Falsch gedacht…? Falsch gemacht…? Falsch gedacht!

Apr 27 2012 • ThemenserienKeine Kommentare

1 Star2 Stars3 Stars4 Stars5 Stars (No Ratings Yet)
Loading ... Loading ...

… aus der zweiwöchentlichen Kolumne "Anders denken" von Nicola Fritze.

Kennen Sie das? Im Gespräch mit Kollegen, Freunden oder dem Partner kommt man immer wieder zu dem Punkt,an dem man denkt: „Wie kann man nur so etwas Falsches sagen?“ Oder: „Das ist falsch gedacht!“ Oder sogar: „Jetzt hat Kollege XY das schon wieder falsch gemacht!“ Die Folge ist, dass man selbst sich genervt fühlt. Und das Gegenüber, dessen Denken oder Handeln man als „falsch“ bewertet, fühlt sich zu Recht nicht richtig geschätzt für das, was er getan oder gedacht und gesagt hat.

Klar: Meinungsverschiedenheiten gibt es immer wieder, und das ist auch gut so. Genau so klar ist, dass es viele verschiedene Arten gibt, Probleme und Aufgaben zu lösen. Manche Lösungswege gefallen einem besser, andere schlechter. Aber seien wir mal ehrlich. So richtig „falsch“ kann man doch nur selten Dinge machen. Und „falsch“ denken geht irgendwie sowieso nicht. Nur anders denken, das gibt es. Und dem kann man zustimmen oder auch nicht. Aber in sich „falsch“ sind Gedanken eigentlich nicht.

Wir sind also häufig viel zu schnell in unserem Urteil. Wir bewerten Worte oder Handlungen als „falsch“ und erschweren damit die Kommunikation. Denn das Gegenüber fühlt sich abgeurteilt. Wer „falsch“ sagt, transportiert die implizite Botschaft: „Ich weiß im Gegensatz zu Dir, was richtig ist.“ Wer dem Gegenüber so eine Haltung vermittelt, hat ein Problem. Denn das wirkt nicht nur besserwisserisch, sondern auch desinteressiert. Wenn das Urteil schon feststeht, lohnt es ja nicht, über das Verurteilte zu sprechen, oder? Da ist doch klar, dass der Gesprächspartner sofort in eine Defensivhaltung geht. Entweder verteidigt er sich, oder aber er geht in die Schmollecke. Beides ist nicht so richtig gut für das Verhältnis zu diesem Menschen.

Ich möchte Sie deshalb motivieren, „falsch“ als Urteil aus Ihrem Denken zu verbannen. Machen Sie einfach mal ein Experiment. Wenn Sie etwas hören oder sehen, das Sie sofort für „falsch“ halten, fragen Sie doch lieber: „Was ist an diesem Gedanken interessant? Was ist an diesem Gedanken für mich nützlich?“ Oder Sie überlegen sich: „Warum denkt mein Gegenüber so?“ oder „Warum löst er die Aufgabe so, wie er sie gerade löst? Welche Überlegungen stecken dahinter?“ Wenn Ihnen ein Gedanken unschlüssig oder eben „falsch“ vorkommt, stoppen Sie einfach Ihr Gedanken- und Wertungskarussel. Machen Sie doch lieber den Mund auf und fragen Sie Ihr Gegenüber: „Wie kommen Sie darauf?“, „Warum denken Sie das?“, oder „Warum lösen Sie das Problem auf diese Weise?“.

Sie merken schon: Wenn Sie so handeln, öffnen Sie sich den Gedanken Ihres Gesprächspartners. Sie stellen eine offene Frage, anstatt direkt zu urteilen. Das ermöglicht erst einmal die fortgesetzte Kommunikation auf Augenhöhe – trotz eventueller Meinungsunterschiede. Ihr Gegenüber wird Ihnen seine Gedanken und Handlungen genauer erklären, wenn er sich nicht sofort abgeurteilt fühlt. In der Regel wird sich Ihnen schnell erschließen, dass es durchaus Gründe gibt, so zu denken oder zu urteilen, wie es Ihr Gesprächspartner getan hat. Sie können natürlich immer noch Einwände haben oder sogar fundamental anderer Meinung sein. Aber durch Ihren offenen Zugang haben Sie etwas über Ihr Gegenüber gelernt und verstehen, auf welcher gedanklichen Grundlage diese Person denkt und handelt, wie sie es in diesem Moment eben tut. Das macht es viel leichter, trotz eventueller Differenzen weiter zusammenzuarbeiten oder sich auch nur weiter zu unterhalten.

Sprich: Sie deeskalieren Ihre Gedanken, wenn Sie das „Falsch-Denken“ mal für eine Weile sein lassen. Das ermöglicht Ihnen, mit viel mehr Ruhe und Gelassenheit mit Ihrem Umfeld umzugehen. Und Sie profitieren davon, dass die Menschen um Sie herum Sie als weniger besserwisserisch, als weniger wertend und im Zweifel auch als besseren Gesprächspartner empfinden. Viel Spaß dabei!

Ihre Nicola Fritze

 

 

Zur Autorin:

Nicola Fritze ist Deutschlands Motivationsfrau. Mit ihrem Motto "Anders denken – anders handeln" begeistert die Trainerin und Rednerin jährlich tausende von Menschen.

Ihre zwei Podcasts "Das Abenteuer Motivation" und "Der Fritze-Blitz" zählen zu den erfolgreichsten Podcasts zum Thema Motivation und Persönlichkeitsbildung. Ihre Hörsendungen erreichen mehr als 30000 Hörerinnen und Hörer.

Anfang 2011 erschien ihr neues Buch "Raus aus der Grübelfalle Wie Sie Ihre Denkgewohnheiten ändern und Ihre Persönlichkeit gezielt weiter entwickeln". Hierin zeigt Nicola Fritze augenzwinkernd auf, wie wir mit Hilfe des Konzepts der inneren Stimmen handeln, statt immer nur zu grübeln.

Mehr über die Motivationsfrau erfahren Sie in ihrem AGITANO-Expertenprofil und unter www.nicolafritze.de.

 


Ähnliche Artikel

« »

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>