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Fotobranche am Scheideweg: Wo geht es hin?

2013 war nicht das beste Jahr für die Fotobranche. Trotz immer neuer Kameras der Top-Hersteller schien die Kundschaft zu streiken, von einer Marktsättigung war die Rede. Zu beeindrucken scheint das die Hersteller nicht, wie ein Blick auf das wachsende Sortiment zeigt.

Fotobranche: Viele Möglichkeiten – vielleicht zu viele?

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Fotobranche am Scheideweg – Bild: © Thomas Northcut/Photodisc/Thinkstock

Der Fotomarkt ist breit gefächert. Die Kameras stehen im Mittelpunkt, doch selbst dort ist die Trennung zwischen den einzelnen Elementen und dem großen Ganzen unklar. Besitzer von Sony-, Canon- und Nikon-Kameras finden alleine bei den Sigma Objektiven eine Auswahl von weit über 100 Produkten; das sind mehr als es früher Kameras gab. Die Kombinationsmöglichkeiten sind quasi unbegrenzt – und stellen nicht nur Laien vor Entscheidungsschwierigkeiten.

Auswirkungen auf allen Ebenen

Dennoch wäre es das erste Mal, dass eine zu große Auswahl den Umsatz drückt. Viel eher scheinen die Ursachen woanders zu liegen. Einsteiger wie Profis sind längst mit dem benötigten Equipment eingedeckt, und da bei Kameras nicht die geplante Produktlebensdauer von rund zwei Jahren gilt, muss nicht jedes Jahr Nachschub gekauft werden. Davon sind Einzelhandel wie Online Shops gleichermaßen betroffen, dasselbe gilt für Weltkonzerne wie Canon oder kleinere Mittelständler der Branche.

Warum günstig, wenn es auch teuer geht?

Canon verkaufte 2013 ganze 28 Prozent weniger Kompaktkameras als im Vorjahr. Dieser Einbruch ist nicht nur groß, sondern gewaltig. Andere Hersteller wie Hasselblad aus Schweden versuchen es deswegen auf neuen Wegen. Kameras jenseits der 10.000 Euro, die bei Sony, Canon und Co. gleichwertig für knapp 2.500 Euro erhältlich sind, sollen reiche Kunden mit besonders extravaganten Design-Wünschen anlocken. Dass sich über Geschmack streiten lässt, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, denn die Kameras mit Glitzer-und-Gold-Design verkaufen sich tatsächlich. Eine neue Marke von der Größenordnung á la Nikon oder Canon wird dadurch natürlich nicht geschaffen, es zeigt lediglich, dass im Luxussegment die Uhren ein wenig anders ticken.

Ironie: 4K-Videofunktion als Hoffnungsträger?

Die Talfahrt der Branche ist umso unverständlicher, wenn man bedenkt, wie gut die Prognosen Anfang 2013 waren. Wie die Branche aus diesem Tief wieder herauskommt, kann noch niemand mit Sicherheit sagen. Womöglich kommt die 4K-Technologie zum richtigen Zeitpunkt, denn passend zur Markteinführung der UltraHD-Fernseher erscheinen auch die ersten Kameras mit entsprechender Videofunktion. Im Endeffekt könnte also das Bewegtbild das Standbild retten – eine Perspektive, die bei eingefleischten Fotografen nicht gerade Freude auslöst. Den Herstellern wird es jedoch egal sein, so lange bei Umsatz und Gewinn dadurch wieder grüne Zahlen stehen.

 

Oliver Foitzik

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