Wirtschaft

Durchsuchungen bei Netto und Kaufland wegen Verdachts auf Lohndumping

Die beiden Discounterketten Netto und Kaufland sehen sich dem Verdacht des systematischen Lohndumpings ausgesetzt. Mehr als 450 Ermittlungsbeamte des Zolls haben insgesamt 60 Lagerhallen, Büros und Häuser der beiden Unternehmen sowie weiterer beteiligter Firmen durchsucht. Der Vorwurf ist, das mit Leiharbeitern unwirksame Werkverträge abgeschlossen wurden, um damit die Tariflöhne deutlich zu unterschreiten. Die Rede ist von rund 30%. Daraus ergebe sich auch der Tatbestand des Sozialversicherungsbetrugs. Der Ausmaß des Schadens lasse sich allerdings erst nach Auswertung des sichergestellten Beweismaterials abschätzen. Netto Marken-Discount ist eine Tochter von Edeka, Kaufland wiederum gehört ebenso wie Lidl zur Schwarz-Gruppe. Beide Discounter haben ihre volle Zusammenarbeit mit den Behörden versichert.

Mitte Dezember 2010 hat der Skandal um die Zeitarbeitsorganisation CGZP das mögliche Schadensausmaß verdeutlicht. Damals wurde der Zeitarbeitsorganisation die Tarifmächtigkeit aberkannt, nach dem sie zuvor durch Dumpingabschlüsse ins Kreuzfeuer der Kritik geraten war. Dadurch mussten die 1.600 vertretenen Firmen ihren insgesamt 280.000 beschäftigten Leiharbeitern auf einen Schlag denselben Lohn wie der Stammbelegschaft zahlen, sowie deshalb auch Sozialleistungen in Höhe von insgesamt rund zwei Milliarden Euro nachzahlen. Der Versuch des Lohndumpings über Zeitarbeiter hat sich somit als ein teures Abenteuer für die Unternehmen herausgestellt. Auch die Kosten des Imageverlusts durch Lohndumping sind nicht zu unterschätzen: Schlecker hatte 2009 eine Welle der Empörung ausgelöst, als bekannt wurde, das mittels Leiharbeit systematisch der Tariflohn von 12,70 Euro pro Stunde auf 6,78 Euro gedrückt werden sollte. Viele kritische Verbraucher boykottierten daraufhin das Unternehmen, die Umsatzzahlen brachen ein, mittlerweile hat Schlecker Insolvenz angemeldet.
(mb)
 

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