Wirtschaft

Die Boni-Party für Top-Banker ist vorbei

Laut der New Yorker Gehaltsexpertin Rose Marie Orens ist für die Top-Banker der großen Investmentbanken „die gewohnte Party vorbei“. Weil die Gewinne der großen Wall-Street-Firmen aufgrund von Schulden-, Banken- und Finanzmarktkrise einbrechen, werden die Gehälter und Boni bei den großen Banken um bis zu 40-50% einbrechen. Anleihehändlern droht sogar eine Kürzung um 60%. So soll das Durchschnittsgehalt eines Bankers bei Goldman Sachs, das 2007 noch bei 661.000 Dollar lag, 2011 auf 385.000 Dollar zurückgehen. Im Krisenjahr 2008 fielen die Gehälter allerdings mit durchschnittlich 364.000 Dollar noch geringer aus. Auch die Banker bei der US-Großbank Morgan Stanley müssen mit 30 bis 40% geringeren Boni rechnen.

Die extremen Bonuszahlungen in der Bankenbranche werden schon seit längerem kritisiert: Eine im „Management Science“ veröffentlichte Studie des Wirtschaftsethikers Bernd Irlenbusch von der Universität Köln belegt, dass hohe Bonuszahlungen in der Realität die Teamleistung verschlechtert und den Unternehmen damit insgesamt sogar schaden. Demnach brach die Kooperation zwischen den Mitarbeitern in den Experimenten regelmäßig zusammen, weil alle nur noch den Bonus und somit ihren eigenen Vorteil im Auge hatten. Der Egoismus setzte sich also an die Stelle der Teamarbeit – destruktiv aus der Sicht des Unternehmens. Irlenbusch: „Je höher der Bonus war, desto mehr strengten sich die Mitarbeiter an, aber auch die Sabotage wuchs, und die stieg im Verhältnis stärker an als die Produktivität der Mitarbeiter.“ Zudem stiegen auch die Gefahren durch eine übersteigerte Risikobereitschaft und kurzfristiges Denken. Als Vorteilhaft habe sich statt dessen ein insgesamt hoher Festlohn ohne die Aussicht auf Boni gezeigt.

Im American Journal of Sociology wurde eine Studie von US-Soziologen der Columbia University veröffentlicht, die den enormen Anstieg der Managergehälter in den letzten Jahrzehnten auf die Praxis des Benchmarkings für die Spitzengehälter der Top-Manager zurückführt. Lag das Verhältnis zwischen den Einkommen von Managern und durchschnittlichen Angestellten in den USA 1980 noch bei 35:1, wuchs dies – bezogen auf die 350 größten US-Unternehmen – auf 240:1 im Jahr 2004 und erreichte 2008 das extreme Verhältnis von 319:1. In Deutschland ist das Verhältnis allgemein moderater gestiegen, durchschnittlich vom 14:1 1987 auf 44:1 im Jahr 2006. Die Unterschiede sind jedoch auch hierzulande sehr groß: Bei der Deutschen Bank stieg das Verhältnis von 31:1 im Jahr 1992, auf 286:1 im Jahr 2000 und 240:1 im Jahr 2003. Dabei werden die Managergehälter ähnlicher Unternehmen verglichen, um ein angemessenes Gehalt für die eigenen Führungskräfte zu finden. So genannte Ausreißer (leapfrogger) können demnach die Gehälter auch von anderen Managern nach oben ziehen, ganz unabhängig vom Erfolg des Unternehmens oder der Manager. Erhöhungen von Managergehältern in einigen Unternehmen, die nicht ausreichend an Leistung und Erfolg gekoppelt sind, können somit zu scheinbar legitimen Gehaltserhöhungen bei anderen führen. Dadurch haben sich die Managergehälter allgemein mittels dieses "Ansteckungseffekts" deutlich erhöht. Dies sei eine der Hauptursachen für die Anomalie der Managergehälter in den USA, die sich mittlerweile weltweit verbreitet hat. Analysen der Gehaltslisten der wichtigsten US-Unternehmen zwischen 1992 und 2006 kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass etwa die Hälfte der in dieser Zeit erfolgten Gehaltserhöhungen tatsächlich auf Benchmark-Vergleiche zurückgeht. Der britische Premierminister Camaron hat diese Praxis am Wochenende auch als „Karussell“ bezeichnet: Laut Camaron genehmigt sich eine kleine Gruppe von Direktoren gegenseitig ihre unverhältnismäßigen Gehaltspakete und fügen damit ihrer eigenen Firma Schaden zu.
 

 

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