Mitarbeiter und der Verbraucher, die zusammen die steigenden Kosten und damit die Spekulationsgewinne finanzieren müssen: „Durch die niedrigen Zinsen der Notenbanken, besonders der Fed, stand Anlegern und Hedgefonds viel Liquidität zur Verfügung, die zur Portfoliodiversifikation und Inflationsabsicherung in Rohstoffe investiert wurden.“

Als Antwort gaben Anfang Februar 2012 zwölf deutsche Großkonzerne unter Federführung des BDI bekannt, ein gemeinsames, schlagkräftiges Rohstoffunternehmen zu gründen. Sie wollen nicht länger von Rohstofflieferungen abhängig sein, sondern über ein Gemeinschaftsunternehmen direkt an die Quellen vorstossen. Der „Allianz zur Rohstoffsicherung“ gehören derzeit Aurubis, BASF, Bayer, BMW, Chemetall, Daimler, Evonik Industries, Georgsmarienhütte Holding, Bosch, Stahl-Holding-Saar, ThyssenKrupp und Wacker Chemie an. Bereits am 4. Oktober 2010 war die deutsche Rohstoffagentur gegründet worden. Damit sollen Großkonzerne wie auch kleine und mittlere Unternehmen (KMUs) in vielfältiger Weise unterstützt werden, ihre Rohstoffbezugsquellen zu diversifizieren. Parallel hierzu findet eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Auswärtigem Amt und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung statt, um bilaterale Rohstoffpartnerschaften mit rohstoffreichen Partnerländern zu fördern. Zudem sollen auch die Rohstoffeffizienz und das Recycling gefördert und optimiert werden.

Startschuss für Forschungsprogramm zur Rohstoffgewinnung

Das Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat nun ein neues Forschungsprogramm initiiert. Mit dem Programm „Wirtschaftsstrategische Rohstoffe für den Hightech-Standort Deutschland“ sollen spezielle Technologien gefördert werden, mit denen Rohstoffe effizienter genutzt und besser recycelt werden können. „Wir müssen verantwortlich und sparsam mit den Ressourcen umgehen, die uns zur Verfügung stehen. Denn viele Hightech-Produkte brauchen Rohstoffe, die uns nicht unbegrenzt zur Verfügung stehen“, so Bundesforschungsministerin Schavan. „Als Industrienation verdankt Deutschland seinen Wohlstand vor allem der industriellen Produktion und dem Export von Hightech-Produkten. Rohstoffe, die bisher überwiegend importiert werden müssen, sind für Zukunftstechnologien unersetzlich. Wenn wir jetzt vorausschauend handeln, sichern wir damit unsere Ressourcen für die Zukunft.“Das Forschungsprogramm wird mit rund 200 Millionen Euro gefördert.

Im Fokus der Anstrengungen stehen Forschung und Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette nichtenergetischer mineralischer Rohstoffe: von der Exploration über die Gewinnung und Verarbeitung bis hin zum Recycling und der Substitution. Künftig sollen dadurch verstärkt beispielsweise Seltene Erden, Indium, Gallium sowie Metalle der Platingruppe für den Rohstoff-Kreislauf zurück gewonnen werden.

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Marc Brümmer

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