Panorama

Die Zeit der nachdenklichen Momente mit der „alten“ Frage nach dem Sinn – Adventsgespräch mit Stefan Gottschling

Das 20. Türchen des AGITANO Adventskalenders öffnen wir am 20. Dezember 2011, mit Stefan Gottschling, einem der Spezialisten für verkaufsstarke Texte und Inhaber des SGV-Verlags. Im Rahmen des AGITANO Adventsgesprächs spricht er über seine persönliche Advents- und Weihnachtszeit.

Wie kam es eigentlich zu den AGITANO Adventsgesprächen? Ulrich B Wagner (mit dem wir das heutige Interview geführt haben) hat am 23. November 2011 eine Kolumne mit dem Titel “Advent, Advent, die Seele brennt … Alle Jahre wieder, oder über den Horror des Daueradvents …(!?)” geschrieben. Dies gab bei uns den Anlass, dem Thema genauer auf den Grund zu gehen und persönliche Erfahrungen unterschiedlicher Menschen zum Weihnachtsfest zu sammeln, in Form der AGITANO Adventsgespräche. Hierzu werden wir nun an jedem Tag in der Vorweihnachtszeit mit einer Persönlichkeit aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft über ihre Erfahrungen und Wünsche zur Advents- und Weihnachtszeit sprechen. Dies soll gleichzeitig für unsere Leser eine Möglichkeit sein, sich auf die ruhigere Zeit einzustellen und "kleine" gedankliche Auszeiten zu nehmen.

 

Stefan Gottschling, einem der Spezialisten für verkaufsstarke Texte und Inhaber des SGV-Verlags

Welche Bedeutung hat für Sie Weihnachten?

Das mit dem „Fest der Liebe“ in dem ganzen Rummel ernst zu nehmen und dem Fest eine tiefe spirituelle Bedeutung zu geben – das fällt mir schwer. Weil ich, und das gilt besonders für dieses Jahr, ohne Schnee gar keine „Weihnachtsgefühle“ habe. Aber bis jetzt war’s noch jedes Mal so, dass einen beim – wie immer zu späten – Schreiben von Weihnachtskarten eine tiefe Ruhe überfällt. Und dass die Weihnachtstage dann doch einige nachdenklich Momente haben, wo die Zeit langsamer zu vergehen scheint und die alten Fragen nach dem Sinn und ob man denn alles „richtig“ macht ans Fenster klopfen.

Wie gestalten Sie die Adventszeit?

Die Vorweihnachtszeit fängt für mich seit vielen Jahren mit dem Weihnachtsmarkt am ersten Dezemberwochenende in Hilpoltstein an. Dort gibt es ein Heim für geistig behinderte Menschen. Ich habe dort vor 25 Jahren eine Vormundschaft übernommen und da Thomas in den letzten Novembertagen Geburtstag hat, ist das immer der Beginn der „stillen Zeit“. So hole ich mir gleich zu Anfang einen Schwung Weihnachtsgerüche und festliche Stimmung.

Die muss dann meistens lang anhalten. Denn besonders in diesem Jahr konnte ich die Adventszeit so gut wie gar nicht gestalten. Für mich war dieses Jahr eine große Umbruchsituation und wir sind als SGV Verlag und Texterclub mit einem neuen Unternehmen gestartet. Das Schönste ist im Moment das Gefühl, dass wir wohl vieles richtig gemacht haben. Aber ich habe auch den Eindruck, Termine und das Geschäftliche hören erst kurz vor Weihnachten auf.

Auf was freuen Sie sich zu dieser Jahreszeit am meisten?

Auf gute Freunde, die ich seit Jahren mindestens einmal im Jahr auf dem Weihnachtsmarkt sehe. Und wenn’s das ganz Jahr mit persönlichen Treffen nicht geklappt hat, da achten wir drauf.

Auf die vielen Kindheitserinnerungen, die da hochkommen.

Auf zwei Stunden in einem guten Buchladen. Denn das ist mittlerweile auch so ein Weihnachtsritual geworden: Kurz vor den Feiertagen gehe ich ganz entspannt in einen Buchladen und schenke mir selbst ein paar tolle Bücher. Die mich dann natürlich über die Feiertage beschäftigen.

Ach ja – und dieses Jahr auf die unheimlich aufregende erste Ballettaufführung meines Patenkinds.

Wie feiern Sie selbst Weihnachten?

Dieses Jahr wird’s ein Familienweihnachten. Genauer gesagt ein Großfamilienweihnachten. Wir treffen uns im Schwarzwald, auf dem Land. Und wenn ich dran denke, kann ich jetzt schon den Weihnachtsabend riechen. Das Weihnachtsessen ist eines von Mutters Geheimrezepten und das wird nur am Heiligen Abend zubereitet. Dieses Essen gab’s schon in meinen Kindertagen, und so wird daraus sicher ein „Rücksturz“ in ganz viele Kindheitserinnerungen werden. Aber wenn das innere Kind glänzende Augen bekommt, passt das ja zum Weihnachtsfest. Und wenn schon, dann richtig: mit durch den Schnee zur Christmette stapfen und nach Möglichkeit auch einer Schneeballschlacht.

Worauf ich mich freue, ist die Musik. Fast jeder spielt ein Instrument. Und wenn dann Querflöte, Klavier, Violine, Gitarren und Ukulele gemeinsam „rocken“, macht das nicht nur unheimlich viel Spaß, sondern jeder wartet auf den Moment, in dem sich der erste Jazzrhythmus einschleicht – bis Weihnachtslieder dann plötzlich ganz anders klingen.

Was ist Ihre schönste weihnachtliche Erinnerung?

Da gibt’s viele, weil es so viele ganz unterschiedliche Weihnachtstage gab. Eine der schönsten: Wir haben vor viele Jahren einmal ein unglaublich verschneites Weihnachten im Allgäu auf einer Hütte verbracht. Ich bin dann am Nachmittag des Heiligen Abends mit einer Axt losgezogen, um einen Weihnachtsbaum zu finden. Und dieses Herumkraxeln im tiefen Schnee, dieses archaische „die Axt, der Baum und ich“ (lacht), um dann mit dem idealen Baum in der Dämmerung abzusteigen und während es immer dunkler wurde, von oben das Licht aus unserer Hütte zu sehen. Dieses Gefühl von „Nach-Hause-Kommen“ – das war schon ein sehr einzigartiger Moment.

Herr Gottschling, vielen Dank für ihre persönlichen Einsichten in Ihre Advents- und Weihnachtszeit. Das gesamte AGITANO-Team wünscht Ihnen eine schöne und ruhige Vorweihnachtszeit.

 

Das Gespräch führte Oliver Foitzik (Herausgeber AGITANO).

 

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