Technologie

Erstes privates Raumschiff „SpaceX Dragon“ wird Ende April 2012 an die ISS andocken

Laut Informationen der US-Raumfahrtbehörde Nasa soll das Raumschiff Dragon des US-Unternehmens SpaceX Ende April als erstes privates und kommerzielles Raumschiff an der Internationalen Raumstation ISS andocken. Ursprünglich war der Test für Ende März geplant. Der Start mittels einer Falcon-9-Rakete wird nun am Montag, den 30. April, um 12:22 Uhr amerikanischer Ostküstenzeit (18:22 Uhr MEZ) von Cape Canaveral aus stattfinden.

Die Nasa unterstützt im Rahmen des Programms COTS (Commercial Orbital Transportation Services) seit 2006 Privatfirmen bei der Entwicklung und beim Bau von Nutzlast-Raumschiffen. Mitte 2011 wurde das Space-Shuttle-Programm der USA eingestellt. Seitdem bieten nur noch russische Sojus-Raumschiffe die Möglichkeit für bemannte Flüge zur ISS. Nach Informationen von RIA Novosti zahlt die Nase im Rahmen des COTS-Programms 396 Millionen Dollar an SpaceX und 288 Millionen Dollar an Orbital Sciences Corporation für den erfolgreichen Aufbau eines kommerziellen Weltraumtransportsystems.

SpaceX wurde im Juni 2002 von dem Unternehmer Elon Musk gegründet, der zuvor mit den zwei Internetfirmen Zip2 und PayPal sehr erfolgreich zum Multi-Millionär geworden ist. Der erste Testflug der leichten Rakete Falcon 1 fand im März 2006 statt. Am 14. Juli 2009 wurde die Falcon 1 dann erstmals mit dem Start des malaysischen Satelliten RazakSat kommerziell verwendet. Im Juni 2010 wurde dann die schwerere Falcon 9 erfolgreich getestet, mit der im Dezember 2010 erstmals die Dragon-Raumkapsel, das erste private Raumschiff der Welt, erfolgreich in die Umlaufbahn gestartet und wieder sicher zur Erde zurückgebracht wurde. Die leistungsstarke Rakete Falcon 9 Heavy soll Ende 2013 zu ihrem Jungfernflug ins All aufbrechen. Die Rakete ist nach den Sicherheitsstandards der Nasa für bemannte Raumfahrt konstruiert. Mit 53 Tonnen Kapazität ist es die leistungsstärkste US-Rakete seit der Nasa Saturn V Rakete, die mit dem Ende der Mond-Mission Anfang der 1970er Jahre stillgelegt wurde. Die sowjetischen Energia und N1 konnten sogar 100 bzw. 75 Tonnen ins All befördern. Ein Start der Heavy Falcon wird zwischen 80 und 125 Millionen US-Dollar kosten, was rund 2.000 Dollar (rund 1.400 Euro) pro Kilogramm Ladung bedeutet.

Die ISS war erst im Mai 2011 offiziell fertiggestellt worden. Die Baukosten haben rund 71 Milliarden Euro betragen. Russland hat daher auf umfangreiche Tests bestanden, bevor die ISS überstürzt eventuellen größeren Risiken eines scheiternden Andockungsmanövers ausgesetzt wird. Zudem sieht die russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos die private US-Konkurrenz naturgemäß skeptisch.

Microsoft-Mitgründer und Multimilliardär Paul Allen hat mit dem SpaceShipOne ebenfalls den Weltraum im Visier. Seine neueste Vision: Das größte jemals realisierte Flugzeug mit einer Flügelspannweite von 116 Metern und sechs Boeing-747-Triebwerken soll mit einer Tragkraft von 222 Tonnen Satelliten und Raumschiffen künftig während des Fluges als Startrampe dienen. Der Abschuss der Raketen soll dann in rund 10.000 Metern Höhe erfolgen und dadurch deutlich an Treibstoff einsparen. Der Erstflug ist für die nächsten fünf Jahre geplant. Paul Allen: „Ich habe lange davon geträumt, nach dem Erfolg von SpaceShipOne den nächsten großen Schritt in den privaten Raumflug zu tätigen. (…) Wir befinden uns am Beginn einer radikalen Wende in der Raumfahrt-Industrie.“
(mb)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.