Energiepolitik

Franz Alt: Gabriels Energiewende braucht über 100 Jahre

(Mit Video) … aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Franz Alt. Nach „Zentral oder dezentral? Das ist jetzt die Frage“ folgt heute: Gabriels Energiewende braucht über 100 Jahre“.

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Solarenergie, Strommasten, Erneuerbare Energien
Gegenüber 2013 sollen noch weniger Solaranlagen installiert werden (Rainer Sturm / pixelio.de).

In den Jahren 2000 bis 2012 stieg der Anteil des Ökostroms in Deutschland pro Jahr um etwa zwei Prozent. Aber 2013 betrug der Anstieg unter schwarz-gelb nur noch unter ein Prozent. Wir sind jetzt bei knapp unter 25 Prozent Grünem Strom.

Aber nun will Minister Gabriel den Anstieg weiter drosseln. Gegenüber 2013 sollen noch weniger  Solaranlagen installiert und der Ausbau von Windrädern an Land weiter erschwert werden. Bei diesem Tempo, das der neue Wirtschafts- und Energiewendeminister eingeschlagen hat, dauert der 100 Prozent-Umstieg nach Adam Riese mehr als hundert Jahre.

Aber diese Zeit haben wir im Angesicht des drohenden Klimawandels nicht:

Wir erleben schon heute zunehmende Wettersextreme, einen Anstieg des Meeresspiegels, immer heftigere Extremstürme und Millionen Klimaflüchtlinge. Deutschland hat sich völkerrechtlich verpflichtet, die Treibhausgase bis 2050 um etwa 90 Prozent zu reduzieren. Wie aber soll das gehen, wenn die Bundesregierung die Energiewende ins 22. Jahrhundert verschiebt? In Berlin bremst Gabriel, in Bayern bremst Seehofer. Gute Nacht Energiewende!

Die weitere Drosselung der Energiewende ist weder ökologisch noch ökonomisch vertretbar. Ohne rasche Energiewende zahlt Deutschland weiterhin pro Jahr 100 Milliarden Euro den Ölscheichs und Gasbaronen. Wenn wir diese Kosten reduzieren wollen, dann bedarf es einer Beschleunigung der Energiewende und einer Umstellung auf erneuerbare, kostengünstige Energie aus den eigenen Regionen.

Hinzu kommt:

Die Folgen des Klimawandels werden nach Berechnungen der Weltbank siebenmal so teuer wie eine intelligent und rasch organisierte Energiewende.

Herr Wirtschafts- und Energieminister:

Wenn Sie unter Energiewende weiterhin eine Kohlewende verstehen, dann werden Sie weder Wirtschafts- noch Energieminister bleiben, sondern der Erzengel Gabriel der alten Energiewirtschaft.

Quelle: © Franz Alt 2014

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Video: Bundestagsrede von Sigmar Gabriel

(Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Energie / YouTube)

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Über Franz Alt:

Portrait von Dr. Franz Alt
Dr. Franz alt (© Bild: privat)

Dr. Franz Alt hat politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Er war zwanzig Jahre Leiter und Moderator von „Report Baden-Baden“, bis 2003 Leiter der Zukunftsredaktion des SWR sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins „Grenzenlos“. In den letzten Jahren hat er sich zudem als anerkannter und leidenschaftlicher Experte für die Bereiche Erneuerbare Energien sowie Energie- und Umweltpolitik etabliert. Er wurde von der EU-Kommission mit dem „Europäischen Solarpreis für Publizistik“ ausgezeichnet und hält jährlich hunderte Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wird er auch regelmäßig von ausländischen Regierungen gebeten, das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz vorzustellen, das international als Vorbild für eine regenerative Energiewende mit der Zielgröße der Energieautarkie gilt. Für weiterführende Informationen siehe seine Website www.sonnenseite.com.

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Sein aktuelles Buch:

Klein-Buch-Franz-Alt
Franz Alt: Auf der Sonnenseite

Franz Alt

Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht
256 Seiten
€ 9,99 (D) / € 10,30 (A) / sFr 14,90
ISBN 978-3-492-30351-4 [WG 2985]

Bereits ein Viertel unseres Bedarfs wird durch Ökostrom gedeckt: Die Energiewende hat Deutschland zum Vorreiter alternativer Energiequellen gemacht. Doch warum sind wir immer noch von Öl, Gas, Kohle und Atomstrom abhängig? Warum stehen Lobbyisten weiter unter dem Schutz der Politik? Franz Alt deckt auf, wer die Energiewende bremst und warum sie dennoch alternativlos ist. Der langjährige Berater von Regierungen und Konzernen legt eine brisante Analyse vor, die Lobbyisten, Energiemultis und Politikern nicht gefallen wird (Link).

 

Christoph Schroeder

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