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Die Österreicher: Behaarte Frauen und Niedertracht

… aus der wöchentlichen Kolumne „QUERGEDACHT & QUERGEWORTET  – Das Wort zum Freitag“ von Ulrich B Wagner. Nach „Lärme mich … oder über die Kakofonie der Einfältigkeit“ folgt heute: „Behaarte Frauen und Niedertracht … oder der verzweifelte Versuch eines Kulturessays“.

Was dem Zimmermann seine Zimmermannshose und dem Matrosen seine Matrosenhose, ist dem Österreicher seine Niedertracht.“
André Heller

Die Mentalität der Österreicher ist wie ein Punschkrapfen: Außen rot, innen braun und immer ein bisschen betrunken.“
Thomas Bernhard

Hypochonder sorgen sich um ihre Gesundheit, Österreicher um ihre Identität.“
Xenophobe’s Guide to the Austrians

Die Österreicher – ein Volk von Massenmördern?

Wien, Österreich, Österreicher
Die Österreicher sind ein Volk voller Gegensätze. (Bild: johannes vortmann / pixelio.de)

Es ist so ein Ding mit unseren lieben Nachbarn im Süden. Mal werden die Österreicher als eigentlich unnahbar und unhöflich beschrieben. Dann wiederum als weltgewandt und offen. Ein Volk der Künstler und Literaten, die sich ungleich ihren deutschen Nachbarn im Norden einen Hauch Gemütlichkeit bewahrt haben (vgl. Armand Feka, in daStandard.at: „Ein Punschkrapfen zu viel“). Es ist ein äußerst paradoxer Charakterzug, der sie fast bis an die Grenze der Schizophrenie auszuzeichnen scheint. Ihr Humor ist beispielsweise größtenteils einem angeborenen Hang zur Selbstzerfleischung geschuldet und es verwundert daher nicht, dass Thomas Bernhard an irgendeiner Stelle seines Werks darauf verwies, dass in jedem Österreicher eigentlich ein Massenmörder lauert.

Und jetzt auch noch das!

Einverstanden, es ist mit dem Eurovision Song Contest (ESC) ähnlich wie mit der BILD-Zeitung. Keiner liest sie, geschweige denn kauft sie sich sogar und doch wissen alle am Ende des Tages was drinsteht. Auch der Kolumnist macht an dieser Stelle keine Ausnahme und muss mit einem Schmunzeln eingestehen, dass er am Samstagabend mit einer großen Packung Eis und Pralinés vor dem Fernseher mitfieberte.

Ein gewöhnliche(r) Gewinner(in)? Beileibe nicht. Die Wurst spaltet die Nationen. Oder wie es das Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) am Montagmorgen auf den Punkt brachte: „Die Wurst bewegt die Welt“. Es muss daher eindeutig als ein sehr mutiges Zeichen des eher konservativen Österreichs angesehen werden, die Dragqueen aus Gmunden (Oberösterreich) in Kopenhagen ins Rennen zu schicken. Chapeau!

Euro-Homos schmorrt in der Hölle

Oder wie es der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck am Montag im ZDF-Morgenmagazin auf den Punkt brachte: „Es ist ein Signal, dass es in Europa eine starke Tendenz für Gleichberechtigung gegen Diskriminierung gibt“.

Der Initiator des international umstrittenen Anti-Homosexuellen-Gesetzes, der russische Kommunalpolitiker Witali Milonow twitterte dagegen aus St. Petersburg voller Hass: „Euro-Homos schmort in der Hölle“. Die Äußerung des ehemaligen polnischen Regierungschefs Jaroslaw Kaczynski bläst ins selbe reaktionäre und kranke Horn:  „Conchita Wurst ist der Beweis für den Verfall des modernen Europas“.

Doch bei aller Hochachtung für diese „wurstige“ Leistung. Es muss raus. Ich habe heute noch Gänsehaut und Schüttellähmung wenn ich die Gewinnerin des ESC 2014 vor meinem inneren Auge aufmarschieren lasse. War dies vielleicht nicht nur ein Zeichen für Toleranz, sondern gar ein Plädoyer für Hirsutismus (Bezeichnung für eine vermehrt androgenabhängige Behaarung. Zum Beispiel Bartwuchs, Brust- und Beinhaare bei Frauen. Quelle: Docflec, Lexikon). Mir graut es.

Die Wurst – nur ein kaiserlicher Schmarrn

Zuzutrauen ist es ihnen ja den Österreichern. Denken sie nur an unsere liebreizende Operettenkaiserin Sissi und ihre Chuzpe, wie sie ihre Unfähigkeit zu einem Welterfolg krönte. Wie so viele Legenden ist auch diese Geschichte sagenumwoben und nicht eindeutig geklärt. Eine beispielsweise berichtet davon, dass unsere liebreizende Kaiserin ihrem Gatten, dem Kaiser Franz Josef I. (1830-1916) seine Lieblingsspeise, einen Palatschinken zubereiten wollte, dieser jedoch in seine Einzelteile zerfiel. In ihrer Not bestreute sie ihr Missgeschick mit Puderzucker und ließ zu guter Letzt noch ein paar Rosinen darüber fallen. Und so soll sie der Legende nach schließlich den ersten Kaiserschmarrn auf den Tisch gezaubert haben. Der Kaiser war ganz außer sich und lobte das Malheur über alle Grenzen. Worauf unsere schüchterne und brave Sissi entgegnete: „Ach, das ist ja nur ein Schmarrn“. Worauf Franz Josef amüsiert meinte: „Ja, aber ein richtiger Kaiserschmarrn“.

Ich sehe jetzt schon bei schönem Wetter, millionenfach Mädchen und Frauen allen Alters in unseren Parks, Fußgängerzonen und Eisdielen, wie ihnen das Achselhaar zu Zöpfen geflochten unter ihren Achseln hervorquillt. Ehemals zum Träumen anregende Beine bis zur Unkenntlichkeit durch liebevoll gestyltes Körperhaar verunstaltet. Von den Oberlippenbärtchen, die bei jedem Schluck ins Proseccoglas wabern sei an dieser Stelle ganz zu schweigen. Ich hoffe inständig, dass uns die Wurst hier am Ende des Tages in Kopenhagen bitte auch nur einen kaiserlichen Schmarrn aufgetischt hat.

Über Ulrich B Wagner

Ulrich B Wagner
(Foto: © Ulrich B. Wagner)

Ulrich B Wagner (Jahrgang 1967) ist Diplom-Soziologe, Psychologe, Schriftsteller und Kolumnist. Sein Studium der Soziologie, Psychologie & Rechtswissenschaften absolvierte er an der Johann Wolfgang von Goethe Universität, Frankfurt am Main. Zusammen mit Professor Karl-Otto Hondrich arbeitete er am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften an einer Reihe von Forschungsprojekten zum Thema  „Sozialer und kultureller Wandel“.

Ulrich B Wagner ist Dozent an der european school of design in Frankfurt am Main mit dem Schwerpunkt  Kommunikationstheorie, Werbe- und Konsumentenpsychologie, sowie Soziologie und kultureller Wandel und arbeitet als Berater sowie systemischer Coach mit den Schwerpunkten Business- und Personal Coaching, Kommunikation und Konzeptentwicklung, Begleitung von Veränderungsprozessen und hält regelmäßig Vorträge und Seminare.

Zu erreichen: via Mail ulrich@ulrichbwagner.de, via Xing und Facebook (Ulrich B Wagner).

Christoph Schroeder

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