Kolumnen

Eine Reise in sich hinein und über sich hinaus

Die wöchentliche Business-Kolumne von Ulrich B Wagner

 

Heute: Das Gute im Schlechten – oder wie Fehler uns vorwärts bringen!

 

„Jeder Peinlichkeit wohnt eine Erleuchtung inne. Triumphe halten keine Lehren bereit, Misserfolge dagegen befördern die Erkenntnis auf mannigfaltige Art“

Hans Magnus Enzensberger, Meine Lieblings-Flops, 2010

 

Erde tu Dich auf!

 

Wir alle kennen diese Momente, in denen wir am liebsten im Erdboden verschwinden würden. Gefühle der Scham oder der Peinlichkeit, wenn man im Unrecht ist. Denn wir mögen sie nicht besonders, die Fehler, Pannen und Patzer, die unseren Lebensweg von Zeit zu Zeit durchkreuzen. Fehler machen immer nur die Anderen. Und wir haben auch überhaupt kein Problem damit, die Fehlerhaftigkeit anderer Menschen zu betonen und mit dem ausgestreckten Zeigefinger draufzuzeigen. Fehler gilt es daher tunlichst zu vermeiden. Fehler zu machen ist ein Zeichen von Unwissenheit, Dummheit und Ignoranz. Wer darüber hinaus Fehler auch noch zugibt, zeigt Schwäche und macht sich am Ende auch noch angreifbar…. Soweit oft der allgemeine Konsens zum Thema Fehler.

 

Doch diese Sicht auf Fehler und dieser Umgang mit ihnen ist wohl einer unserer größten Irrtümer, wie neueste Untersuchungen zeigen. Stattdessen bieten uns Fehler durchaus auch Raum für Erkenntnis, und sie lassen uns, wenn wir einsichtig sind und nicht immer wieder mit dem gleichen Kopf durch die gleiche Wand wollen, über uns hinauswachsen. Wir lernen durch Fehler wie es nicht geht und bekommen so ein Ahnung wie es funktioniert. Irren ist menschlich, und unsere Fehlerhaftigkeit ist eine Grundvoraussetzung von erstrebenswerten Qualitäten wie Kreativität, Ideenfindung, Empathie, Humor und kontinuierlicher Veränderung. Fehler sind eine der  Grundvoraussetzungen dafür, dass wir uns verändern und etwas lernen.

 

Gerade dadurch, dass Fehler in der Regel immer auch mit negativen Gefühlen verbunden sind, bieten sie normalerweise die Gewissheit, dass sie zukünftig auch vermieden werden. Außer es handelt sich um renitente und resistente Mitmenschen. Selbstverständlich sind Fehler ärgerlich, demütigend und meistens auch mit hohen Kosten verbunden, ob in Form von Zeit, Geld oder kurzfristiger Abwertung des Selbstvertrauens. Im schlimmsten Fall können Fehler tödlich und unumkehrbar sein. Daher sind wir im Alltag natürlich bemüht, Fehler im Vorfeld unseres Tun zu vermeiden und auszuschließen.

 

Alles richtig und im Ansatz vollkommen korrekt. Die Angst vor der Blamage, die roten Wangen, das Herzrasen und das Zittern bieten uns schließlich ein gutes Schutzschild davor, uns freiwillig Fehlern auszusetzen. Doch trotz alledem wird es uns nicht gelingen, Fehler komplett aus unserem Leben zu verbannen. Sie gehören zu unserer Lebenswirklichkeit wie die Luft zum Atmen.

 

Dieses Wissen entschuldigt Fehler nicht zwangsläufig und soll ganz bestimmt auch nicht zu einem Laissez-Faire Verhalten führen. Denn wie Konfuzius einmal sagte: „Wer einen Fehler gemacht hat und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten.“

 

Aber wie oben bereits mehrfach betont, haben Fehler auch ihre guten Seiten, wenn man mit ihnen umzugehen weiß.

 

Im KAIZEN, der japanischen Lehre des kontinuierlichen Verbesserungsprozesses (KAI=Veränderung, ZEN=zum Besseren), wird der Fehler als ein kleiner Schatz bezeichnet, der uns weiterbringt und hilft. Hierzu bedarf es jedoch einer gesunden Fehlerkultur, die durch Offenheit, Toleranz, Mut und menschlicher Größe geprägt ist. Wir häufig werden in Unternehmen, Familien oder öffentlichen Institutionen Fehler vertuscht, tot geschwiegen und unter den Teppich gekehrt. Mangelnde Einsicht, Arroganz und Ignoranz prägen vieler Ortens noch den Umgang mit Fehlern. Mit allen negativen Folgen und Kosten.

 

Eine offene Fehlerkultur akzeptiert dagegen, dass es zu Fehlern kommen kann, und sie bietet den Rahmen, um diese offen und ehrlich zu kommunizieren. Darüber hinaus ermöglicht sie allen Beteiligten die Gelegenheit, Beinahefehler offen anzusprechen, und damit allen Anderen, diese Beinahefehler in ihre zukünftigen Fehlervermeidungsstrategien zu integrieren. Fehler sollten daher nicht als Möglichkeit gesehen werden, den Anderen abzuwerten, ihn bloßzustellen oder zu diskreditieren, sondern als Potentiale, die es zu heben gilt.

 

Fehler sind darüber hinaus nicht nur menschlich, sondern sie machen uns und Andere auch menschlich. Der Redner, der sich kurz verspricht, eine kleine Unachtsamkeit hier und dort. Es geht im Leben und im Beruf nicht um Perfektion. Perfektion ist selbst in der Kunst tödlich. Es sind nämlich gerade die kleinen Makel, die die Attraktivität und Schönheit steigern. Fordern Sie daher Präzision und nicht Perfektion. Und sorgen Sie in Ihrem Umfeld für eine offene und faire Fehlerkultur.

 

Eine 2005 veröffentlichte Studie mit über 100 deutschen und holländischen Mittelständlern, zeigte auf, dass die Unternehmen am erfolgreichsten waren, in denen mit Fehlern offen und nutzbringend umgegangen wurde: sie zeigten überdurchschnittliche Renditen, waren innovativer und standen im direkten Vergleich zur Konkurrenz deutlich besser im Markt.

 

Stehen Sie zu Ihren Fehler, und machen Sie diese zu Ihren künftigen Erfolgen. Denken Sie dabei auch gerne von Zeit zu Zeit an den Satz von Zsa Zsa Gabor: Menschen, an denen nichts auszusetzen ist, haben nur einen Fehler: Sie sind uninteressant.

 

Ihr

Ulrich B Wagner

 

 

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Profil des Autors:

 

Ulrich B. Wagner, Jahrgang 1967, studierte Psychologie, Soziologie und Rechtswissenschaften an der Johann Wolfgang von Goethe Universität in Frankfurt am Main. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Instituts für Kommunikation, Coaching und Managementberatung (ikcm) mit Sitz in Bad Homburg und Frankfurt am Main und gleichzeitig Dozent an der european school of design für Kommunikationstheorie sowie Werbe- und Konsumentenpsychologie. Ulrich Wagner arbeitet als Managementberater und systemischer Coach mit den Schwerpunkten Business- und Personal Coaching, Kommunikations- und Rhetoriktrainings, Personalentwicklung, Begleitung von Veränderungsprozessen und hält regelmäßig Vorträge und Seminare.

 

Zu erreichen: via Website www.ikcm.de, via Mail uwagner@ikcm.de, via Xing und Facebook (Ulrich B Wagner).

 

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