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Failing States in Lateinamerika: SWP-Analyse der organisierten Kriminalität

Lateinamerika ist im Wandel: Selbstbewusste Staaten werden sich ihrer Stärken, die regionale Kooperation nimmt zu und eine Reihe starker Wachstumsmärkte entwickeln sich, allen voran Brasilien und Mexiko, aber auch Argentinien, Chile und eine Reihe weiterer Länder mit beachtlichen Potenzialen. So haben sich auch die 33 Staaten Lateinamerikas und der Karibik Anfang Dezember 2011 zu der regionalen „Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten“ (CELAC) zusammengeschlossen, aus der die USA und Kanada ausdrücklich ausgeschlossen sind (eine Analyse des neuen Staatenbündnisses finden Sie hier).

Die aufstrebenden Staaten Lateinamerikas haben sich aus der militär-politischen Umklammerung der USA mit entsprechender Einmischung in die Innenpolitik während des Kalten Krieges und in den 1990er Jahren zunehmend befreien können. Brasilien gilt sogar schon als einer der nächsten weltpolitischen Player, obgleich auch dieses Land noch mit gravierenden Problemen, beispielsweise der armutsgetriebenen Gewalt in seinen Favelas (Elendsviertel), zu kämpfen hat. Einige der kleineren Staaten Mittelamerikas scheinen dahingegen den Kampf gegen Gangs wie die berüchtigte Mara Salvatrucha (MS13 / siehe Video unten) bereits verloren zu haben.

Analyse der organisierten Gewalt in Lateinamerika

Dr. phil. Günther Maihold, stellvertretender Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP Berlin), Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin sowie Inhaber des Wilhelm und Alexander von Humboldt-Lehrstuhls an der UNAM und dem Colegio de México, hat zusammen mit Daniel Brombacher von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) mit dem Schwerpunkt auf alternative Entwicklung/Drogenanbausubstitution und der Entwicklung ländlicher Räume, nun eine detaillierte Analyse der gescheiterten Staaten in Lateinamerika veröffentlicht: „Lateinamerika – failing states. Gewalt, Organisierte Kriminalität und Staat in Lateinamerika.“

Aus dem Inhalt:

Korruption, Drogen, ausufernde Gewalt, Waffen- und Menschenhandel sowie die Schwäche des Justizsystem bedrohen Staat und Gesellschaft Lateinamerikas. Die Sicherheitsorgane sind überfordert, das Militär wird zum zentralen Akteur im Kampf gegen die Organisierte Kriminalität. Im Kontext wachsender Unsicherheit stellt sich die Frage nach den Handlungschancen in Räumen begrenzter Staatlichkeit, die im Buch diskutiert wird.

Teil I: Von Süd nach Nord – Drogenökonomie, Mafias und Kartelle
Teil II: Von Nord nach Süd – Waffen und die Destabilisierung politischer Gemeinschaften in Lateinamerika
Teil III: Geldwäsche und Holzwäsche: zur Legalisierung der Drogengelder
Teil IV: Menschenschmuggel und Menschenhandel von Lateinamerika in die Vereinigten Staaten von Amerika
Teil V: Transnationale Sicherheitspolitik: Lösungsansätze für grenzüberschreitende Sicherheitsprobleme?
Teil VI: Über die Grenzen von Recht und Gerechtigkeit – Straflosigkeit als lateinamerikanisches Phänomen?
Teil VII: Die Polizei als (Un)Sicherheitsakteur – Polizeireformen in Mexiko und Brasilien

→ Weiterführende Informationen zu der rund 400 Seiten starken Veröffentlichung (36,00 Euro) finden Sie auf der Website der SWP.

Dokumentarfilm über die Gang Mara Salvatrucha

Der französisch-spanische Journalist Christian Poveda hat 18 Monate lang Mitglieder der als eine der gefährlichsten Banden der Welt bekannte Mara Salvatrucha in El Salvador begleitet und gefilmt. Die meisten der Protagonisten haben dabei das Ende der Dreharbeiten nicht überlebt sondern sind in den Bandenkämpfen ums Leben gekommen. Als Poveda die Dreharbeiten abgeschlossen hatte und das Land verlassen wollte, wurde er am 2. September 2009 auf dem Weg aus den Elendsvierteln hingerichtet. Man fand ihn mit vier Kugeln im Gesicht am Straßenrand. Sein Vermächtnis ist der äußerst verstörende Film „La vida loca“ (Das verrückte Leben).

(mb)

Marc Brümmer

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