Energie & Umwelt

EU ordnet Stresstests für europäische AKWs an – Übersicht

Zum ersten Mal werden – analog zu den Stresstests bei Banken – Atomkraftwerke in der EU mit einem Stresstest einer umfassenden Sicherheitsprüfung mit gemeinsam definierten Kriterien unterzogen. Darauf haben sich die EU-Energieminister auf Initiative Österreichs bei einem Sondertreffen am Dienstag in Brüssel geeinigt. Dabei gehe es laut EU-Energiekommisar Günther Oettinger „um eine Neubewertung aller Risiken durch und nach Japan“. Dies umfasse Erdbeben, Hochwasser- und Tsunamigefahren, Terrorangriffe und die Kühlsysteme. Zunächst werden gemeinsame Prüfkriterien erarbeitet, der Test werde dann in der zweiten Jahreshälfte durchgeführt – möglicherweise auch in Ländern außerhalb der EU wie der Schweiz und Russland (Ministerpräsident Putin hat bereits eine Sicherheitsüberprufung der russischen AKWs innerhalb eines Monats angekündigt). Auch die Atomindustrie signalisierte ihre Zustimmung: Johannes Teyssen, Chef des Energiekonzerns E.ON: „Wir müssen Lehren ziehen. Wir können uns nicht einfach auf die gültigen Sicherheitsstandards verlassen.“ Nach der jetzigen Rechtslage fallen allerdings Fragen der Energieerzeugung, wie auch die der Sicherheit, in den Verantwortungsbereich der Mitgliedsstaaten, die Eingriffsmöglichkeiten der EU-Kommission sind daher sehr beschränkt. In der EU werden derzeit laut Daten der IAEA mit 143 rund ein Drittel der weltweit 442 AKWs betrieben. Verteilt auf die Mitgliedsstaaten: Belgien (7), Bulgarien (2), Deutschland (17), Großbritannien (19) Finnland (4), Frankreich (58), Niederlande (1), Rumänen (2), Schweden (10), Slowenien (1), Slowakische Republik (4), Spanien (8), Tschechische Republik (6) und Ungarn (4).
Polen bereitet derzeit den Einstieg, Italien den Wiedereinstieg in die Atomkraft vor, in Tschechien, der Slowakei, Bulgarien und Litauen sollen neue AKWs gebaut werden. In der näheren Nachbarschaft befinden sich zudem 5 AKWs in der Schweiz, 15 in der Ukraine, 32 in Russland und eins in Armenien.

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