Management

Erik Händeler im Personality-Interview Nr. 4

Im Rahmen der "Personality-Interviews" kommen eine Vielzahl interessanter, außergewöhnlicher und herausragender Experten – von Speakern, Coaches und Trainern über Gutachter, Sachverständigen und Beratern bis hin zu Wissenschaftlern – zu Wort.

Das vierte Interview führen wir mit Erik Händeler. Er ist Buchautor, Zukunftsforscher und Spezialist für die Kondratiefftheorie der langen Strukturzyklen.

 

Erik Händeler – Foto: Siemens

1. Herr Händeler, bitte stellen Sie sich kurz vor!

Als Buchautor und Zukunftsforscher bin ich vor allem Spezialist für die Kondratiefftheorie der langen Strukturzyklen. Nach einem Tageszeitungsvolontariat und Tätigkeit als Stadtredakteur in Ingolstadt, studierte ich in München Volkswirtschaft und Wirtschaftspolitik. 1997 wurde ich freier Wirtschaftsjournalist um die Konsequenzen der Kondratiefftheorie in die öffentliche Debatte zu bekommen: Nachdem uns Computer nicht mehr so wie früher noch produktiver machen, ist der Wohlstand der Zukunft vor allem eine Investition in Menschen.

2. Was ist das Hauptthema in Ihrer Tätigkeit?

Wir brauchen eine bessere Arbeitskultur, in der Wissensarbeiter effizienter sind, weil die Reibungsverluste mit anderen auf ein erträgliches Maß gesunken sind. Denn wir müssen in Zukunft besser auf die Kompetenzen der anderen zurückgreifen können. Wir brauchen eine Arbeitskultur, in der wir gesund alt werden können; wir werden weniger arbeiten müssen, um länger arbeiten zu können. Wir brauchen ein präventives Gesundheitssystem, das sich vor allem auch um die Gesunderhaltung der Gesunden kümmert. Das alles ist nötig, weil uns noch schnellere Computer nicht mehr produktiver machen und wir deswegen in eine Wirtschaftskrise geraten können, so wie 1929 nach der Elektrifizierung. Die nächste Stufe des Wohlstandes ist jedoch nicht eine neue Maschine, sondern vor allem immaterielle Verbesserungen, weil der größte Teil der Arbeit inzwischen Gedankenarbeit ist.

3. Was zeichnet Sie besonders aus und was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Der Aha-Effekt: Während die wirtschaftspolitischen Debatten von Geld handeln (Preise, Zinsen, Löhne, Geldmenge) und so die reale Wirtschaft beeinflussen wollen, geht es bei mir darum, im realen Leben produktiver zu wirtschaften – Geldindikatoren sind dann die Folge, aber nicht die Ursache der wirtschaftlichen Entwicklung. Und: Die Wirklichkeit lässt sich nicht in seine Subsysteme aufspalten, sie ist etwas Ganzes: Technik, Wirtschaft, Kultur und politische Stabilität hängen eng zusammen, werden in Politk und Wissenschaft aber getrennt behandelt.

 

4. Worin liegt Ihrer Meinung nach – aus der Perspektive Ihrer Tätigkeit heraus – in der Regel der größte Handlungsbedarf bei Ihren Kunden?

Der Aufbau einer besseren Arbeitskultur. Als wir immer mehr Autos hatten, brauchten wir irgendwann Verkehrsregeln; jetzt, wo es um das Vernetzen von individuellem Wissen geht, werden wir neue Verhaltensregeln brauchen. Die sammel ich zusammen mit Verbänden unter der Webadresse www.neuearbeitskultur.de <http://www.neuearbeitskultur.de> – das ist eine Baustelle, wird aber noch richtig gut werden.

5. Woran denken Sie bei den Worten „kurzfristiger Erfolg“ versus „Nachhaltigkeit“?

Kurzfristiger Erfolg geht meist auf Kosten von Investition, Kundenbeziehungen, Mitarbeiterpotential, Stabilität. Kurzfristiger Erfolg war nur möglich in einer Boom-Zeit, etwa als sich der Computer stark ausbreitete und große Produktivitätsreserven erschloss; jetzt in der Stagnation sind wir um so mehr zur Verfolgung langfristiger Ziele gezwungen. 

Erik Händeler – Foto: Siemens

6. Haben Sie ein Lebensmotto? Wenn ja, welches?

Stetigkeit. Und mit meinen begrenzten Möglichkeiten der Wahrnehmung der einen Wirklichkeit so nahe wie möglich kommen.

7. Wie sehen Ihre persönlichen Ziele für die nächsten 3 Jahre aus?

Die Dinge, um die ich mich bemühe, werden meistens nichts; während die Dinge, um die ich mich nicht bemüht habe, etwas werden, und das ist eine ganze Menge. Ich arbeite weiter an einer neuen Arbeitskultur und einem präventiven Gesundheitssystem, aber ich habe keine Ahnung, wo ich in drei Jahren sein werde.

Vielen Dank Herr Händeler für Ihre Ausführungen und die zahlreichen Einblicke in Ihre berufliche Aktivitäten.

 

Das Interview führte Oliver Foitzik (Herausgeber AGITANO / Geschäftsführer FOMACO GmbH).

 

 

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