Kolumnen

Finanzkrise hemmt Klimaschutz

Die Finanzkrise hemmt die globalen Anstrengungen zur Begrenzung des Klimawandels.

Auch die in den weltweit aufgelegten Konjunkturpaketen enthaltenen Maßnahmen mit klimapolitischer Stoßrichtung tragen nicht nennenswert zur Senkung der Treibhausgasemissionen bei. Zu diesem Ergebnis kommt die Analyse eines Kieler Forscherteams, die jetzt als Kiel Policy Brief 6 erschienen ist.

Die pessimistische Einschätzung der Autoren über die Auswirkungen der Finanzkrise auf den internationalen Klimaschutz stützt sich zum einen auf die Beobachtung, dass Regierungen weltweit bereits geplante Klimaschutzmaßnahmen unter Verweis auf die Krise verzögern oder aussetzen. Zum anderen stellen sich die weltweit aufgelegten Maßnahmenpakete zur Bekämpfung des konjunkturellen Abschwungs trotz eines signifikanten klimawirksamen Investitionsvolumens als unzureichend, in Teilen kontraproduktiv heraus.

So wird nicht nur der vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen vorgeschlagene 25 Prozent-Anteil „grüner“ Maßnahmen der Konjunkturprogramme weltweit und für die meisten Einzelstaaten verfehlt, bei näherem Hinsehen erweisen sich auch einige der „grünen“ Maßnahmen als potenziell klimaschädlich: Beispielhaft nennen die Autoren die immensen Investitionen in das chinesische Eisenbahnnetz. Wenn dieses Netz vermehrt für den Transport klimaschädlicher Kohle in die industriellen Zentren genutzt wird, führt ein eigentlich klimafreundliches Transportsystem zu einem Anstieg der Emissionen. Weltweit wirken sich zudem klimaschädliche Maßnahmen der Kon­junkturpakete, wie Investitionen in den Straßenbau oder Energiegutscheine für private Haushalte, negativ auf die Klimabilanz der Konjunkturprogramme aus.

Die Forscher beobachten mit Sorge, dass in vielen Industriestaaten und Schwellenländern nur noch Lippenbekenntnisse für den Klimaschutz abgegeben werden. Die Krise dient als Vorwand für den Verzicht auf einen „grünen“ Strukturwandel und vermindert selbst in der EU die Zahlungsbereitschaft für einen globalen Klimafonds.

Quelle:
IFW Institut für Weltwirtschaft 2009

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