Wirtschaft

EU stärkt Irland in der Schuldenkrise den Rücken – Rekordzinsen

Die Risikoprämie für zehnjährige irische Anleihen stieg weiter an und erreichte erstmals 6,5 Prozentpunkte, die Rendite nähert sich damit 9% (Deutschland 2,4%). Zum Glück für Irland benötigt dieses erst Mitte nächsten Jahres wieder neue Kredite, allerdings verdeutlicht die Entwicklung die Nervosität der Märkte. EU-Kommissionspräsident Barroso sicherte Irland für den Notfall Hilfen zu, die notwendigen Instrumente lägen bereit. Dublin hingegen warb um Vertrauen und versicherte, dass es allein zurecht komme und „auf keinen Fall“ einen Hilfsantrag nach Brüssel senden müsse. Ursache der irischen Schuldenkrise sind die enormen Kosten zur Rettung der Banken, die der kleine Inselstaat im Zuge der Finanzkrise retten musste (50 Mrd. Euro). Das Haushaltsdefizit wird dadurch bedingt in diesem Jahr auf den absoluten Rekordwert von 32% des BIP steigen. Hauptursache des Anstiegs der Risikoprämie ist jedoch ein politischer Vorgang:   Bereits Ende Oktober hatten die EU-Regierungschefs folgerichtig erwogen – neben den Steuerzahlern – auch die privaten und institutionellen Gläubiger an der Umschuldung eines in finanzieller Schieflage befindlichen Staates zu beteiligen, demnach also Risiken auch wirkliche Risiken sein zu lassen (daher ja auch der Begriff „Risikoprämie“). Dieser "Haircut" könnte einige Jahre Zinsausfälle und somit einen Verlust von bis zu 30% der Gesamtforderungen aus Zins und Tilgung bedeuten. Am Donnerstag hatte nun die französische Finanzministerin Christine Lagarde die Forderung Frankreichs und Deutschlands erneut bekräftigt, dass ein künftiger Umschuldungsmechanismus für Staatsschulden die Beteiligung der privaten Gläubiger an den Verlusten beinhalten müsse. "Alle Beteiligten müssen Gewinne und Verluste jeder besonderen Situation teilen." Die Finanzmärkte reagieren naturgemäß auf die ungewohnte Möglichkeit der Beteiligung an Verlusten erwartungsgemäß verschnupft. Britische Banken halten die größten Forderungen gegenüber irischen Schuldnern im Wert von rund 150 Milliarden Dollar. Die zweitgrößte Position entfällt auf deutsche Banken mit Forderungen von 138 Milliarden Dollar.

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