Wirtschaft

EU-Beitrittswille der prosperierenden Türkei sinkt

Laut einer Umfrage des Think Tanks German Marshall Fund of the United States (GMF) sind nur noch 38% der türkischen Bürger von einem EU-Beitritt überzeugt. 2004 waren es noch 73%. Lediglich 13% sprechen sich für eine engere Zusammenarbeit mit den EU-Ländern aus, 2009 waren es noch 22%. Stattdessen hat sich die Zahl derer, die eine engere Kooperation mit dem Nahen Osten wünschen auf 20% verdoppelt. Dies liegt einerseits an einer zunehmenden Ablehnung der europäischen Position in den langjährigen, zähen Beitrittsverhandlungen, andererseits an dem prosperierenden Entwicklungstrend des Landes. Die Türkei positioniert sich zunehmend als Energie- und Logistikdrehscheibe. Aufgrund der strategisch bedeutsamen Brückenlage gelang es dem Land beispielsweise, sowohl von der Nabucco-Pipeline unter Umgehung Russlands, als auch von der South-Stream und der Blue-Stream Pipeline Russlands nach Europa zu profitieren. Die Potentiale des Landes werden gleichsam zunehmend erschlossen. Die Türkei erwartet für 2010 ein Wachstum von 6-8%. Die ehemals mit einem EU-Beitritt verbundenen Hoffnungen eines wirtschaftlichen Nutzens werden somit zunehmend in der Region und außerhalb der EU realisiert. Mittels des letztwochigen Referendums hat die Politik der gemäßigt-islamischen AKP zudem einen weiteren Etappensieg im Machtkampf mit dem mächtigen Militärapparat gewonnen.

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