Management

Flugzeugabsturz zeigt: Feedbacks sind für gute internationale Zusammenarbeit wesentlich

Internationale Zusammenarbeit steht heutzutage für einen Großteil der Unternehmen auf dem Programm – auch für viele KMUs. Dabei stellen die unterschiedlichen kulturellen Verhaltensmuster meist das größte Hindernis dar. Barbara Wietasch, Keynote-Speakerin und Expertin für internationale Führungskräfte- und Organisationsentwicklung, erklärt, warum eine bewusste Reflexion der eigenen kulturellen Prägungen unerlässlich für eine erfolgreiche internationale Zusammenarbeit ist – und warum ehrliche und schnelle Feedbacks eine zwingende Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit sind.

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Allmählich gewöhnen wir uns an die schönen sommerlichen Temperaturen. Einige haben Zeugnisängste schon gegen Urlaubsstimmung getauscht. Viele planen Fernreisen. Und dann passiert vor wenigen Tagen das Flugzeugunglück in San Francisco, gerade an dem Flughafen, an dem ich in den vergangenen Jahren genau zu dieser Jahreszeit gelandet bin. Mit dem Unterschied: ich bin nicht mit der Asiana Airline geflogen.

Ein Nachrichtensprecher wies heute darauf hin, dass fast alle Piloten dieser Airline ihre Ausbildung im Militär machen wo es nicht gewünscht ist, dass der Co-Pilot den Piloten darauf hinweist, wenn dieser Fehler macht. Also eine „fehlende Feedbackkultur“, die zwei Menschen in den Tod gerissen und mehr als 300 Verletzte auf dem Gewissen hat.

Dasselbe erleben einige meiner Kunden beim Produktions-Aufbau in Russland oder China: fehlende Englischkenntnisse, Angst vor Fehlern, Angst das Gesicht zu verlieren… all das macht eine Feedbackkultur unmöglich. Selbst wenn Fehler offensichtlich sind, werden diese nicht gemeldet „Dafür bin ich nicht eingestellt, das ist Aufgabe meines Chefs“… diese Worte kenne ich auch von meinen Kollegen in Spanien. Warum das so ist? Wie kann man dieses für uns fremde Verhalten verstehen?

Verstehen schafft Vertrauen und Vertrauen ist die Basis um „Weltmeister“ zu werden, sei es im Fußball, im Export, als Unternehmen. Und mehr noch, wenn es darum geht, internationale Geschäfte aufzubauen.

Wie wir mit Feedback umgehen, Verantwortung übernehmen, Vertrauen aufbauen – das alles beginnt in unserer Kinderstube..

In meinen Vorträgen zu „International Dynamics“ frage ich: Wie hat z.B. Ihre Barbie-Puppe ausgesehen? Trug sie ein Dirndl, eine Burka, hatte sie eine helle oder dunkle Hautfarbe? Nur wenn wir wissen, wie unsere eigenen kulturellen Prägungen sind, und dass andere Menschen anders „programmiert“ sind, haben wir eine Chance, zu reflektieren, zu analysieren und auch zu verstehen. Dazu gibt es auch ein Interview mit dem Kulturforscher Geert Hofstede „Interkulturelle Kompetenz ist kein Allgemeingut“.

Bedienungsanleitung: Wie funktionieren Deutsche, Russen, …

In meinen „Intercultural Awareness Trainings“ stelle ich zu Beginn die Aufgabe, dass jeder der teilnehmenden Nationalitäten eine „Bedienungsanleitung der eigenen Kultur“ erstellt.

Hier ein Beispiel: die deutschen Teilnehmer haben sehr strukturiert mit blauer Schrift (Farbe für Sicherheit) zwei komplette Flip-Chart-Seiten vollgeschrieben, in einer Art Befehlsform: Be punctual, be prepared, be well dressed… die russischen Kollegen dagegen schrieben in Rot und ziemlich chaotisch ausschließlich Verbote: Don´t be late, don´t drink alkohol, be friendly but don`t smile…Die Erklärung der russischen Verfasser war einleuchtend: wir wollen nicht so oberflächlich wirken wie die Amerikaner, die immer lächeln.

Das erklärt vielleicht die versteinerte Mimik von Vladimir Putin (außer bei dem Zwischenfall auf der Hannover Messe mit den barbusigen Damen) und dem immerwährenden Lächeln von Barack Obama.

Hier spiegelt sich unbewusstes Verhalten wider. Frühkindliche Prägungen haben das in unser Gehirn gespeichert und wenn wir es uns nicht bewusst machen bzw. reflektieren, dann werden wir es nicht verändern können.

Wie geht jedoch der österreichische Hotellier mit einer russischen Mitarbeiterin um, für die lächeln nicht auf dem „Programm“ steht? In unserer Kultur ist Freundlichkeit am Gast immer mit einem Lächeln verbunden. Wird dies nicht geschult, beschweren sich die Gäste über den „Balkan-Charme“. Es sollte jedem Mitarbeitern aus anderen Ländern im Arbeitskontext klar gemacht werden, was seine Aufgabe und Verpflichtung in dem aktuellen kulturellen Umfeld ist, das gilt auch für das Geben und Nehmen von Feedback, das Aufzeigen von Gefahren z.B. im Falle des Co-Piloten der Asiana Airline.

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Christoph Schroeder

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