Energie & Umwelt

Ecuador droht mit Ölbohrungen im Regenwald: Indigene kämpfen dagegen an

Der in Ecuador liegende Nationalpark Yasuní ist mit einer Fläche von 9.820 km² einer der weltweit bedeutendsten Orte für die Artenvielfalt. Außerdem leben dort verschiedene indigene Völker, die zum größten Teil isoliert von der Außenwelt leben. Jedoch lagern unter dem Boden des Nationalparks 846 Millionen Tonnen Öl. Dies ist nur eine vorläufige Schätzung, denn die doppelte Menge ist durchaus wahrscheinlich und die dreifache Menge ebenfalls im Bereich des Möglichen. Nach Wilson Pástor, dem Minister für natürliche fossile Ressourcen, sollen 14 Ölfelder erschlossen werden. Die Förderung des Öls könnte im dritten Quartal 2012 beginnen. Die internationale Gesellschaft hat sich gegen die Pläne ausgesprochen, aber der Präsident von Ecuador Rafael Correa, möchte auf die Einnahmen aus der Ölförderung nicht verzichten. Er habe vor allem das Wohl der Ecuadorianer im Sinn. Aus diesem Grund hat die Regierung dem Rest der Welt ein Tauschgeschäft vorgeschlagen: die Yasuní-ITT-Initiative. Auf die Bohrungen soll verzichtet werden, wenn die internationale Gemeinschaft in einen Treuhandfond einzahlt und damit mindestens 50% des entgangenen jährlichen Gewinns abdeckt. Bis Dezember müssen 100 Millionen Dollar nach Ecuador fließen oder die Bohrungen werden wie geplant durchgeführt. Bisher wurden nur 1,4 Millionen Dollar in den Fond eingezahlt. Deutschland hatte seine Unterstützung ausgesprochen, hat diese aber wieder zurückgezogen.

Die Ureinwohner der Amazonas Region haben aber noch lange nicht aufgegeben. Seit Jahren kämpfen die Kichwa-Indianer gewaltfrei gegen die Zerstörung ihrer Um- und Lebenswelt. Vor einer Woche haben sie vor dem Interamerikanischen Menschenrechtsgerichtshof mit Vertretern der ecuadorianischen Regierung diskutiert. In den vergangen Jahren kam es zu mehreren Konflikten, als Ölarbeiter in Begleitung von Soldaten in das Gebiet der Indianer vordrangen, 260 Hektar Urwald zerstörten und 1.450 Kilogramm Sprengstoff vergruben, um seismische Messungen durchzuführen. Die Indianer wurden von dieser Aktion weder vorher unterrichtet noch wurden sie um Erlaubnis gefragt. Ungenutzte Sprengkörper sind immer noch im Boden vergraben. Auch wenn die Kichwa-Indianer den Prozess gewinnen sollten, könnte die Regierung das Urteil ohne Sanktionen einfach ignorieren. Innenpolitisch formiert sich ein Widerstand gegen die Bohrungen. Ob dieser mithilfe der internationalen Gemeinschaft genug Druck ausüben kann, um das Vorhaben zu stoppen, ist allerdings fraglich. Durch die Vernichtung des Urwaldes würden 407 Mio. Tonnen mehr CO2-Emissionen in die Atmosphäre freigesetzt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.