Wirtschaft

Eon wird mit Radikalumbau konkreter – Entscheidungen bis Herbst

Anfang August waren die ersten Pläne für einen Radikalumbau des größten deutschen Energiekonzerns Eon in die Medien gelangt. Eon reagiert damit auf die veränderte Marktsituation im Zuge der Energiewende. Die vier großen deutschen Energieversorger Eon, RWE, Vattenfall und EnBW, die zusammen bislang rund 80% des deutschen Marktes beherrschen, müssen sich aus ihrer bequemen Oligopolstellung verabschieden und auf einen härteren Wettbewerb einstellen. Dies wird mit einer Arbeitsplatzverlagerung hin zu dezentral organisierten mittelständischen und kommunalen Unternehmen, die an der Stelle der Großen wachsen und Stellen schaffen werden, einhergehen.

Der tiefgreifende Konzernumbau bei Eon war schon angekündigt worden, nun folgen innerhalb der nächsten Wochen Scheibchenweise die Details, die Entscheidungen im Aufsichtsrat sollen dann im Herbst fallen. Ziel ist es, die Konzernkosten in den kommenden Jahren um 1,5 Milliarden Euro zu senken. Konkret ist bislang nur, dass weltweit bis zu 11.000 der 85.000 Stellen gestrichen werden sollen. Besonders betroffen ist hier der Verwaltungsbereich.

Anfang August wurde in den Medien vermeldet, Eon plane, drei Standorte zu schließen und Unternehmensteile zu verkaufen, sowie einen strikten Sparkurs zu fahren. Als betroffene Standorte wurden zunächst die Eon-Energie-Sparte in München, die Eon-Kraftwerkstochter in Hannover und die in Essen ansässige Gashandelstochter Eon Ruhrgas genannt, Westeuropas größter Erdgashändler. Die Töchter sollen den Berichten nach als eigenständige Unternehmen aufgelöst, die Reste der Töchter dann in der Konzernzentrale in Düsseldorf konzentriert werden. Darüber hinaus plant Eon-Chef Johannes Teyssen mittelfristig offenbar auch, den Konzern zudem in eine europäische Aktiengesellschaft (SE) umzuwandeln, bei der die Gewerkschaften deutlich weniger Einfluss hätten. Widerstand unter anderem im Aufsichtsrat scheint hier dann vorprogrammiert. Die verstärkte Internationalisierung des Konzerns wird ebenfalls zurückgefahren. Anstatt wie letzten Herbst angekündigt, massiv in zwei neue globale Wachstumsmärkte einsteigen zu wollen und dann bis 2015 rund 25% des Ergebnisses außerhalb Europas zu erwirtschaften, erfolgt nun offenbar die Konzentration auf nur noch einen Markt.

Eon hat 2010 einen Umsatz von 94,8 Milliarden Euro realisiert, das operative Ergebnis lag bei 11,2 Milliarden, der Gewinn nach Steuern bei 7,1 Milliarden. Der Ausstieg aus dem Ausstieg aus der Atomkraft und der anschließende Wiedereinstieg in den Ausstieg ließ das dann kurzfristig mit vermehrter Atomenergie kalkulierte Ergebnis für 2011 erwartungsgemäß einbrechen: Im zweiten Quartal 2011 sank der Gewinn um 71% auf immer noch eine knappe Milliarde Euro (900 Euro). Eon senkte daraufhin seine Prognosen für 2011. Nun wird ein bereinigtes Ebitda zwischen 9,1 und 9,8 Milliarden Euro und einen bereinigten Überschuss von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro erwartet. Bislang war von einem bereinigten Ebitda von 10,7 bis 11,4 Milliarden Euro und einen bereinigten Überschuss von 3,0 bis 3,7 Milliarden Euro ausgegangen worden.

 

 

 

 

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