Wirtschaft

EZB wechselt unter neuem Chef die Taktik – Anleihen für 183 Mrd. Euro

Unter dem neuen Präsidenten Mario Draghi wechselt die Europäische Zentralbank ihre Taktik. In nur einer Woche hat der neue EZB-Chef zwei wesentliche Richtungsänderungen beschlossen: An seinem ersten Amtstag hatte er bereits den Leitzinssatz von 1,5% auf 1,25% gesenkt, um das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone zu stimulieren. Sein Vorgänger Jean-Claude Trichet hatte mit einem höheren Zinssatz zu Lasten des Wirtschaftswachstums die Bekämpfung der Inflation versucht, die allerdings maßgeblich durch die Spekulation mit Rohstoffen und der gleichfalls hohen Volatilität bei Energieträgern begründet ist. Nun hat die EZB ihre Ankäufe von Staatsanleihen deutlich aufgestockt. In der letzten Woche wurden Anleihen im Wert von 9,52 Milliarden Euro erstanden. In der Vorwoche waren es rund vier Milliarden Euro. Damit hat die EZB seit Mai 2010 nun Staatsanleihen im Volumen von 183 Milliarden Euro gekauft. Zuletzt wurde Marktteilnehmern zufolge vor allem bei den immer stärker unter Druck geratenden italienischen Anleihen zugegriffen. Deren Zinsen sind aufgrund der Hängepartie in Rom Ende letzter Woche über die kritische Marke von 6% geklettert.

Bislang ist der Aufkauf von Staatsanleihen durch die EZB stark umstritten: Kritiker sehen die Unabhängigkeit der Notenbank gefährdet. Im Problemfall haften alle Europäer für die Papiere. Befürworter unterstützen den Ankauf, da den Krisenländern somit dringend benötigtes Geld geliehen und dem starken Zinsanstieg für die Papiere entgegengewirkt wird. Somit werden die Zinskosten für Problemstaaten wie Italien und Spanien niedriger gehalten, die ansonsten drohen, in den Krisenstrudel mit hineingerissen zu werden.
 

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