Management

Die Reden-Trainerin Katja Kerschgens im Personality-Interview Nr. 55

Im Rahmen der "Personality-Interviews" kommen eine Vielzahl interessanter, außergewöhnlicher und herausragender Experten – von Speakern, Coaches und Trainern über Gutachter, Sachverständigen und Beratern bis hin zu Wissenschaftlern – zu Wort. Das 55. Interview wurde mit Katja Kerschgens durchgeführt – die Trainerin, Sprachwissenschaftlerin und Mitglied der German Speakers Association hat sich auf das Straffen von Reden und das Mitreissen des Publikums bei Vorträgen spezialisiert. Sie ist Inhaberin der Kommunikationsfirma KKKom®.

 

Schönen guten Tag Frau Kerschgens. Bevor wir auf das Thema Reden, Training und Coaching eingehen, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Ich heiße Katja Kerschgens und bin die Redenstrafferin. Ich bringe Menschen dazu, straffe Reden zu halten. Straff heißt nicht unbedingt kurz, sondern vor allem kurzweilig! Als professionelles Mitglied der German Speakers Association habe ich stets das Ohr an den Trends der Speakerszene, meine Kommunikationsfirma KKKom® beschäftigt sich neben Trainings in Sachen Redenstraffen und Schlagfertigkeit auch mit Textarbeiten aller Art.

Was ist das Hauptthema Ihrer Tätigkeit?

Ich habe Germanistik, Sprachwissenschaft und Phonetik in Köln studiert, in vielen Jahren als Journalistin und Redakteurin habe ich meinen Blick für das Wesentliche geschärft. Und genau dieser Blick wird gebraucht für das Straffen von Reden: Was ist die Kernaussage? Wo ist der rote Faden? Wie wecke ich das Interesse der Zuhörer? Was ist wirklich relevant – und was kann weg?

Seit 2001 trainiere ich bundesweit als selbstständige Rhetorik- und Schlagfertigkeitstrainerin Menschen quer durch alle Zielgruppen. Aus dieser Vielfalt von Teilnehmern und ihren Geschichten habe ich die Essenz des Redenstraffens entwickelt und die Aktion gegen den Missbrauch von Lebenszeit gestartet.

Was zeichnet Sie besonders aus und was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Mir ist etwas aufgefallen: Zuhörer winden sich auf ihren Stühlen angesichts von langatmigen, völlig überladenden PowerPoint-Vorträgen oder sonst wie enervierenden Reden. Dann stehen die gleichen Menschen auf und halten ihre Vorträge auf die gleiche Weise. Und sagen auch noch: „Meine Zuhörer erwarten das so!“ Das ist gelinde gesagt – paradox!

In meinen Trainings schauen wir genau hin: Was kann ich meinen Zuhörer zumuten – oder besser: Wie erzeuge ich Spannung? Wie bringe ich das Bildergehirn meiner Zuhörer auf Trab? Wie kann ich Zahlen wie einen Krimi verkaufen? Wie erzeuge ich volle Aufmerksamkeit und am Ende meines Vortrag Handlungsenergie? Meine Teilnehmer halten nach einem Redenstraffer-Training oder Einzelcoaching endlich die Reden, die ihre Zuhörer verdient haben.

Das Prinzip des Redenstraffens ist umfassend, denn es bezieht die Zuhörer-Perspektive auf besondere Weise in das Entwickeln eines Vortrags mit ein. Und es sorgt dafür, dass der Redner Spaß am Reden halten hat. Ich senke die Hemmschwelle, Neues auszuprobieren und alte Vortragstechniken grundsätzlich in Frage zu stellen. Denn es wie alle anderen zu machen, das kann ja jeder – nur dann hört ja keiner zu…

 

Worin liegt Ihrer Meinung nach – aus der Perspektive Ihrer Tätigkeit heraus – in der Regel der größte Handlungsbedarf bei Ihren Kunden?

Viele Redner tappen in die „das-machen-doch-alle-so“-Falle. Die Folge sind mehrstündige Veranstaltungen mit einer PowerPoint-Schlacht nach der anderen, die niemanden motiviert. Damit werfen Unternehmen bares Geld aus dem Fenster, denn ihre Mitarbeiter sitzen da für nichts ihre Zeit ab. Wollen Unternehmen ihre Mitarbeiter nicht motivieren? Wollen sie ihre Produkte nicht verkaufen? Wollen Sie Menschen nicht von etwas überzeugen? Wenn das die Ziele sind, können sie ruhig weiter unstraffe Reden halten (lassen)…

Wenn das jedoch nicht das Ziel ist, besteht akuter Handlungsbedarf! Zuhörer werden neben PowerPoint-Orgien obendrein Opfer von Floskeln und Diffuslingen. Floskeln von „ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind“ bis „ich komme dann mal langsam zum Ende, will aber vorher noch…“ haben keinen Informationswert und halten die Zuhörer nur von den eigentlichen Inhalten ab. Diffuslinge wie „innovativ“, „teamfähig“ oder „serviceorientiert“ lösen bei Zuhörern nichts aus, da diese Wörter ohne Übersetzung im Sprachzentrum hängen bleiben. In meinen Trainings werden diese Begriffe ersetzt – mit Beispielen, Geschichten, anschaulichen Fakten. Das ist besser für die Zuhörer-Gehirne und macht auch dem Redner viel mehr Spaß.

Reden halten ist für viele ein großer Angang. Dabei fehlen oft nur Kleinigkeiten, um aus einem Vortrag ein besonderes Ereignis zu machen: Der Redner sollte so nah wie möglich bei sich selbst bleiben. Und er sollte sich auf wenige Kernbotschaften konzentrieren, diese aber so bildstark wie möglich an die Zuhörer bringen. Und damit ist auch schon sofort den Unternehmen geholfen, ihre eigentlichen Ziele zu erreichen.

Woran denken sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Wenn das Publikum dem Vortrag von Anfang bis Ende aufmerksam folgt – dann war der Redeerfolg kurzfristig schon sehr gut. Wenn Zuhörer noch ein halbes Jahr später zu einem Redner sagen können: „Diese Geschichte von dem Bettler, die ist mir echt nachgegangen, da habe ich über einiges mal neu nachgedacht!“ – dann war der Redeerfolg definitiv nachhaltig.

Und da genau geht es hin: Menschen zum Nachdenken und Handeln anregen! Denn das wird überall gebraucht – ob in der Vorstandssitzung, bei der Mitgliederversammlung oder bei der Produktvorstellung beim Kunden.

Haben Sie ein Lebensmotto? Wenn ja, welches?

Ich sehe grundsätzlich immer das Positive in allem. „Was ist das Gute daran?“, ist meine erste Frage in jeder Situation. Dazu passt auch das Motto: „Nicht ärgern, nur wundern!“ Alles andere kostet viel zu viel Energie und führt immer in die falsche Richtung.

Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die nächsten drei Jahre aus?

Brandaktuell ist die Neuigkeit, dass im Herbst zu meinem aktuellen Buch „Reden straffen statt Zuhörer strafen“ das dazugehörige Hörbuch im GABAL Verlag erscheint. Und nächstes Jahr gibt es ein neues Buch für den Schliff des eigenen Vortrags in letzter Minute. Damit komme ich meinem großen Ziel wieder ein Stück näher, dass mehr straffe Vorträge gehalten werden in diesem Land – denn das wird dringend gebraucht! Alles andere ist Missbrauch von Lebenszeit – oder sitzen Sie gerne in langweiligen Vorträgen…? Diese Mission verfolge ich auch in den nächsten Jahren – und jeder straffungswillige Redner ist mir herzlich willkommen: Lassen Sie uns gemeinsam die Vortragswelt straffen – die Zuhörer haben es verdient!

Danke Frau Kerschgens für diese interessanten Einblicke in Ihre Tätigkeit.

 

Das Interview führte Oliver Foitzik (Herausgeber AGITANO / Geschäftsführer FOMACO GmbH).

 

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