Kolumnen

Erneuerbare Energien sind keine Preistreiber für den Strom!

Die Stadtwerke erhöhen den Strompreis. Sie begründen dies mit der Umlage, die sie als Endkundenversorger für die Stromerzeugung durch die erneuerbaren Energien uns Verbrauchern in Rechnung stellen müssen. Die Begründung, die erneuerbaren Energien wie z.B. die Photovoltaikanlagen seien Ursache der Strompreiserhöhung, ist unwahr und wird auch durch ständiges Wiederholen nicht richtiger. Kommentar von Jörg Zwosta

 

In Wahrheit wird einfach verschwiegen, dass durch den sog. „Merit-Order-Effekt“ an der Strombörse in Leipzig der Strompreis zeitweise erheblich verbilligt wird.

 

Die PV-Anlagen in Deutschland erzeugen um die Mittagszeit durch die hohe Sonneneinstrahlung so viel Strom, dass sie das Einschalten teurer Spitzenlastkraftwerke, mit denen die vier großen Stromproduzenten den teuren Spitzenlaststrom für den hohen Mittagsverbrauch produzieren, teilweise verhindern.

 

Je mehr teure Spitzenlastkraftwerke laufen, desto höhere Gewinne erzielen aber alle Kraftwerke, die billigeren Strom angeboten haben. Denn sie erhalten selbstverständlich den Preis, den auch das Kraftwerk mit dem teuersten gerade noch benötigten Strom verlangt.

 

Die Betreiber der Atom – und Kohlekraftwerke sind deshalb überhaupt nicht erfreut, wenn um die Mittagszeit viele Photovoltaikanlagen ihren Strom ins Netz einspeisen. Denn dann werden nicht mehr so viele Spitzenlastkraftwerke gebraucht, der Börsenpreis sinkt und die Gewinne mit Atom – und Kohlestrom schmelzen dahin.

 

Dieser preissenkende Mechanismus ist kaum bekannt und wird in seinen Auswirkungen auf die Umlage zugunsten der neuerbaren Energien ganz erheblich unterschätzt. Die großen Stromerzeuger haben auch gar kein Interesse daran, diesen Mechanismus ihren Stromkunden zu erklären, weil sonst ihre Argumentation zusammenbrechen würde, die Umlage für die erneuerbaren Energien allein sei Ursache der Preiserhöhung.

 

Wenn die Stromverbraucher richtig aufgeklärt würden, wären die angekündigten Strompreiser höhungen nicht so leicht durchsetzbar. Deshalb die Forderung, in den Stromrechnungen nicht nur die preiserhöhenden, sondern auch die preissenkenden Wirkungen des Sonnenstroms auf den Börsenpreis wiederzugeben, was bisher noch nicht geschieht.

 

Die Verschleierung der preissenkenden Wirkung ist nur deshalb möglich, weil wir Stromverbraucher uns einfach auf die Richtigkeit der Information auf den Stromrechnungen verlassen. Umso ärgerlicher ist es deshalb, wenn durch eine unrichtige Begründung die klimaschonende Stromerzeugung mit der Sonne in Misskredit gebracht wird.

 

Wir sollten nicht vergessen, dass die großen Stromerzeuger Jahr für Jahr Milliardengewinne einfahren und trotzdem die Stromrechnungen erhöhen. Das zeigt auch gleichzeitig, dass die Behauptung der Regierung, Atomstrom sorge für eine Verbilligung der Stromkosten und müsse deshalb länger produziert werden, eine dreiste Schutzbehauptung ist.

 

Quelle: © Franz Alt 2010

 

 

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