Kolumnen

Es brennt – Die Fieberkurve steigt

Auch wenn es in Deutschland an manchen August-Tagen eher kühl ist: Die Welt erlebt 2010 den heißesten Sommer seit 1870, seit Beginn der Temperatur-Aufzeichnungen. In Russland brennen riesige Waldgebiete und Torffelder, in Pakistan sind über 1.600 Menschen ertrunken und Arktis sowie die Antarktis erleben viel zu milde Winter. Die Wetter-Extreme nehmen zu – sie sind die deutlichsten Vorzeichen des Klimawandels.

 

Und was macht in dieser Situation der Hauptklimasünder USA?

 

Der Kongress in Washington lehnte soeben das ohnehin schon verwässerte Klimaschutzgesetz ab. Hauptsächlich die konservativen Republikaner finden Klimaschutz unnötig und für die Wirtschaft der USA schädlich.

 

Das Öl-Loch am Golf von Mexiko scheint geschlossen und schon machen die USA mit ihrer alten verschwenderischen Energiepolitik weiter wie bisher. Die Führungsmacht Nr. 1 ist lern-unfähig. Kein Wunder, dass Chinesen und Inder ambitionierten Klimaschutz ebenfalls ablehnen. Das aber heißt, dass es auf absehbare Zeit weltweit kein wirkliches Klimaschutz-Abkommen geben wird.

 

Das „größte Problem der Menschheit“ (Angela Merkel) wird verdrängt, vergessen und vernachlässigt. Auch für die veröffentlichte Meinung in Deutschland scheint das Thema Kachelmann wichtiger als Weltklima.

 

Was also tun? Über 100  Regionen und Kommunen in Deutschland haben inzwischen beschlossen, ihre Energie bis 2030  selbst zu produzieren und zu 100% aus Sonne, Wind, Biogas und Erdwärme zu gewinnen. Regionale Wertschöpfung stärkt die heimische Wirtschaft, vor allem den Mittelstand und das Handwerk.

 

In dieser Woche hat das Bundeskabinett festgelegt, dass Deutschland bis 2020 knapp 40% seines Stroms selbst regenerativ erzeugt. Die EU will bis dahin 30% weniger Treibhausgase emittieren. Dies ist genau die richtige Strategie und Antwort auf das verantwortungslose Versagen der USA.

 

Also nicht abwarten bis alle mitmachen, sondern vorangehen, damit Chinesen, Inder, Afrikaner und Südamerikaner sehen, wie Klimaschutz konkret und praktisch aussieht. China und Indien orientieren sich schon länger am deutschen Erneuerbaren Energiegesetz, Südafrika hat es kurz vor der Fußball-WM übernommen und weitere Länder des Südens stehen kurz davor.

 

Effektiver Klimaschutz bedeutet auch eine Chance für neue Technologien. Deutschland kann seine Fähigkeiten als Exportland Nr. 1 erneut unter Beweis stellen. Weit über eine Million neue Arbeitsplätze können hierzulande durch Erneuerbare Energien geschaffen werden.

 

Quelle: © Franz Alt 2010

 

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