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Franz Alt: Die große Koalition würgt die Energiewende ab

… aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Franz Alt. Nach „RWE & Co. am Abgrund“ folgt heute: Die große Koalition würgt die Energiewende ab“.

Portrait von Dr. Franz Alt
Dr. Franz Alt (© Bild: privat)

Ursprünglich wollte die SPD 70 bis 75 Prozent erneuerbaren Strom bis 2030 in den Koalitionsvertrag schreiben. Das wäre ein echter und machbarer Fortschritt gewesen. Aber jetzt steht dort „55 bis 60 Prozent bis 2035“. Damit wird das Tempo des bisherigen Ausbaus beim grünen Strom abgewürgt und ausgebremst. Eine Blamage für die beiden Chefunterhändler Angela Merkel und Sigmar Gabriel, die mal beide Umweltminister waren und wissen, dass die Energie- und Klimafrage die Überlebensfrage der Menschheit ist.  Und dass der Klimawandel weit höhere Folgekosten haben wird als eine intelligent organisierte rasche Energiewende.

In den letzten elf Jahren gab es hierzulande drei Jahrhunderthochwasser. Was einmal in einem Jahrhundert passieren sollte, erlebten wir drei Mal in elf Jahren. So schnell vergeht die Zeit am Beginn des Klimawandels.

Im Sommer 2002 gab es Hochwasser in Sachsen und entlang der gesamten Elbe, im August 2005  im Alpenraum und jetzt 2013 in beiden Regionen zusammen sowie in Tschechien. Jedes Mal Tote, verzweifelte und vernichtete Existenzen, viele Tausende obdachlos, Schäden in Milliardenhöhe wie soeben wieder auf den Philippinen.


Die Zeichen für einen dramatischen Klimawandel mehren sich weltweit:

Peter Altmaier, 2013, Rudolf Simon
Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) im Jahr 2013 (Bild: Rudolf Simon / CC-BY-SA-3.0 / commons.wikimedia.org)

In Bangladesch, wo die Inder eine 4.400 kilometer lange hohe Mauer entlang der gesamten indisch- bengalischen Grenze errichtet haben, um Millionen Klimaflüchtlinge abzuhalten und in Afrika, wo in diesem Frühsommer nach UN-Angaben 18 Millionen Klimaflüchtlinge über den Kontinent irren. Tausende von ihnen versuchen Nacht für Nacht über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen – wohin sollten sie denn sonst?

Hier leben ja auch die Verursacher des Klimawandels, nicht in Afrika. Oder in Oklahoma, USA, wo in den letzten Jahren ein Taifun nach dem anderen Zerstörungen in Milliardenhöhe anrichtete. Oder auf den Philippinen, wo soeben wahrscheinlich über 10.000 Tote zu beklagen sind. Die Zeichen mehren sich.

Peter Altmaier rechnete im Sommer vor, dass die Stromverbraucher seit dem Jahr 2000 über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 66 Milliarden Euro für die existierenden Ökostromanlagen bezahlt haben. Aber er verschweigt, dass wir für Atom und Kohle in den letzten Jahrzehnten über 400 Milliarden Steuergelder aufgewendet haben.

Was kostet übrigens ein Pförtner, der für 100.000 Jahre ein Atommülllager bewachen muss? Und was kostet ein Liter Heizöl oder ein Liter Benzin in zehn oder 20 Jahren? Auch dann schickt die Sonne immer noch keine Rechnung.


Seite 3: Fossil-atomare Energieträger sind immer teurer als die Erneuerbaren

Christoph Schroeder

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