Energiepolitik

Energetische Gebäudesanierung, dena-Studie: 80% Energieeinsparung wird auch in der Praxis erreicht

Die energetische Gebäudesanierung hält laut einer dena-Studie, was sie verspricht: 80 Prozent Energieeinsparung wird auch in der Praxis erreicht

Bei energetischen Sanierungen stimmen die Resultate in der Regel auch mit der Planung überein. Das zeigt eine neue Studie der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena). Untersucht wurde der Energieverbrauch von 63 hocheffizient sanierten Wohngebäuden, bei denen eine Energieeinsparung von durchschnittlich 80 Prozent angestrebt worden war.

Die Studie bietet damit eine systematische und wissenschaftlich fundierte Grundlage in der bisher nur von Einzelbeispielen dominierten Diskussion über das Energiesparpotenzial energetischer Sanierungen. Sie zeigt deutlich: Die energetische Gebäudesanierung trägt wesentlich zur Reduzierung von Treibhausgasen und Energiekosten bei.

Bundesbauminister Peter Ramsauer: „Bis Ende 2012 haben wir die energieeffiziente Sanierung oder Errichtung von fast drei Millionen Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von rund 115 Milliarden Euro unterstützt. Dies ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Sinnvolle Sanierungen müssen sich dank praxistauglicher und wirtschaftlich sinnvoller Einsparvorschriften auch in Zukunft lohnen – für die Eigentümer und die Mieter. Wir setzen deshalb auf Anreize, nicht auf Zwang.“

Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung: „Die energetische Gebäudesanierung hält, was sie verspricht. Das belegen zahlreiche Beispiele der neuen dena-Verbrauchsstudie, bei denen die geplante Energieeinsparung in gleicher Größenordnung auch in der Praxis erreicht wird. Eine energetische Sanierung ist ein komplexes Vorhaben. Umso wichtiger ist es, dass Bauherren konsequent auf Qualität und die Einbindung von Experten setzen. Dann werden sich ihre Investitionen auch wie geplant auszahlen.“

Die Studie beruht auf dem dena-Modellvorhaben Effizienzhäuser, in dem seit 2003 mehr als 350 Wohngebäude hocheffizient saniert werden. Für die Auswertung wurden die Energieverbrauchsdaten der fertiggestellten und bereits über mehrere Heizperioden bewohnten Gebäude erhoben und analysiert. Es wurde untersucht, ob der geplante energetische Standard in der Praxis erreicht wird und wie groß die tatsächliche Einsparung beim Energieverbrauch ist. Das Ergebnis: Im Mittel konnte der Energieverbrauch von 223 auf 54 Kilowattstunden pro Quadratmeter im Jahr reduziert werden. Diese Einsparung von 76 Prozent entspricht recht gut den geplanten, vorab berechneten 80 Prozent Energieeinsparung.

Vereinzelt konnten aber auch Ausreißer nach oben und unten beobachtet werden. Die Ursachen dafür können vielfältig sein und sollen in einer weiterführenden Auswertung untersucht werden. Ein möglicher Ansatzpunkt hierfür ist zum Beispiel das Nutzerverhalten.

Manchmal tritt nach energetischen Sanierungen ein sogenannter Rebound-Effekt ein: Die Bewohner heizen mehr als früher, weil sie nach der Sanierung nicht mehr das Gefühl haben, Energie sparen zu müssen.

Weitere Details zur Studie

Alle Angaben der Studie beziehen sich auf Endenergie und werden entsprechend der Vorgaben der Energieeinsparverordnung (EnEV) auf die Nutzfläche bezogen. Um das tatsächliche Einsparpotenzial realistisch abschätzen zu können, wurde ein Bedarfs-Verbrauchsabgleich durchgeführt. Dabei wurden größere Leerstände in den Gebäuden sowie das Nutzerverhalten beim Lüften und der bevorzugten Raumtemperatur im Ergebnis berücksichtigt. Es wurden 52 Mehr- und 11 Ein- und Zweifamilienhäuser untersucht.

Die Verbrauchsstudie wurde vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) unterstützt und steht als Langfassung und als Zusammenfassung unter zum Herunterladen bereit.

Downloads:

– Studie: Auswertung von Verbrauchskennwerten energieeffizient sanierter Wohngebäude – (573 K, PDF)

(Deutsche Energie-Agentur GmbH / dena)

Weiterführende Informationen:

Rund 38 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland und ein Drittel der CO2-Emissionen entfallen auf den Gebäudebereich (Stand 2010), rund 80 Prozent davon für Wärme und Warmwasser. Dabei ergibt sich folgende Verteilung: 41 Prozent dieses Gebäudeenergieverbrauchs verbrauchen Ein- und Zweifamilienhäuser, 24 Prozent Mehrfamilienhäuser und 35 Prozent Nichtwohngebäude.

Die Energieeffizienz im Gebäudebereich ist somit einer der wesentlichen Punkte für ein Gelingen der Energiewende sowie auch der Klimapolitik. Das schlägt sich auch in der EU-Energieeffizienzrichtlinie nieder: Laut den EU-Vorgaben sind die 27 Mitgliedsstaaten verpflichtet, bis 2020 jährlich 1,5 Prozent des Energieverbrauchs einzusparen. In Deutschland macht dabei allein die Steigerung der Gebäudeenergieeffizienz einen Anteil von rund 30 Prozent an den gesamten Einsparungen der Energieeffizienzziele aus. Entsprechend heißt es auch in dem Energiekonzept der Bundesregierung: Gebäudeeffizienz sei „die wichtigste Maßnahme, um den Verbrauch an fossilen Energieträgern nachhaltig zu mindern und die Abhängigkeit von Energieimporten zu reduzieren“ .

Großer Sanierungsbedarf:

Drei Viertel der Altbaubauten sind hochgradig ineffizient.

  • – 65 Prozent der Fassaden sind ungedämmt, zusätzlich 20 Prozent entsprechen nicht den heutigen technischen Möglichkeiten (haben nur Dämmstärken bis zu 9 cm).
  • – 30 Prozent der Dächer sind ungedämmt, zusätzlich 35 Prozent entsprechen nicht den heutigen technischen Möglichkeiten (haben nur Dämmstärken bis zu 13 cm).
  • – 60 Prozent der Fenster sind energetisch schlecht.

15-20 Prozent der Wärme gehen dabei durchs Dach verloren und 20-25 Prozent durch die Wände. Der Modernisierungsstau setzt sich jedoch auch in der Anlagentechnik in den Heizungskellern fort, ca. 80 Prozent der Gas-und Ölheizungen sind nicht auf dem Stand der Technik, nur ca. 13 Prozent heizen mit Erneuerbaren Energien wie Holz oder Wärmepumpen und nur 9 Prozent verfügen über Solarkollektoren.

Energetisches Sanieren wirkt positiv auf Klima, Konjunktur und öffentliche Kassen

Die KfW-Förderprogramme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren entlasten – laut einem Gutachten des Forschungszentrum Jülich im Auftrag der KfW Bankengruppe – die öffentlichen Kassen um bis zu 4,3 Mrd. Euro netto: Auf der Einnahmenseite erhöhen sich die Abgaben und Steuern der Unternehmen und Arbeitnehmer aus der Bautätigkeit um geschätzte 4 Mrd. Euro. Zusätzlich kann im Idealfall aufgrund von niedrigerer Arbeitslosigkeit von verringerten öffentlichen Ausgaben bis zu 1,3 Mrd. Euro ausgegangen werden. Demgegenüber stellte die Bundesregierung der KfW zur Verbilligung dieser Programme im letzten Jahr rund eine Mrd. Euro Haushaltsmittel zur Verfügung. Für jeden eingesetzten “Förder-Euro” erhalten die öffentlichen Haushalte damit vier bis fünf Euro zurück.

Innovation: Seegras als Dämmstoff

Kürzlich gelang es einem deutschen Forschungskonsortium, den bis dato nutzlosen Rohstoff Seegras als idealen Dämmstoff zur energetischen Gebäudesanierung weiterzuentwickeln: Seegrasfasern sind schwer entflammbar, schimmelresistent und lassen sich ohne chemische Zusätze als Dämmwerkstoff nutzen. Zudem hält es die Häuser aufgrund seiner hohen Wärmespeicherkapazität im Sommer kühl.

(mb)

Marc Brümmer

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