Management

Fehler: gut für den Ruf!

… aus der zweiwöchentlichen Themenserie “Anders denken” von Nicola Fritze.

Stellen Sie auch manchmal fest, dass die meisten Unternehmen, Großkonzerne oder Behörden eigentlich nie schuld sind, wenn etwas schief läuft? Angeblich sind immer externe Faktoren verantwortlich für schlechte Ergebnisse. Die Verspätung des Fliegers liegt am miesen Wetter, die unterdurchschnittliche Aktienperformance an neuen Gesetzen, die langsame Behördenarbeit an schlechter finanzieller Ausstattung. Nur eigene Fehler, von denen hört man so gut wie nie etwas.

Offensichtlich nehmen viele Organisationen an, es würde ihnen schaden, wenn sie öffentlich die Verantwortung für schlechte Ergebnisse übernehmen. Das gilt als Zeichen der Schwäche – und das Management fürchtet um seinen Ruf und seine Posten, wenn ein Fehler als hausgemacht bekannt wird.

Doch stimmen diese Befürchtungen eigentlich? Tippen Sie doch mal: ist es gut oder schlecht für den Ruf einer Organisation, wenn sie Fehler eingesteht? Interessanterweise kommt die Forschung zum Ergebnis: auf lange Sicht profitieren Organisationen, wenn sie öffentlich Fehler einräumen und Verantwortung für hausgemachte Probleme übernehmen. Eine psychologische Langzeitstudie aus dem Jahr 2004 zeigt zwei Dinge. Erstens entwickeln Kunden eine positivere Haltung zu Unternehmen, die Fehler eingestehen. Zweitens entwickeln sich auch die Aktienkurse von Firmen, die im Jahresbericht Managementfehler einräumen, besser als die derjenigen Unternehmen, die nur externe Faktoren verantwortlich machen. Wer hätte das gedacht!?

Woran liegt das? Aus Sicht von Kunden wie Aktienbesitzern ist es eigentlich logisch: wenn ein Unternehmen einen Fehler eingesteht, ist es wahrscheinlicher, dass selbige Firma auch etwas dafür tun wird, damit sich dieser Fehler nicht wiederholt. Ein Management, das immer nur auf andere zeigt, übernimmt keine Verantwortung für das eigene Handeln. Hier liegt der Verdacht nahe, dass die Organisation nicht lernbereit ist, auch intern keine Fehlerkultur pflegt – und sich schlecht funktionierende Abläufe nicht verändern werden. Hinzu kommt: wenn externe Faktoren das eigene Handeln angeblich derart negativ beeinflussen, dass die Führungsebene nichts dagegen unternehmen konnte – dann scheinen die Manager die Kontrolle über das Geschäft nicht wirklich in der Hand zu haben. Kein sehr überzeugender Eindruck…

Man kann also nicht nur trotz, sondern auch wegen des Eingeständnisses von Fehlern erfolgreich sein! Dafür braucht es aber eine gesunde Fehlerkultur innerhalb von Organisationen und die Bereitschaft zur transparenten Kommunikation. Sprich: man kann Fehler machen – so lange man im Anschluss sofort alles dafür tut, dass sich diese Fehler nicht wiederholen. Und es ist richtig, interne Probleme nach außen zu kommunizieren, wenn diese für schlechte Ergebnisse verantwortlich sind. Das heißt natürlich, dass man zeitgleich wirklich dafür Sorge trägt, dass sich Abläufe verbessern – und das auch kommuniziert. Ansonsten fühlen Kunden und Geschäftspartner sich zu Recht nicht ernst genommen.

All das gilt übrigens auch auf der individuellen Ebene für jeden von uns. Es kann uns schlussendlich nutzen, Fehler gegenüber Anderen einzugestehen. Das steigert das Vertrauen in die eigene Kompetenz und vermittelt den Eindruck der Ehrlichkeit. Wichtig ist dann aber, dass für jeden klar erkennbar ist, inwiefern man an seinem Verhalten arbeitet, dazulernt und einmal eingestandene Fehler nicht wiederholt. Denn Fehler, die sich wiederholen, untergraben die eigene Glaubwürdigkeit.

Denken Sie also nächstes Mal dran: wer immer auf andere zeigt, steht am Schluss vielleicht schlechter da als derjenige, der eigene Fehler eingesteht. Versuchen Sie, Ihre Fehler nicht als Problem zu sehen – sondern als Chance. Als Chance zu lernen, und als Chance, ihren Willen zur Transparenz und Ehrlichkeit nach außen zu vermitteln. Es lohnt sich, persönlich wie beruflich. Viel Erfolg dabei!

Ihre Nicola Fritze

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Zur Autorin:

Quelle: Nicola Fritze

Nicola Fritze ist Deutschlands Motivationsfrau.  Mit ihrem Motto “Anders denken – anders handeln” begeistert die Trainerin und Rednerin jährlich tausende von Menschen. Ihre zwei Podcasts “Das Abenteuer Motivation” und “Der Fritze-Blitz” zählen zu den erfolgreichsten Podcasts zum Thema Motivation und Persönlichkeitsbildung. Ihre Hörsendungen erreichen mehr als 30000 Hörerinnen und Hörer.

Anfang 2011 erschien ihr neues Buch “Raus aus der Grübelfalle Wie Sie Ihre Denkgewohnheiten ändern und Ihre Persönlichkeit gezielt weiter entwickeln”. Hierin zeigt Nicola Fritze augenzwinkernd auf, wie wir mit Hilfe des Konzepts der inneren Stimmen handeln, statt immer nur zu grübeln. Mehr über die Motivationsfrau erfahren Sie unter www.nicolafritze.de.

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Weitere Beiträge aus der Themenserie:

Die zwei Seiten der Angst – motivierend oder blockierend?

Raus aus dem Motivationstief

Arbeitsplatz der Zukunft? Ein paar gibt es schon!

Karriereverweiger? Wo denn!?

Erfolgreich scheitern

Marc Brümmer

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