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Druck mit Resilienz meistern: den Mitarbeitern den Rücken stärken

… aus der wöchentlichen Themenserie „Stark wie Bambus: den täglichen Druck mit Resilienz meistern“ der Expertin für innere Kraft und Resilienz Katharina Maehrlein. Nach dem achten Teil „Ihr persönliches Biotop – das Arbeitsumfeld gestalten folgt heute Teil 9:

Resilienz im Team – den Mitarbeitern den Rücken stärken

Aktenordner, Bürpkratie, Stress
Wenn es mal wieder stressiger wird. Welches Rüstzeug gebe ich meinen Mitarbeitern? (Bild: Rainer Sturm / pixelio.de)

„Es ist jedes mal das Gleiche: Kaum wird es ein bisschen stressiger, sind gleich viele Mitarbeiter krank. Überhaupt finde ich, dass die Stimmung in meinem Team immer mehr auf den Nullpunkt zusteuert. Dabei bieten wir ihnen doch eine Menge: eine tolle Kantine, freie Getränke, und zweimal pro Woche gibt es sogar Rückengymnastik für alle … “.

Wer keinen „richtigen“ Stress und einen übervollen Schreibtisch hat, der arbeitet nicht genug. Und wer schlappmacht, ist eben zu empfindlich – dieser Glaube ist leider immer noch weit verbreitet. „Burn-out“ wird oft als Modewort oder gar als „Ausrede für Faule“ abgetan. Die Leiden aufgrund von pysischer Belastung am Arbeitsplatz sind jedoch mittlerweile die häufigste Ursache für krankheitsbedingte Frühverrentung. Und nur ein nicht von ständigen Ausfällen geschwächtes Team kann effektiv arbeiten. Gründe genug für jede Führungskraft, ihre Mitarbeiter vor Überlastung zu schützen.

Krankenstand – auf die Führung kommt es an

Sie brauchen Ihr Team, Ihr Team braucht Resilienzfähigkeiten: um gesund zu bleiben, um die Unternehmenskultur positiv zu beeinflussen, um mit Vorurteilen und Diskriminierung umzugehen oder um Kündigungen oder Versetzungen – die von Kollegen oder die eigene – zu bewältigen. Als Führungskraft gehört es zu Ihren Aufgaben, Ihre Mitarbeiter möglichst produktiv einzusetzen. Und sicher haben Sie schon aus eigenem Interesse den Wunsch, Ihr Team vor krankheitsbedingten Ausfällen zu schützen. Sie wissen ja, was das für den Rest des Teams bedeutet: Fällt einer aus, haben die anderen dessen Arbeit auch noch an der Backe. Mit den entsprechenden Folgen – und Sie können Ihre Zielvorgaben mit einem geschwächten Team nicht einhalten. Es wird also Zeit, sich Gedanken zu machen, wie Sie Ihr Team stärken können.

Natürlich spricht ein hoher Krankenstand nicht unbedingt für eine schlechte Führung. Schließlich kommt es auch auf Alter und Krankengeschichte der Mitarbeiter an. Tatsache ist allerdings, dass die Art der Führung entscheidend Einfluss auf den Krankenstand im Team nimmt. Wenn Vorgesetzte „partnerschaftlich“ und dennoch mit sicherer Hand führen, ihre Vorbildfunktion erfüllen und und die Mitarbeiter durch Tipps, Wertschätzung und Vertrauen unterstützen, sinkt das Burn-out-Risiko drastisch. Was können Sie als Führungskraft für ein „schlagkräftiges“, resilientes Team tun?

Vernachlässigen Sie nicht den menschlichen Bereich!

Der Schutz eines Mitarbeiters vor Überlastung beginnt, lange bevor die ersten Symptome auftreten. Um diesen Schutz zu gewährleisten, sollten Sie Ihre Leute kennen und zumindest einen Einblick ihre persönlichen Lebensverhältnisse oder eventuelle besondere Situationen haben. Keine Sorge, Sie sollen nun nicht der beste Kumpel Ihres Mitarbeiters werden, aber der private Bereich wirkt sich natürlich auf die Stressresistenz und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz aus – genau so, wie bei Ihnen auch. Mitarbeiter, die sich Ihrer Rückendeckung gewiss sein können, bauen mehr Kraftreserven auf und können besser mit hohem Druck umgehen, als Mitarbeiter, die sich verloren auf weiter Flur als Einzelkämpfer sehen.

Spenden Sie Lob und Anerkennung!

Wertschätzung im Job hält gesund! So konnte eine Studie beispielsweise nachweisen, dass Oscar-Preisträger im Durchschnitt 18 Monate länger leben als jene Schauspieler, die lediglich nominiert waren. Machen Sie jeden einzelnen Ihrer Mitarbeiter zum gefühlten Oscar-Preisträger!

Es reicht nicht, das ganze Team pauschal für gute Leistungen zu loben! Häufig ist die individuelle Leistung im Team sehr unterschiedlich. Für einen engagierten Mehrleister ist es einfach nur frustrierend, wenn er auf diese Weise im Team untergeht. Er wird schnell sein Engagement einstellen oder aus Krankheitsgründen ausfallen. Denken Sie daran: es sind immer die besonders Engagierten, die krankheitswertige Stressanzeichen bekommen! Diese brauchen besondere Anerkennung sonst kann es leicht passieren, dass sie keinen Sinn mehr in ihrem Engagement sehen. Loben Sie also individuell!

Prüfen Sie die Arbeitsbedingungen!

Überprüfen Sie, ob Ihre Mitarbeiter die Arbeit gefährdungslos erledigen können und ob der Umfang und die Komplexität der Arbeitsaufgaben leistbar, verstehbar und erkennbar sinnvoll sind. Pflegen Sie in Ihrem Unternehmen oder Ihrem Team eine Kultur, in der Nein-Sagen erlaubt ist und in der psychische Erkrankungen nicht totgeschwiegen werden.

Gewähren Sie den Mitarbeitern, die nach einer überstandenen Krankheit an den Arbeitsplatz zurückkehren eine Wiedereingliederungsphase. Falls Sie das selbst nicht entscheiden können, setzen Sie sich zumindest erkennbar dafür ein, dass eine solche Unterstützung eingeführt wird.

Überprüfen Sie auch, ob es für Ihre Mitarbeiter ausreichend Möglichkeiten für Pausen während des Tages gibt. Ermutigen Sie sie beispielsweise, eine „Stille Stunde“ einzuhalten, um sie vor zermürbenden ständigen Unterbrechungen zu schützen. Lassen Sie diese in den Terminkalender eintragen und für wichtige Themen reservieren.

Fordern und fördern Sie Ihre Mitarbeiter!

Wenn Sie Ziele vorgeben, achten Sie darauf, dass Sie den Weg zur Zielerreichung offen lassen und genügend Gestaltungsspielraum geben, um damit den Grad der Selbstbestimmtheit zu erhöhen. Das ermöglicht es Ihren Mitarbeiter den stärkenden „Flow“ zu erleben, jenen selbstvergessenen begeisterten Zustand der als Voraussetzung eine Herausforderung braucht, die machbar ist, aber auch ein passendes Maß an Anstrengung erfordert.

Gerade indem Sie dafür sorgen, dass Ihre Mitarbeiter auch unangenehmen Fakten nüchtern ins Auge sehen und indem Sie sie fordern. Statt falsche Hoffnungen zu schüren, fördern Sie ihre Resilienz. Seien Sie sich bewusst, dass gelegentliche Mehrarbeit nicht gleich zu Überlastung führt. Nehmen Sie Ihrem Mitarbeiter bitte nicht zu viel ab: Um Widerstandsfähigkeit zu entwickeln, sollten Sie seine Eigenaktivität, seine Selbstverantwortung und seine Problemlösefertigkeiten fördern. Stärke entsteht, wenn sie gebraucht wird!

Seien Sie gerecht!

Es gibt Mitarbeiter, die durch ihre Arbeitsgeschwindigkeit, ihre hohe Leistungsbereitschaft und schnelle Auffassungsgabe hervortreten. Dieser Typ Mitarbeiter wickelt seine Arbeit eigenverantwortlich ab und denkt dabei noch für den Rest vom Team mit. Nachsteuerung und Kontrolle ist so gut wie nie notwendig – sehr angenehm für eine Führungskraft! Es ist sehr verführerisch, gerade solchen Mitarbeitern schnell noch dieses und jenes Projekt aufzudrücken: Die schaffen das schon und sind auch noch schnell dabei. Achtung! Gerade diese Mitarbeiter haben das größte Risiko, wegen Burn-out auszufallen. Lassen Sie nicht zu, dass sich Minderleister auf dem Rücken Ihrer guten Mitarbeiter ausruhen. Zollen Sie  ihnen den verdienten Respekt und verteilen Sie die Aufgaben gerecht. Gewähren Sie Ihren Leistungsträgern besondere Wertschätzung!

Haben Sie den Mut und differenzieren Sie bei der Leistungszulage. Nutzen Sie die ganze zur Verfügung stehende Bandbreite aus, statt jedem die gleichen 15 Prozent zu geben, um es möglichst allen recht zu machen – das hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun! Steuern Sie Lästereien, Mobbingattacken und Streitereien sofort entgegen und überlassen Sie die Beilegung nicht ausschließlich den Betroffenen selbst. Machen Sie Ihre Werte deutlich und leben Sie diese auch!

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Über Katharina Maehrlein:

Katharina Maehrlein, Star wie Bambus, Soul@Work
(Foto: © Katharina Maehrlein)

Katharina Maehrlein (Taunusstein) ist Rednerin, Trainerin und Coach und hat als Expertin für innere Kraft und Resilienz in den letzten 17 Jahren rund 20.000 Menschen dabei unterstützt, ihren Job erfolgreich zu meistern.

Sie ist Bestsellerautorin (Die Bambusstrategie – Den täglichen Druck mit Resilienz meistern. GABAL Verlag, 4. Auflage), Gründerin von „Stark wie Bambus – Initiative zur Prävention von psychischen Erkrankungen am Arbeitsplatz“ und Initiatorin und Veranstalterin von Soul@Work, dem Jahreskongress der Initiative. Nicht ganz einfache persönliche Lebensumstände haben Resilienz für Katharina Maehrlein zur eigenen „Überlebensstrategie“ werden lassen.

Mehr über Katharina Maehrlein im AGITANO-Expertenprofil und im Internet auf www.katharina-maehrlein.de.

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Über das Buch:

Den täglichen Druck mit Resilienz meistern
(© Foto: GABAL Verlag)

In „Die Bambusstrategie“ finden Sie Tests zur Selbsteinschätzung, Checklisten, Übungen und pragmatische Tipps, um in Ihrem Inneren so stark und unabhängig zu sein wie ein Bambus und sich in den Stürmen des Arbeitsalltags gelassen biegen zu können und nicht zu zerbrechen.

Das Buch liefert die neuesten Ergebnisse aus der Resilienz- und Glücksforschung und gibt eine Anleitung, Mut, Kraft und Stehvermögen zu entwickeln, um die herausfordernden Situationen des Alltags standfest zu meistern. Ihre innere Stärke wird weiter aufgebaut, um in anstrengenden Doppelrollen sicher und gelassen agieren zu können.


Christoph Schroeder

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