Kolumnen

Das Kolumnending: Die Grünen und der Mindestlohn

… aus der wöchentlichen Kolumne von ElSchnuppero.

 „Wir wollen Arbeit, die Menschen als gut empfinden und die fair bezahlt ist. Mit einem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von wenigstens 7,50 Euro je Stunde wollen wir sicherstellen, dass man von seiner Arbeit auch leben kann. Höhere Mindestlöhne in einzelnen Branchen bleiben hiervon unberührt.“ Klingt gut, oder? Dieses Statement stammt von der Partei  Bündnis 90 / Die Grünen. Und gleich darunter prangt noch ein riesengroßes Banner auf dem uns mitgeteilt wird: „Lohndumping! Wir sind gegen die Ausbeutung von Arbeitnehmern!“ Auch das klingt recht vernünftig. Schließlich gebietet es schon der gesunde Menschenverstand, dass es niemand zugemutet werden sollte, für seine Arbeitskraft weniger als 10 Euro pro Stunde zu bekommen.

Leider klafft bei den Grünen Anspruch und Realität weit auseinander. Bärbel Höhn, Spitzenkandidatin der Grünen in Nordrhein-Westfalen, sucht für die nächste Bundestagswahl nämlich einen Mitarbeiter für den Oberhausener Wahlkreis. Und die Entlohnung? Vier Euro pro Stunde. Welcome to Germany. [pullquote align=“left“]„Wir wollen Arbeit, die Menschen als gut empfinden und die fair bezahlt ist. Mit einem allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn in Höhe von wenigstens 7,50 Euro je Stunde wollen wir sicherstellen, dass man von seiner Arbeit auch leben kann. Höhere Mindestlöhne in einzelnen Branchen bleiben hiervon unberührt.“[/pullquote]

Dabei begründet die Partei diese horrend sparsame Entlohnung damit, dass es sich hierbei um eine Praktikantenstelle handelt. Und wie jedermann weiß, sind Praktikanten keine regulären Arbeitnehmer, sondern sogenannte Unterarbeitnehmer, deren Arbeitskraft um ein Vielfaches geringer ist, als die eines „normalen“ Arbeitnehmers. Seltsamerweise liest sich die Stellenausschreibung aber dann doch recht anspruchsvoll und so gar nicht passend für ein kleines Praktikantendummerchen:  Erwartet werden selbstständiges Arbeiten, Eigeninitiative, strategisches Denkvermögen und die Fähigkeit, Konzepte zu erarbeiten. Vorausgesetzt wird auch die Bereitschaft, in den Abendstunden und an den Wochenenden zu arbeiten, sowie Top-Kenntnisse in Sachen Online-Kommunikation, Typo 3, HTML, Soziale Netzwerke und  MS Office. Aber wenigstens hatte der Webmaster der Grünenwebseite Humor, er übertitelte die recht provokante Ausschreibung dann noch mit: „Lust auf viel Arbeit und viel Anerkennung?“

Rekapitulieren wir also kurz: Man nehme eine Partei, die sich vehement für einen flächendeckenden Mindestlohn einsetzt. Und dann nehme man eine Partei, die einer Arbeitskraft 4 Euro in der Stunde zahlen will. Dann rührt man kurz um und wir präsentieren: Eine deutsche Bilderbuchpartei mit einer sinnlichen Note Heuchelei.[pullquote align=“right“]„Lust auf viel Arbeit und viel Anerkennung?“[/pullquote]

Doch bei den Grünen hat man gleich den rhetorischen Ausweg parat. So erklärt Andreas Blanke, Vorstandssprecher der Oberhausener Grünen, die Konditionen folgendermaßen: „Wir sind uns bewusst, dass die 400 Euro keine üppige Entlohnung sind. Man muss aber auch sagen, dass es Praktikantenstellen gibt, für die gar keine Vergütung bezahlt wird“. Auch hier sollten wir kurz resümieren und übersetzen: „K*ckt die Kuh auf den Acker, k*cken wir daneben. Nur mit weniger Gestank.“

Man liest ja häufiger von solcher Art Beschäftigungspolitik in den Reihen der etablierten deutschen Parteien und wie es so schön heißt: Der Fisch stinkt vom Kopf her! Denn wir haben hier die bundesdeutschen Vorbilder, deren Benehmen denjenigen ähnelt, die solche Possen in Vollzeit reißen. Durch alle Branchen hinweg gibt es immer noch die Gewissheit, dass man sich mit Praktikanten den einen oder anderen Vollzeitangestellten sparen kann. Praktikanten sind schließlich billig, i.d.R. studiert und nicht sonderlich anspruchsvoll. Zudem kann man sie leicht ersetzen. Wundert es dann noch, wenn es in Deutschland gefühlte drölf Millionen Praktikanten gibt und daneben gleich noch 3 Millionen Arbeitslose und ca. 4 Millionen, die von ihrem eigenen Job nicht leben können und auf Stütze angewiesen sind?

Zudem wird den Unternehmen der Nachschub nicht ausgehen, weil es immer einen Blöden geben wird, der sich auch auf das schlimmste aller Praktika bewerben wird. „Hey, kommen Sie zu uns nach München! Ihre Miete kostet Sie 500 Euro und wir sind so nett und bezahlen Ihnen für Ihr Vollzeit-Äquivalent satte 250 Euro pro Monat. Willkommen im System!“ Kennen Sie jemanden, der ein solches Praktikum angenommen hat? Wenn ja, dann tun Sie mir einen Gefallen: Schleichen Sie sich von hinten die betroffene Person an und knallen Sie ihr eine. Am besten mit einer Bratpfanne.

In diesem Sinne

Gez.: ElSchnuppero

Ein Kommentar zu “Das Kolumnending: Die Grünen und der Mindestlohn

  1. Da war ich allerdings auch platt, wie hier eine Vorzeige-Grüne die Arbeitnehmerschaft verhöhnt. Und da will ich auch nichts von der Generation „Praktikant“ hören oder lesen. Das war einfach saudumm und strategisch unbeholfen. – Wasser predigen und Wein saufen – das geht gar nicht. Und schon zweimal nicht bei den Grünen (oder den Gewerkschaften)

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