Energiepolitik

Energieverbrauch: Grad der Energieabhängigkeit der EU 2011 bei 54%

Seit Anfang 2009 hat sich die Rohstoff-Importrechnung der EU laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nahezu verdoppelt. Die 27 EU-Staaten gaben zusammen zuletzt mehr als 400 Milliarden Euro für den Import nicht-nachwachsender Rohstoffe aus. Den Löwenanteil dabei für den Import des Energieträgers Öl. Dieser jedes Jahr aufs neue anfallende Kostenblock würde ausreichen, um Griechenlands Staatsschulden auf einen Schlag zurückzuzahlen.

Wenn die europäische Energierechnung um mehrere Milliarden Euro pro Jahr entlastet wird, bedeutet das natürlich auch große volkswirtschaftliche Vorteile: Gelder werden frei, die vorher in die Öl-Monarchien abflossen. Anstatt Bohrtürme im Wüstensand zu betreiben, erhält der Mittelstand hierzulande Aufträge, Erneuerbare Energieanlagen zu errichten. Und anstatt den Ölmultis zu weiteren Rekordgewinnen zu verhelfen, kaufen sich die Bürger und Unternehmen die eigene Energie ab (allein EXXON Mobil hat 2012 bei einem Umsatz von 482,295 Milliarden Euro einen Gewinn nach Steuern von 47,681 Milliarden Euro eingefahren).

Die Abhängigkeit am Beispiel der Volkswirtschaft Italien: Die aus der Finanzkrise entwachsene Schuldenkrise verstärkend stieg Italiens Rechnung für importierte fossile Energieträger zwischen 2009 und 2011 um mehr als die Hälfte an, von 47 auf 73 Milliarden Euro. Die Importkosten für nicht nachhaltige Energieträger übersteigt dabei das italienische Leistungsbilanzdefizit von 58 Milliarden im gleichen Zeitraum um ein Vielfaches.

Das Ausmaß der Energieabhängigkeit der EU von Importen verdeutlicht eine aktuelle Veröffentlichung des Statistischen Amtes der EU:

Energieabhängigkeit der EU 2011 bei 54%, Energieverbrauch sank zwischen 2008 und 2011 um 6%

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Bild: Europäische Union / cc-by rockcohen

Der wirtschaftliche Abschwung, der seit Beginn der Finanzkrise in der EU zu beobachten ist, ist ebenfalls bei der Entwicklung des Energieverbrauchs sichtbar. Der Bruttoinlandsenergieverbrauch in der EU27 fiel von 1 800 Millionen Tonnen Rohöleinheiten (tRÖE) im Jahr 2008 auf 1 700 Mio. tRÖE in 2009, stieg dann auf 1 760 Mio. tRÖE in 2010 und verringerte sich dann erneut auf 1 700 Mio. tRÖE im Jahr 2011. Zwischen 2008 und 2011 nahm der Energieverbrauch in der EU27 um 6% ab.

Der Grad der Energieabhängigkeit3, der den Nettoeinfuhren dividiert durch den Bruttoverbrauch entspricht und der das Ausmaß der Abhängigkeit eines Landes von Energieeinfuhren angibt, betrug im Jahr 2011 in der EU27 54% und blieb seit 2008 nahezu stabil. Diese Daten wurden von Eurostat, dem statistischen Amt der Europäischen Union, veröffentlicht.

Die geringste Abhängigkeit von Energieeinfuhren

Die fünf größten Energieverbraucher in der EU27 waren im Jahr 2011 Deutschland (316 Mio. tRÖE, -7,7% gegenüber 2008), Frankreich (260 Mio. tRÖE, -4,6%), das Vereinigte Königreich (199 Mio. tRÖE, -9,4%), Italien (173 Mio. tRÖE, -4,8%) und Spanien (129 Mio. tRÖE, -9,4%). Zusammen hatten sie einen Anteil von nahezu zwei Drittel am gesamten EU27 Energieverbrauch.

Dreiundzwanzig Mitgliedstaaten verzeichneten zwischen 2008 und 2011 Abnahmen in ihrem Energieverbrauch und vier Anstiege. Die größten Rückgänge verzeichneten Litauen (-24,5%), Irland und Griechenland (je -12,3%), Rumänien (-10,2%), Spanien und das Vereinigte Königreich (je -9,4%) und die höchsten Anstiege Malta (+16,9%) und Estland (+4,8%).

Die folgenden Mitgliedstaaten waren im Jahr 2011 am wenigsten von Energieeinfuhren abhängig: Estland (12%), Rumänien (21%), die Tschechische Republik (29%), die Niederlande (30%), Polen (34%) und das Vereinigte Königreich (36%). Dänemark (-9%) war ein Nettoexporteur von Energie und hatte daher einen negativen Abhängigkeitsgrad. Die höchsten Energieabhängigkeitsgrade fanden sich in Malta (101%), Luxemburg (97%), Zypern (93%) und Irland (89%).

Eine ausführliche Tabelle und weiterführende Informationen auf Seite 2:

Marc Brümmer

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