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„Etablierte Unternehmen und Startups können viel voneinander lernen“ – Interview mit Andrea Mollenhauer

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„Nicht innovative Unternehmen werden vom Markt verschwinden“ – und zwar eher früher als später, das wusste schon Schumpeter. Um nicht zu den Verlierern der immer schneller werdenden Innovationszyklen zu gehören, versuchen auch etablierte Unternehmen durch die Zusammenarbeit mit Startups einen Hauch von ihrer Kultur ins eigene Unternehmen zu tragen. Andrea Mollenhauer von der mmc AG erklärt im AGITANO-Interview, wie das gelingen kann und worauf Führungskräfte sich vorbereiten sollten. Lesen Sie auch ihren Beitrag im mmc-Magazin unter Wege zur Startup-Kultur im Traditionsunternehmen.

„Die junge Kultur von Startups fördert Innovationen“

Wieso wollen plötzlich auch alteingesessene Traditionsunternehmen eine Startup-Kultur bei sich etablieren?

Schon seit mehreren Jahren sorgen Megatrends wie die Digitalisierung dafür, dass Märkte immer volatiler werden und Innovationszyklen kürzer. Unternehmen geraten durch diese beschleunigten Prozesse vermehrt unter Druck und müssen die Geschwindigkeit ihrer Produktentwicklung an die Märkte anpassen. In einer Startup-Kultur fällt das leichter als in den hierarchischen Strukturen eines Traditionsunternehmens, das zum einen durch viele Ebenen oft zu faulen Kompromissen führt und Innovationen verwässert, zum anderen auch schlichtweg zu langsam ist.

Wodurch zeichnet sich diese Startup-Kultur denn aus? Was macht sie vermeintlich so erfolgreich?

Eine Startup-Kultur ist in meist jung: Das bedeutet, einerseits junge Mitarbeiter mit besonderen, für ihre Generation typischen Ideen und Ansprüchen, junge Unternehmensgründer und wenig festgefahrene Strukturen und Hierarchien. Damit sind Entscheidungswege kürzer und schneller. Außerdem ist eine Startup-Kultur durch folgende Aspekte gekennzeichnet:

  • Kundenzentrierung: Kunden werden früh in die Produktentwicklung einbezogen. Agile Methoden ermöglichen das.
  • Offene Fehlerkultur: Es herrscht keine Angst vor einem Scheitern, es wird viel mehr als Chance begriffen. Die Risikobereitschaft ist hoch.
  • Vernetzung: Hierarchien existieren praktisch nicht: Mitarbeiter und Führungsebene gehen kooperativ miteinander um und kommunizieren auf Augenhöhe. Kurze Entscheidungswege sind die Folge.
  • Marktakzeptanz an erster Stelle: Prototypen werden schnell zur Marktreife gebracht und quasi live getestet. In Iterationsprozessen wird dann nachjustiert.
  • Transparenz: Wissen als Machtmittel zurückzuhalten ist in Startup-Kulturen befremdlich. Informationen werden geteilt.

Sie haben bereits den Aspekt des Alters in Startups als kulturellen Faktor angesprochen. Können Sie diesen Gesichtspunkt noch genauer ausführen?

Die so genannte Generation Y der unter 35-Jährigen hat bestimmte Anforderungen an ihre Jobs: Sie wollen eine interessante und fordernde Tätigkeit. Auch eine gesunde Work-Life-Balance ist ihnen wichtig. Daher fordern sie flexible Arbeitszeiten und große Entscheidungsspielräume, was Gestaltung von Arbeitsplatz und Aufgaben betrifft. Auch an strategischen Unternehmensentscheidungen und der Entwicklung einer Zukunftsvision wollen sich die Mitarbeiter dieser Generation beteiligen.

Für Unternehmen ist das eine große Chance, die sie nutzen sollten. Das gelingt aber nur, wenn die Personalführung entsprechend agiert (mehr dazu unter Führungskultur im Wandel: Hat die Hierarchie wirklich ausgedient?).

Konkurrenzsituationen unbedingt vermeiden

Bedeutet das, dass etablierte mittelständische Betriebe und Großkonzerne nun alle ihre Strukturen über den Haufen werfen müssen?

Nein, auf keinen Fall. Erfolgreiche Unternehmen sind immer beides: innovativ und traditionell. Mit einem Bestseller-Produkt, das für den Cashflow sorgt und erst die finanzielle Grundlage für kreative Spielereien bildet.

Aber sie sollten bestimmte Aspekte der Startup-Kultur etablieren, um eben auch innovativ sein zu können und sich bei Bedarf schnell neu erfinden zu können. Das kann z.B. gelingen durch die Kooperation zwischen etablierten Unternehmen und Startups oder durch die Gründung von so genannten Innovation Labs, die innerhalb des Unternehmens kreative Forschung betreiben.

Dabei können nicht nur die Traditionsbetriebe von den Startups lernen, sondern auch diese können von der Zusammenarbeit profitieren: Wissen und Erfahrung eines alteingesessenen Betriebes sind wichtige Erfolgsfaktoren.

Welche besonderen Herausforderungen stellen sich durch solche kulturellen Transformationsprozesse an Führungskräfte?

Bei der Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups ist besonders wichtig, dass der Dialog auf Augenhöhe stattfindet. Arroganz und Besserwissertum sind hier völlig fehl am Platz. Beide Seiten müssen sich bewusst machen, dass sie vom Wissen und von den Erfahrungen des Partners profitieren können. Partnerschaftlich muss deshalb auch die Kooperation ablaufen. Dann ist ein produktives Voneinander Lernen möglich.

Wenn es um Innovation Labs und Startups geht, dann ist es die Aufgabe der Unternehmensführung, für Fairness zu sorgen. Keinesfalls dürfen die Mitarbeiter des Kerngeschäfts das Gefühl bekommen, mit den „Kreativen“ um Ressourcen wie Budget oder Personal zu konkurrieren. Denn das würde zu mangelnder Akzeptanz führen und alle Bemühungen um Innovationen ad absurdum führen.

Liebe Frau Mollenhauer, herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview mit Andrea Mollenhauer, Managing Partner der mmc AG, führte Dr. Katja Heumader, Redakteurin AGITANO.

Katja Heumader

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