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Ehegattensplitting und Abgeltungssteuer setzen laut dem DIW Fehlanreize

Vergleich mit Großbritannien: Ehepaare in Deutschland deutlich geringer belastet

Das deutsche Ehegattensplitting ist seit langem umstritten: Es begünstigt Alleinverdiener-Ehepaare mit höheren Einkommen erheblich und gilt als ein wesentlicher Grund für die relativ niedrige Erwerbstätigkeit von verheirateten Frauen in Deutschland. Im Vergleich zu Großbritannien, wo bis auf wenige Ausnahmen eine strikte Individualbesteuerung gilt, ist die effektive durchschnittliche Steuerbelastung in Deutschland vor allem infolge des Ehegattensplittings deutlich geringer. Lediglich Alleinverdiener sowie Zweiverdiener-Ehepaare unter den einkommenstärksten zehn Prozent aller , werden etwas höher belastet als in Großbritannien. Ehepaare, in denen nur ein Partner Arbeitseinkommen erzielt, werden in Deutschland über weite Teile der Einkommensverteilung spürbar geringer belastet als in Großbritannien, schreiben Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) in einer aktuellen Studie. Die Ökonomen empfehlen, die Vorteile durch das Ehegattensplitting zu beschränken. „Die dadurch erzielten Mehreinnahmen könnten verwendet werden, um den steilen Anstieg der Grenzsteuersätze im unteren und mittleren Einkommensbereich zu senken“, sagt Richard Ochmann, Finanzwissenschaftler am DIW Berlin.

Abgeltungsteuer begünstigt Fremdfinanzierung

Die Abgeltungsteuer, die in Deutschland seit 2009 gilt, begünstigt die Finanzierung von Unternehmen durch Fremdkapital und reduziert die Anreize, Eigenkapital einzusetzen. Personengesellschaften haben darauf reagiert und ihre Fremdfinanzierung ausgeweitet, um von der Abgeltungssteuer zu profitieren. Das zeigen Ökonomen des DIW Berlin in einer aktuellen Studie, für die sie die Jahresabschlussdaten von rund 40.000 Personengesellschaften sowohl vor als auch nach Einführung der Abgeltungssteuer ausgewertet haben. Sie zeigen, dass sich in den untersuchten Unternehmen aufgrund der Abgeltungsteuer der Anteil des Fremdkapitals am Gesamtkapital innerhalb eines Jahres um durchschnittlich 1,4 Prozent erhöht hat. „Die unterschiedliche Besteuerung von Fremd- und Eigenkapitalrückflüssen wirkt sich also bereits in dieser kurzen First messbar auf die Finanzierungsentscheidungen der Unternehmer aus“, sagt Martin Simmler, Finanzwissenschaftler am DIW Berlin.

Weitergehende Informationen finden Sie in dem ausführlichen Artikel in dem Wochenbericht des DIW. Zu dem Thema hat auch der DIW-Experte Dr. Richard Ochmann ein Interview gegeben ("Vorteile durch Ehegattensplitting beenden").

 

(Quelle: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung / DIW)

 

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