Kolumnen

Entsteht eine neue Agrarbewegung?

Zumindest gibt es eine neue Koalition: Biobauern, Tierschützer, Umweltverbände und Gentechnik-Kritiker demonstrierten erstmals gemeinsam. Das gab es noch nie in Deutschland: Zehntausende Demonstranten am Wochenende für eine Agrarwende und für eine grünere Agrarpolitik. Wutbürger schlucken ihren Zorn über Gift im Essen nicht länger einfach hinunter, sie werden Food-Bürger.

 

Unter dem Motto „Wir haben es satt“ hatten 120 Verbände zur Großdemonstration  gegen das kranke System der industrialisierten Landwirtschaft eingeladen.  Nicht nur BSE-Skandal, Gammelfleisch und Dioxin-Eier erreichen die Tagesschau und die ersten Seiten der Tageszeitungen, sondern jetzt auch die Massentierhaltung und die Verbraucherverantwortung.

 

Populäre Organisationen wie foodwatch beteiligten sich erstmals an einer eindeutig politischen Demonstration. Der Zeitpunkt – ein Agrargipfel am Rande der Grünen Woche in Berlin – war perfekt gewählt.

 

Die grüne Landwirtschaftsministerin Renate Künast hatte schon vor acht Jahren die Agrarwende proklamiert. Aus drei Prozent Öko-Landwirten 2002 sollten 20 Prozent bis 2010 werden. Daraus wurde nichts. Wir haben heute erst 5,5 Prozent Biobauern. Vielleicht ist aber jetzt tatsächlich die Chance für eine Agrarwende gekommen.

 

Die Bevölkerung verurteilt heute deutlicher als vor acht Jahren die Massentierhaltung. Die Hungerrevolten in den armen Ländern machen auch hierzulande immer mehr Menschen betroffen. Die konservative Landwirtschaftsministerin sagt jetzt, dass es unmoralisch ist, wenn Lebensmittel, also Mittel zum Leben, zum Objekt von Zockern an den Börsen werden.

 

Ilse Aigner will jetzt dagegen vorgehen. Es gehe um Menschenleben und da sei „einfach Schluss mit der Abzockerei“, sagte sie der Berliner „Tageszeitung“. Spekulationsgeschäfte dürften nicht auf dem Rücken der Ärmsten ausgetragen werden. Und im Angesicht von sieben Landtagswahlen 2011 fügt sie noch hinzu: „Ich stehe für mehr Umweltschutz.“

 

Neue Versprechen – immerhin eine Chance!

 

Ob sie genutzt wird, hängt nicht zuletzt von uns Verbrauchern ab und von unserer Bereitschaft für gesunde Lebensmittel den Bauern faire Preise zu bezahlen.

 

Motto: Klasse statt Masse!

 

Immerhin überarbeitet die EU bereits ihre Subventionspolitik. Ökobauern sollen künftig mehr Förderung erhalten als die großen Agrarfabriken.

 

Dass eine Agrarwende für Arten- und Klimaschutz noch nicht in Sicht ist, darauf verweist der neueste Agrarbericht 2011 hin. Alle Berichte sind in der Vollversion online kostenlos abrufbar. Die Grüne Woche läuft bis zum 30. Januar.

 

Quelle: © Franz Alt 2011

 

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