Management

Die Rede: Von der Pflicht zum Ohrenschmaus

Auf Betriebsfeiern ist sie oft unausweichliche Pflicht: die Rede. Wie Ihre Rede von der langweiligen Pflicht für Ihre Zuhörer zum Ohrenschmaus wird, verrät Ihnen im Folgenden Andreas Lutz. Denn eine gute Rede braucht mehr als interessanten Inhalt – der ist meist sekundär. Viel wichtiger ist, wie der Inhalt verpackt ist, denn so können Sie Ihre Mitarbeiter nachhaltig begeistern.

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Schon nach den ersten Sätzen fragen sich die Zuhörer einer Rede: Wann ist das Buffet eröffnet? (Bild: Ulrich Merkel / pixelio.de)

Wann wird endlich das Buffet eröffnet?

Der Saal ist geschmückt, der Tisch gedeckt und die Gäste sind in eleganter Garderobe erschienen. Dann tritt der Redner ans Pult und spricht die ersten Worte. Alle lauschen gebannt. Doch nach wenigen Sätzen erlahmt ihr Interesse. Und jeder fragt sich: Wann wird endlich das Buffet eröffnet?

Mit der Rede begeistern – es könnte so leicht sein!

Dieses Phänomen ist gerade in den vergangenen Wochen wieder verstärkt in Erscheinung getreten. Denn die Chefansprache gehört ebenso obligatorisch zum Programm einer Weihnachtsfeier wie der Festschmaus. Ähnlich ist es bei Neujahrsempfängen für Kunden, Verbands- und Vereinsmitglieder. Auch hier sind Reden Pflicht – obwohl die Zuhörer sie meist eher als sättigende Beilage denn als Ohrenschmaus empfinden. „Dabei blicken die Zuhörer der Rede meist gespannt entgegen“, weiß (Verkaufs-)Rhetoriktrainer Ingo Vogel aus Esslingen. „Sofern sie nicht aus den Vorjahren bereits die langatmigen Ansprachen des Chefs oder Verbandsvorsitzenden kennen.“ Entsprechend leicht könnten Redner ihr Publikum begeistern.

Die Rede muss zur Person passen – und umgekehrt

Das ist oft leichter dahin gesagt als getan. Gerade Führungskräfte, die in ihrem gewohnten Umfeld sonst souverän auftreten, fragen sich: Wie gewinne ich als Redner die Sympathie meiner Zuhörer? „Er sollte authentisch wirken und die Rede zu ihm passen“, betont die österreichische Managementtrainerin Sabine Prohaska. „Unglaubwürdig wirkt es, wenn ein Kleingeist sich plötzlich als Witzbold präsentiert oder ein Einzelkämpfer sich verbal mit den Anwesenden verbrüdert.“

Die wenigsten Zuhörer achten auf den Inhalt

Viele Amateur-Redner konzentrieren sich allzu sehr auf den Inhalt Ihrer Rede. Aber wie Untersuchungen zeigen: Der Erfolg einer Rede hängt vor allem davon ab, ob der Redner den Zuhörern sympathisch ist. Wichtig ist auch die Dramaturgie. Recht gering ist hingegen die Bedeutung des von vielen Vortragenden hoch geschätzten Inhalts. In letzter Konsequenz heißt das: Ein Redner muss vor allem einen Draht zum Publikum finden und seine Inhalte gut verpacken. Dabei gilt die alt bekannte Devise: In der Kürze liegt die Würze.

Denn je kürzer eine Rede ist, umso besser ist sie meist. Eine Rede auf einer Weihnachtsfeier sollte maximal zehn bis 15 Minuten dauern und höchstens drei Kernbotschaften enthalten. Zum Beispiel: „Die Arbeitsplätze sind sicher“, „Unser Unternehmen sieht rosigen Zeiten entgegen“ oder „Dass es uns so gut geht, verdanken wir dem Einsatz aller Mitarbeiter“, so Ingo Vogel.

Wie eine Zeitreise

„Ein guter Redner nimmt seine Zuhörer mit auf eine Gedankenreise“, erklärt Prohaska – zum Beispiel durch das vergangene Jahr. Also sollte er zunächst erkunden: Was ist der Anlass der Reise? Wohin soll sie gehen? Und wer nimmt daran teil? Erst danach sollte er das Reiseprogramm festlegen.

Seien Sie zielgruppenorientiert

Einen weiteren Tipp hat Dr. Gudrun Fey, Kommunikationstrainerin aus Stuttgart: „Analysieren Sie im Vorfeld: Wer sitzt mir gegenüber?“ Mit Mitarbeitern reden Sie unter vier Augen auch anders als mit einem Kollegen. Das gilt für einen gelungenen Vortrag genauso.

Ebenfalls wichtig: Welche Beziehung besteht zwischen den Zuhörern? Arbeiten sie zum Beispiel im Alltag zusammen? Dann haben sie gemeinsame Erfahrungen, auf die der Redner sich beziehen kann. Sehen sich die Zuhörer hingegen nur ein Mal pro Jahr, „müssen Sie auf andere Elemente zurückgreifen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden“, so Fey weiter. Zum Beispiel auf Entwicklungen innerhalb der Branche.

Inhalt strukturieren mit der Mindmap-Methode

Da der Inhalt zwar, wie weiter oben ausgeführt nicht das Wichtigste, aber dennoch wichtig ist, sollte ein Minimum an Planung hierfür doch investiert werden. Dazu reicht Prohaska zufolge die Mindmap-Methode. Schreiben Sie in die Mitte eines Blattes Papier zunächst das Thema beziehungsweise den Anlass der Rede auf. Zum Beispiel: „Weihnachtsfeier 2014“ oder „Strategie 2015“.

Notieren Sie anschließend entlang von Linien, die von diesem Zentrum ausgehen, alles, was Ihnen zum Thema einfällt, etwa „Umsatzentwicklung“, „Dank an Mitarbeiter“, „Neue Produkte“. Notieren Sie anschließend entlang von Seitenarmen dieser Linien wiederum alles, was Ihnen zu diesen Stichworten einfällt. „So bekommen Sie einen Überblick über die möglichen Inhalte der Rede“, erklärt Prohaska. Und wenn es zu viel wird? „Dann streichen Sie einfach einige Seitenarme.“

Übung macht den Meister

Sicherheit gewinnen Redner vor allem durch Übung. Hierzu zählt das laute Vortragen der Rede. Speziell den Einstieg, das Ende sowie die Übergänge zwischen den einzelnen Passagen sollten Redner, zum Beispiel vor einem Spiegel, so lange üben, bis sie diese im Schlaf aufsagen können. Und noch einen Tipp hat Vogel: „Stoppen Sie beim Üben die Dauer Ihrer Rede. Dann merken Sie, wann es Zeit zum Eröffnen des Buffets wird.“

Über Andreas Lutz

Der Autor Andreas Lutz studierte Optotechnik und Bildverarbeitung an der Hochschule Darmstadt. Er arbeitet als (Online-)Journalist und SEO-Spezialist für die auf den Beratungsmarkt spezialisierte Marketing- und PR-Agentur Die PRofilBerater GmbH, Darmstadt.

 

 

Katja Heumader

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