Kolumnen

Die leisen Töne

… aus der wöchentlichen Business-Kolumne von Ulrich B Wagner mit dem Titel "Me, myself and I – eine Reise in sich hinein und über sich hinaus".

    Heute:    Die leisen Töne
                   oder: Die stillen Vorboten der Zukunft…

 

                                       „So still…Ich hab so viel gehört und doch kommt’s niemals bei mir an…“
                                                                                                                              (Jupiter Jones, Still, 2011)

 

Es gibt ein wundervolles Liebesgedicht von der polnischen Literaturnobelpreis-trägerin Wislawa Szymborska mit dem Titel „Liebe auf den ersten Blick“ (Auf Wiedersehen. Bis morgen., Gedichte, Suhrkamp, 1998), das sich mit der Frage der Plötzlichkeit eines Gefühls und eines Aufeinandertreffens zweier Liebender auseinandersetzt:

Beide sind überzeugt,
sie habe ein plötzliches Gefühl vereint.
Diese Gewissheit ist schön,
doch die Ungewissheit ist schöner.
…….
Es würde sie wundern zu hören,
der Zufall habe seit langem
mit ihnen gespielt.
…….
Noch nicht ganz
Schicksal,
brachte er sie mal zusammen, mal auseinander,
versperrte den Weg,
sprang zur Seite,
kichernd.
……..
Denn jeder Anfang
ist nur Fortsetzung,
und das Buch der Ereignisse
ist immer aufgeschlagen, mittendrin.

 

Die Zukunft kommt in der Regel auf leisen Sohlen. Viele Dinge scheinen uns wie aus heiterem Himmel zu treffen. Wir sind irritiert, überrascht oder gar schockiert. Jeder Anfang ist nur eine Fortsetzung, heißt es am Ende dieses Liebesgedichtes von Wislawa Szymborska. Jedes Ende hat einen Anfang und ist damit auch wieder nur eine Fortsetzung von etwas, das wir bisher nicht bemerkt, nicht verstanden oder nicht registriert haben, oder, wie es sinngemäß im Lied von Jupiter Jones heißt: Es kommt einfach nicht bei uns an. Warum ist das so?

Die Zukunft kommt auf leisen Sohlen. Meist kündigt sie sich auch schon lange vorher an. Allerdings zunächst nur mit sehr leisen Tönen. Es gibt verborgene Zeichen, auf den ersten Blick unleserlich, vielleicht, für das unachtsame Auge, und doch sind sie da, diese stillen Vorboten der Zukunft, ob wir sie sehen wollen oder nicht.

Dies gilt nicht nur für Liebeziehungen, für ihren Anfang und das für den Verlassenen meist unverständliche und plötzliche (?) Ende, sondern für unser gesamtes Leben, für Wirtschaft und Gesellschaft.

 

Dies gilt auch für den Untergang ganzer Kulturen, siehe beispielsweise die Mayas, für große Katastrophen und Unglücksfälle, vom Absturz der Concorde bis hin zur Explosion des Space Shuttles nach dem Wiedereintritt in die Erdatmosphäre.

Im Nachhinein ist man immer schlauer, mögen Sie an dieser Stelle vielleicht einfügen. Ist das wirklich so?

Wie viele Dinge in unserem Leben passieren jedoch im Vorwege tatsächlich nach dem berühmten drei Affen-Prinzip: Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen, und dem großen Bruder der drei: Nichts tun?

Es wird schon gut gehen. Bisher ging es ja immer gut, warum sollte also gerade jetzt etwas passieren? Jeder von uns kennt diese vermaledeiten Phrasen, für die man sich, wenn es dann passiert ist, sprichwörtlich in den Allerwertesten beißen könnte.

Alles verändert sich. Jeder Tag, jede Minute ist Veränderung. Nicht nur die Rahmen-bedingungen verändern sich kontinuierlich, sondern auch das bis dato Verständliche verliert im Laufe der Zeit an Selbstverständlichkeit.

Nichts gegen Routinen und Selbstverständlichkeiten. Wir brauchen Sie zum Leben und Überleben. Wir können nicht in jedem Moment immer wieder Alles in Frage stellen und zwanghaft, bis hin zur Zwangsneurose, alles von neuem überprüfen. Wir brauchen Verlässlichkeit und Vertrauen.

Doch, wie Lenin in einem anderen Kontext einmal formulierte, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser, brauchen wir von Zeit zu Zeit auch die Momente, in denen wir uns wieder verorten, zur Ruhe kommen, uns dem Lärm des Alltags entziehen, um zu lauschen, um in uns hineinzuhören, ihnen Aufmerksamkeit und Achtsamkeit schenken, den stillen Vorboten der Zukunft.

Schieben Sie es nicht auf die lange Bank, beginnen Sie noch heute. Lassen Sie es bei sich ankommen. Ihre Partnerschaft, Ihr privater und beruflicher Erfolg, aber auch Sie selbst werden es sich und Ihnen danken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen mehr Mut zu sich Selbst.

Herzlichst

Ihr  Ulrich B Wagner

 

Zum Autor:

Ulrich B. Wagner, Jahrgang 1967, studierte Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main.

Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Kommunikation, Coaching und Managementberatung (ikcm) mit Sitz in Bad Homburg und Frankfurt am Main und gleichzeitig Dozent an der european school of design für Kommunikationstheorie sowie Werbe- und Konsumentenpsychologie.

Ulrich Wagner arbeitet als Managementberater und systemischer Coach mit den Schwerpunkten Business- und Personal Coaching, Kommunikations- und Rhetoriktrainings, Personalentwicklung, Begleitung von Veränderungsprozessen und hält regelmäßig Vorträge und Seminare.

Zu erreichen: via Website www.ikcm.de, via Mail uwagner@ikcm.de, via Xing, AGITANO-Expertenprofil und Facebook (Ulrich B Wagner).

 

 

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