Management

Dr. Thomas Rose im Personality-Interview Nr. 59, Kommunikationsexperte und Europameister im Public Speaking

Im Rahmen der "Personality-Interviews" kommen eine Vielzahl interessanter, außergewöhnlicher und herausragender Experten – von Speakern, Coaches und Trainern über Gutachter, Sachverständigen und Beratern bis hin zu Wissenschaftlern – zu Wort. Das 59. Interview wurde mit dem Motivations-Trainer, Coach und Europameister in Public Speaking Dr. Thomas Rose geführt (www.tachles.cc).

 

Guten Tag Herr Dr. Rose, Sie sind Kommunikationsexperte, aber bevor wir auf das Thema eingehen, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.

Mein Name ist Thomas Rose und ich arbeite als Sprengstoffexperte. Ich beschäftige mich allerdings nicht mit Dynamit, sondern mit Menschen, Systemen und Organisationen, die ihre Kommunikation verbessern wollen. Es wird zwar viel geredet aber oft nur wenig gesagt. Überall dort, wo aufgrund mangelnder Kommunikation eine Bombe zu platzen droht, bin ich im Einsatz und setzte mich für die Verbesserung des zwischenmenschlichen Austausches ein. Mangelnde Kommunikation gibt es in den unterschiedlichsten Konstellationen. Da reden Mitarbeiter nicht miteinander, weil sie denken, sie hätten schon alles Menschen mögliche getan und nun sei doch erst mal der andere dran. Da bleiben Aufgaben unerledigt, weil niemand sich verantwortlich fühlt und niemand den Telefonhörer in die Hand nimmt, um sich für das gemeinsame Gelingen einzusetzen. Wichtiges Kunden-Feedback bleibt aus, da sich Kunden nicht ernstgenommen fühlen. Und vor allem leiden Führungskräfte unter Feedbackmangel. In gesunden und funktionierenden Unternehmen ist es vollkommen normal, dass jeder jedem Feedback gibt – und zwar unabhängig von der Hierarchie: Vorgesetzte geben unmittelbares Feedback an ihre Mitarbeiter und Mitarbeiter kommunizieren offen an ihre Chefs, was sie von ihnen halten. Gesundes Feedback ist dabei immer wertschätzend und konstruktiv. Ich setzte mich dafür ein, dass eine gesunde Feedback-Kultur erlernt wird und in den Unternehmen etabliert wird.

Schließlich tragen wie alle nicht nur die Verantwortung für das, was wir sagen, sondern auch für das, was wir für uns behalten. Ich helfe den Unternehmen, ihren Mitarbeitern und Kunden wieder Mut zu fassen und den Mund aufzumachen. Gesundes, wertschätzendes und konstruktives Feedback in alle Richtungen und aus allen Richtungen ohne Scherbenhaufen zu hinterlassen, das ist meine Mission.

Besonders wichtig ist mir dabei, bei meinen Kunden die Sensibilität für ihr Wirken auf andere zu erhöhen. Es gibt einen großen Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Die Art und Weise wie wir uns sehen stimmt nur selten mit dem überein, wie andere uns sehen. Das liegt einfach daran, dass wir uns selbst zu nahe sind. Ein Brillenträger ist auch kaum in der Lage seine Brille zu beschreiben, ohne dass er diese vorher abnimmt. Genau so ist es mit unserem Verhalten. Es ist nicht leicht, sich neben sich zu stellen und vorbehaltlos zu betrachten. Aus diesem Grunde benutze ich als zertifizierter Business-Coach das Reiss-Profile als Werkzeug zur Motivationsanalyse. Es ist das beste Verfahren zur Persönlichkeitsdiagnostik, wissenschaftlich validiert, verlässlich und in seiner Art weltweit einzigartig. Es zeigt dem Klienten klipp und klar die Ursache für sein Verhalten, seine sogenannten Lebensmotive. Aus dieser Erkenntnis resultieren dann auch Einsichten über innere und äußere Konflikte. Innere Konflikte treten auf, wenn ich meine Motive nicht bedienen kann. Wenn ich z.B. ein ordnungsliebender Mensch bin, mich aber in einem System befinde, in dem hohe Flexibilität gefordert oder Chaos an der Tagesordnung ist, dann werde ich das Motiv "Ordnung" nicht befriedigen können und auf Dauer Schaden nehmen. Folge sind eine unausgeglichene Work-Life-Balance, hoher Krankenstand bis hin zum Burnout. Konflikte nach außen könne auftreten, wenn ich mit meinen Mitmenschen aneinander gerate, weil deren Motivationsgefüge anders ausgeprägt ist als mein eigenes, ohne dass ich mir darüber bewusst bin. Nehmen wir als Beispiel das Motiv "Anerkennung": Jemand, der selbst nicht viel Anerkennung von anderen benötigt, wird selbst nicht großzügig damit umgehen und Mitarbeiter werden sich über mangelnde Anerkennung beklagen. Erfährt jemand mit niedrigem Anerkennungsmotiv zu viel Zuspruch, so wird er das ihm zugeteilte Lob u.U. als Manipulationsversuch interpretieren. Sie sehen also, wenn man sich seiner eigenen Motivation nicht bewusst ist, sind Missverständnisse und Konflikte vorprogrammiert. Oft ist uns unser eigenes Verhalten und unsere Wirkung auf andere gar nicht klar und wir wundern uns, warum wir immer wieder mit den selben Menschen über die selben Themen streiten. Genau hierzu liefere ich die Antworten.
 

Was ist das Hauptthema in Ihrem Coaching und in Ihren Vorträgen?

Das Thema, welches bei mir ganz oben auf der Liste steht, ist "Verantwortung" – und dies in mehrfacher Hinsicht. Zum einen setze ich mich dafür ein, dass Mitarbeitern mehr Verantwortung zugesprochen wird und darüber hinaus – weil zwingend notwendig – die entsprechende Handlungsautorität. Der größte Managementfehler, der mir immer wieder begegnet, besteht doch in der Übertragung von Verantwortung ohne dem Mitarbeiter die entsprechenden Ressourcen bzw. Entscheidungsgewalten mit zu übergeben. Das liegt nicht immer an der Führungskraft oder am Führungsstil, sondern oft an Strukturen im Unternehmen, welche über längere Zeiträume gewachsen sind – Strukturen, die in der Vergangenheit funktioniert haben, die heute aber überholt sind. 

Zum anderen liegt mir sehr an der Eigenverantwortung der Mitarbeiter. Jeder Mitarbeiter sollte in seinem Umfeld wie ein Unternehmer denken. Er sollte sich fragen: "Wie kann ich mit dem, was ich tue, meine Abteilung (mein Team, das Unternehmen, …) nach vorne bringen?" Mir ist sehr viel daran gelegen, dass die Mitarbeiter eigenverantwortlich denken und handeln. Wir beobachten derzeit zwar einen Mangel an Fach und Führungskräften, aber uns sollte allen bewusst sein, dass dies kein Dauerzustand sein kann. Wenn sich die Grenzen für ausländische Fachkräfte weiter öffnen – und das müssen sie – dann gibt es da draußen für jeden von uns eine Kugel mit unserem Namen darauf. Es wird Bewerber für unsere Posten geben, die unsere Arbeit schneller und preiswerter machen und die darüber hinaus geringere Anforderungen an die Sozialsysteme und Ausstattung der Arbeitsplätze machen; Menschen, die nicht in einer Gewerkschaft organisiert sind und die freiwillig auf einen Betriebsrat verzichten.

Wenn Ihnen Ihr Chef auf dem Flur begegnet, Sie nicht gleich wieder erkennt und Sie fragt: "Warum bezahlt Sie diese Firma nochmal?", dann sind Sie gut beraten eine knackige und passende Antwort parat zu haben. Von Selbstständigen erwarten wir einen guten Elevator Pitch, aber jeder Angestellte sollte ebenfalls in drei bis vier Sätzen sagen können, warum die Firma auf ihn unter gar keinen Umständen verzichten kann.

Ich erarbeite das Thema "Verantwortung" mit meinem Kunden in Form von Coachings und Seminaren, aber auch als Redner und Referent auf Kongressen und Veranstaltungen.

Was zeichnet Sie besonders aus und was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Auszeichnungen gibt es viele. Ich bin zertifizierter Business-Coach, Reiss-Profile-Master und Trainer. 2010 habe ich die Europameisterschaft im Public Speaking (freie Rede) in Den Haag gewonnen. Ich war – trotz frühzeitigem Schulabbruch – schnellster Student in meinem Studienfach und habe in weniger als der Regelzeit promoviert (ohne abzuschreiben!). Aber so wörtlich haben Sie das wahrscheinlich nicht gemeint.

Was mich auszeichnet ist meine Philosophie als TACHLES Coach und Consultant. Ich beschäftige mich mit Motivation – aber nur Motivation, die gleichsam schnell und nachhaltig wirkt. In meinen Veranstaltungen werden keine Bäume umarmt, niemand muss über glühende Kohlen laufen (macht nur die Füsse schmutzig), man muss nicht in Kleingruppen um Flipcharts stehen und Schlagworte auf wolkenförmige Kärtchen schreiben und ich will auch nicht, dass meine Teilnehmer auf den Stühlen stehen und mit Fähnchen winken. Motivation solcher Art lehne ich strikt ab. Motivation ist Arbeit und keine Party. Viel zu viele selbst ernannte "Chaka"- Gurus haben den Begriff "Motivation" gründlich versaut. 

Mein Alleinstellungsmerkmal ist die Mikro-Motivation. Das ist Motivation mit minimalen Mitteln und maximaler Wirkung. Dazu habe ich den Service www.tolle-nachricht.de ins Leben gerufen. Er dient der Motivation von Mitarbeitern über längere Zeiträume hinweg, wobei die Motivationsmaßnahmen weniger als eine Minute dauern.

Es ist doch so: Firmen schicken ihre Mitarbeiter für viel Geld auf Seminare. Da gibt es dann das Wochenendseminar für Rhetorik oder für Motivation oder für bestimmte Methoden. Am Montag im Büro ist der Mitarbeiter noch voller Tatendrang, am Dienstag weiß er nicht mehr, wie er das Gelernte umsetzen soll und am Mittwoch kann er sich nicht mehr daran erinnern, jemals auf einem Seminar gewesen zu sein. Tolle-Nachricht.de ist da eine gern gesehen Alternative: Die Mitarbeiter müssen nicht verreisen, es muss kein Ersatz gestellt werden, es fallen keine Seminargebühren und keine Hotelkosten an. Und Arbeitsplätze schaffe ich damit auch.
 

Worin liegt Ihrer Meinung nach – aus der Perspektive Ihrer Tätigkeit heraus – in der Regel der größte Handlungsbedarf bei Ihren Kunden?

Das kommt auf den Kunden an. Führungskräfte suchen nach Möglichkeiten Ihre Mitarbeiter zu Spitzenleistungen zu bringen ohne dass diese ausbrennen. Dazu müssen Führungskräfte neue Wege der Motivation gehen. Das geht aber nur, indem die Führungskraft ein Verständnis dafür aufbringt, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Motive haben. Genau hier setzt das Reiss-Profile an. Wenn ich König von Deutschland wäre, so würde ich jeder Führungskraft ein Reiss-Profile verordnen.

Unternehmen sehen sich zunehmend dem Problem der Mitarbeiterbindung ausgesetzt. Qualifizierte Fachkräfte sind heute wechselwilliger denn je. Sieht eine qualifizierte und engagierte Fachkraft in einem anderen Unternehmen bessere Chancen für die eigene Entwicklung, dann ist sie weg. Loyalität ist heutzutage ein zweigleisiges Geschäft: Es ergibt keinen Sinn von einem Mitarbeiter Loyalität für das Unternehmen zu verlangen, wenn das Unternehmen kein Interesse für die Belange des Mitarbeiters hat. Dabei ist ganz besonders wichtig zu verstehen, dass man mit Geld alleine keine Fachkräfte binden kann. Geld ist nicht unser Problem. Nicht in Deutschland. Natürlich können wir alle ein bisschen mehr Taschengeld gebrauchen. Aber in Deutschland sind die fundamentalen Bedürfnisse für alle gedeckt. Niemand muss hungern und niemand muss frieren. Das heißt übrigens nicht, dass niemand hungert oder niemand friert. Aber dazu gezwungen wird (legal) niemand.

Und das bringt mich zur dritten Kundengruppe und deren Handlungsbedarf: Leute wie ich und Du. Auch hier wünsche ich mir mehr Eigenverantwortung der Individuen, weniger Klagen und mehr Suchen nach Möglichkeiten. Die meisten Menschen sind sich ihrer Handlungsoptionen leider nicht bewusst. Zu viele glauben, sie hätten keine Wahl mit dem, was sie täglich tun. Das ist aber grundfalsch. Wir alle haben eine Wahl. Immer. Ich weiß, dass ich hier viele Gegenstimmen ernte. Aber bezüglich dieses Themas ("Du hast immer eine Wahl") nehme ich jede Diskussion auf.

Woran denken Sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Vor allem an die TACHLES-Initiative Tolle-Nachricht.de – mein Herzensanliegen für Mikromotivation. Ich frage mich ehrlich, warum überhaupt so viel über das Thema "Nachhaltigkeit" diskutiert und gerätselt wird. Niemand diskutiert doch darüber, wie oft man sich die Zähne putzen soll. Bei den alltäglichsten Dingen ist es selbstverständlich, dass Nachhaltigkeit nur durch Wiederholung zu erzielen ist. Aber wenn es darum geht zu motivieren oder Änderungsprozesse zu etablieren, dann glauben alle, ein Befehl von oben würde reichen. Motivation ist wie Duschen. Wenn man es nicht regelmäßig macht, dann kräuseln unsere Mitarbeiter irgendwann ihre Nasen.

Man muss sich vor Augen halten, dass die Nachhaltigkeit nicht an den Mitarbeitern scheitert, sondern an den Prozessen. Und dennoch darf man den Einzelnen nicht aus der Verantwortung entlassen, vor allem nicht die Führungskräfte. Bedenken Sie, dass die wenigsten Menschen, die kündigen, wegen des Unternehmens gehen. In aller Regel gehen sie, weil sie sich mit den Menschen, mit denen sie zusammen arbeiten, nicht wohl fühlen. Menschen verlassen keine Unternehmen. Menschen verlassen Menschen.

 

Haben Sie ein Lebensmotto? Wenn ja, welches?

Eins? Tausende! Meine Liebsten: "Die größten Grenzen, die wir zu überwinden haben, liegen zwischen unseren Ohren." und "Groß Denken. Klein Starten. Schnell Bewegen."

Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die nächsten drei Jahr aus?

Ich werde mich weiter auf meine Passion als Public Speaker konzentrieren. Nachdem ich 2010 die Europameisterschaft bei Toastmasters International in der Disziplin "Deutschsprachige Rede" gewonnen habe, habe ich zunehmend Anfragen für Keynotes und Vorträge erhalten. Davon will ich noch viel mehr. 2009 und 2011 war ich im Finale der Europameister und 2012 nehme ich wieder an diesem jährlich wiederkehrenden Wettbewerb teil. Außerdem will ich viel Reisen und im Idealfall dafür bezahlt werden.

Ja, genau das ist meine Vision: Eingeladen zu werden auf internationale Veranstaltungen und dafür bezahlt zu werden, meine Ideen mit dem Publikum zu teilen. Da Erfolg aber nicht für den reserviert ist, der nur hofft, will ich vor allem immer weiter an meiner eigenen Fortbildung arbeiten. Jede Rede soll besser sein als die letzte, mehr Menschen erreichen und noch mehr bewirken. Was ich auf gar keinen Fall will ist, dass irgendwann jemand sagt: "Du hättest Thomas Rose vor zwei Jahren hören sollen – als er wirklich gut war…" 

Die drei wichtigsten Güter, von denen wir alle nie genug haben können, sind: Bildung, Bildung und Bildung. Daher ist meine Vision nicht nur für die nächsten drei, sondern für die nächsten dreißig Jahre: Lernen! Lernen! Lernen! Und danach sehen wir mal weiter…

Herr Dr. Rose, Danke für die interessanten Einblicke und Ansichten.

 

Das Interview führte Oliver Foitzik (Herausgeber AGITANO / Geschäftsführer FOMACO GmbH).

 

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