Kolumnen

Ein Friedensnobelpreisträger für Killerwaffen

Diese Meldung war der Tiefschlag der Woche: Der neue Friedensnobelpreisträger Barack Obama will nicht auf Landminen verzichten, obwohl 2008 über 5.000 unschuldige Menschen durch diese Landminen zu Tode kamen – davon ein Drittel Kinder – und zehntausende Menschen für ihr ganzes Leben lang grauenhalft verstümmelt wurden. Die Entscheidung für die menschenfeindliche Waffe traf Barack Obama 14 Tage bevor er den Friedensnobelpreis entgegennimmt.

 

Damit sind die USA das einzige Land der NATO, das noch immer auf Landminen gegen Menschen setzt und steht jetzt auf einer Stufe mit China und Russland, die das ebenfalls tun. Hat aber Obama nicht „Change“ versprochen und angekündigt „Yes, we can“?

 

Landminen sind einer der größten Killer von Zivilisten außerhalb von Kriegsgebieten.  Die „Internationale zur Ächtung von Landminen“ hat 1998 den Friedensnobelpreis für ihren  erfolgreichen Kampf gegen die Landminen bekommen, aber 2009 entscheidet sich ein Friedensnobelpreisträger weiterhin für diese menschenverachtenden Killer.

 

Die USA besitzen noch immer 10 Millionen Landminen. 156 Staaten haben die Konvention zur Ächtung der Landminen unterschrieben, aber der Präsident der USA verweigert noch immer die Unterschrift. Und dieses Land betrachtet sich als das Mutterland der Menschrechte. Welch ein Hohn!

 

Präsident Obama hat in den letzten Monaten immer wieder von seinem Land „leadership“ verlangt, aber ausgerechnet auf einem Gebiet, wo er ganz leicht hätte Führung demonstrieren können, hat er jetzt grandios versagt. Für seine Anhänger ist diese Entscheidung unverständlich und eine herbe Enttäuschung.

 

Er hat eine große Chance verpasst.  Wie kann er künftig noch von einer „friedlichen Welt“ reden und sogar den Friedensnobelpreis entgegennehmen, wenn er sich nicht einmal traut, ein Abkommen gegen die sinnloseste aller Waffen zu unterschreiben?

 

Offiziell heißt es in Washington, ohne Landminen wären die USA nicht in der Lage, ihre Verteidigungsbedürfnisse zu erfüllen und die Sicherheitsverpflichtungen gegenüber ihren Verbündeten einzuhalten, zum Beispiel gegenüber Israel oder Südkorea. Im Wahlkampf aber hat Obama noch eine ganz andere Sprache gesprochen.

 

Wie will denn dieser Präsident seinen “Traum von einer atomwaffenfreien Welt“ realisieren, solange er sich weigert, seine 10 Millionen Landminen zu verschrotten?

 

Als Barack Obama erfuhr, dass er  dieses Jahr den Friedensnobelpreis erhalten werde, hat er öffentlich bezweifelt, dass er ihn verdient. Wie berechtigt doch seine Zweifel an sich selbst sind.

 

Quelle: © Franz Alt 2009

 

Interessante Links:

– Aktionsbündnis Landmine: www.landmine.de

– Adopt-A-Minefield – Landmine Clearance & Support: www.landmines.org

 

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