Energie & Umwelt

Erdgasnetz als möglicher riesiger Speicher für Ökostrom

Die beiden Forschungsinstitute Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und das Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES haben gemeinsam mit dem Anlagenbauer Solar Fuel Technology GmbH mit Sitz in Stuttgart und Salzburg eine neue Technologie entwickelt, die das riesige Gasnetz als Puffer und Speicher für Strom aus Erneuerbaren Energien erschließen soll. Das Modell hat  den Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft 2010 erhalten. Die Technologie soll in zwei bis drei Jahren marktreif sein und könnte dann einen Ausweg aus der Situation bieten, dass derzeit noch kaum Speichermöglichkeiten für EE existieren. Bei einem gesamten Stromverbrauch von 582 Terawattstunden (Milliarden Kilowattstunden) in 2009 können die vorhandenen Pumpspeicheranlagen, die derzeit wichtigste Speichertechnologie, gerade einmal 0,04 Terawattstunden Energie speichern. So müssen schon heute bei günstigen Wetterlagen aufgrund des hohen Stromangebots durch Erneuerbare nicht nur konventionelle Kraftwerke abgeschaltet werden, um die notwendige Balance zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch im Netz zu halten, sondern vermehrt auch Windkraftanlagen. Statt diesen Strom ungenützt zu lassen, wollen die Forscher ihn zur Elektrolyse von Wasserstoff aus Wasser nutzen. Der Wasserstoff wird anschließend mit Kohlendioxid zur Reaktion gebracht, wodurch Methan entsteht, der Hauptbestandteil von Erdgas. Das Methan ist voll kompatibel zu Erdgas und Bio-Erdgas und könnte dann zu überschaubaren Kosten in das riesige bestehende Gasnetz mit seinen Pipelines und unterirdischen Speichern eingebracht werden. Allein in 2010 wurden nach Angaben des Solarverbandes bis zu 8 GW Solarstrom installiert, das entspricht 6 AKWs. Die allmählich aus den Kinderschuhen herauswachsende Offshore-Windenergie soll bis 2030 eine Leistung von mindestens 25 GW erreichen – das ist mehr, als alle 17 deutschen AKWs zusammen unter Volllast liefern. Durch die umstrittene Laufzeitverlängerung ist somit ein Überangebot an Strom nahezu vorprogrammiert, die Speicherung wird daher zunehmend immer wichtiger. Die Gasunternehmen wiederum könnten zudem zurückgehende Einnahmen aus dem sinkenden Gashandel durch den Zusatznutzen für ihre Infrastruktur kompensieren. Momentan existiert bereits eine Pilotanlage. Ab Ende 2012 soll dann eine Großanlage mit 5-10 MW in Betrieb gehen. Der Wirkungsgrad der Technologie beträgt 60%. Neben der Gaswirtschaft zeigt auch die Autoindustrie großes Interesse. Das Öko-Methan wäre ein hervorragender Treibstoff und somit ein Ersatz für Benzin und Diesel, auch die Infrastruktur (Gastankstellen) ist schon im beträchtlichen Maße ausgebaut.
 

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