Einsichten & Ansichten

Franz Alt: RWE & Co. am Abgrund

… aus dem wöchentlichen Kommentar von Dr. Franz Alt. Nach „Große Koalition plant Eingriffe in die Ökostromförderung“ folgt heute: RWE & Co. am Abgrund“.

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Einst wollten die Pferdekutscher die Eisenbahn und das Auto verhindern. Der Kampf war vergeblich. Genau so aussichtslos ist der Kampf der vier Energie-Besatzungsmächte RWE, E.on, Vattenfall und EnBW gegen die Wende hin zu Erneuerbaren Energien.

Die „Großen Vier“ erleben gerade die Wahrheit der Gorbatschowschen Erkenntnis, dass das Leben bestraft, wer zu spät kommt. Die alten Energie-Dinosaurier, die noch immer wie blinde Pyromanen auf Verbrennungstechnologien setzen anstatt auf Sonne, Wind, Wasserkraft und Erdwärme, sind im Gestern gefangen. Sie müssen sich endlich und grundsätzlich ändern, wenn sie auch morgen noch mitspielen wollen.

Wie es sich zum Beispiel gerade jetzt bei RWE und E.on abzuzeichnen beginnt. In ihrer Verzweiflung wollen sie jetzt neben den bisherigen „Ewigkeitskosten“ sogar noch höhere Subventionen für ihre klimazerstörenden alten fossilen Kraftwerke.

Jahrzehntelang warfen die großen Kraftwerke große Gewinne ab. Konkurrenz gab es so gut wie keine. Die Vier Großen hatten den Markt unter sich aufgeteilt. Erneuerbare Energien war in ihren Augen etwas für Spinner.

Doch jetzt sagt selbst RWE-Chef Peter Terium: „Wir haben die Erneuerbaren zu lange verschlafen. Deshalb gehen wir durch ein Tal der Tränen“.

Sein Konzern musste seit 2011 bereits 6.200 Stellen abbauen und jetzt nochmal weitere 6.000. Die Zahl der Mitarbeiter wird innerhalb von drei Jahren von 73.000 auf 61.000 sinken.

Der Grünen-Abgeordnete Oliver Krischer: „RWE mutiert zum vom Aussterben bedrohten Energiedinosaurier“. Einen ähnlichen Arbeitsplatzabbau erlebt gerade auch E.on.

Wegen des anhaltenden Booms beim Ökostrom müssen die fossilen Kraftwerke immer häufiger vom Netz. Ihre Erträge reichen nicht mehr aus, um die hohen Schulden zu bezahlen. Das wachsende und immer preiswerter werdende Angebot von Wind- und Solarstrom lässt die Strompreise an der Leipziger Strombörse weiter fallen.

Sonne und Wind schicken eben keine Rechnung, auch wenn dieses schlichte Naturgesetz von den alten Energie-Dinos lange nicht ernst genommen wurde.

Die weitere Entwicklung ist absehbar

Die alten Ressourcen gehen zu Ende, werden schon deshalb immer teurer und unbezahlbar, sie belasten das Klima und haben immer höhere Folgekosten, siehe die Taifun-Katastrophe auf den Philippinen oder die drei „Jahrhundert-Hochwasser“ in Deutschland innerhalb von 11 Jahren. Die Zeichen mehren sich.

Und jetzt will die sich abzeichnende Große Koalition in Berlin die alten Energieversorger auch noch mehr als bisher in die Haft nehmen für die Stilllegung und Entsorgung der AKW. Entweder steigen die „Vier Großen“ so rasch wie möglich in die Produktion von Technologien für Erneuerbare Energien ein oder sie werden bald vom Markt verschwinden.

Quelle: © Franz Alt 2013


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Über Franz Alt:

Portrait von Dr. Franz Alt
Dr. Franz alt (© Bild: privat)

Dr. Franz Alt hat politische Wissenschaften, Geschichte, Philosophie und Theologie studiert. Er war zwanzig Jahre Leiter und Moderator von „Report Baden-Baden“, bis 2003 Leiter der Zukunftsredaktion des SWR sowie Leiter und Moderator des 3sat-Magazins „Grenzenlos“. In den letzten Jahren hat er sich zudem als anerkannter und leidenschaftlicher Experte für die Bereiche Erneuerbare Energien sowie Energie- und Umweltpolitik etabliert. Er wurde von der EU-Kommission mit dem „Europäischen Solarpreis für Publizistik“ ausgezeichnet und hält jährlich hunderte Vorträge im gesamten deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus wird er auch regelmäßig von ausländischen Regierungen gebeten, das deutsche Erneuerbare Energien Gesetz vorzustellen, das international als Vorbild für eine regenerative Energiewende mit der Zielgröße der Energieautarkie gilt. Für weiterführende Informationen siehe seine Website www.sonnenseite.com.

Lesen Sie hier seinen Gastbeitrag von letzter Woche: „Große Koalition plant Eingriffe in die Ökostromförderung“.

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Sein aktuelles Buch:

Klein-Buch-Franz-Alt
Franz Alt: Auf der Sonnenseite

Franz Alt

Warum uns die Energiewende zu Gewinnern macht
256 Seiten
€ 9,99 (D) / € 10,30 (A) / sFr 14,90
ISBN 978-3-492-30351-4 [WG 2985]

Bereits ein Viertel unseres Bedarfs wird durch Ökostrom gedeckt: Die Energiewende hat Deutschland zum Vorreiter alternativer Energiequellen gemacht. Doch warum sind wir immer noch von Öl, Gas, Kohle und Atomstrom abhängig? Warum stehen Lobbyisten weiter unter dem Schutz der Politik? Franz Alt deckt auf, wer die Energiewende bremst und warum sie dennoch alternativlos ist. Der langjährige Berater von Regierungen und Konzernen legt eine brisante Analyse vor, die Lobbyisten, Energiemultis und Politikern nicht gefallen wird (Link).

 


Christoph Schroeder

2 Kommentare zu “Franz Alt: RWE & Co. am Abgrund

  1. Mir wird es ein Rätsel wieso eine nicht effiziente und dezentrale Energie zum Umweltschutz beitragen soll. Verbrennen Minikraftwerke kein CO2? Nein. Welchen Wirkungsgrad haben diese Motoren (VW 3 Zylinder) knapp über 30%. Moderne Kohlekraftwerke liegen jenseits der 45% und mit KWK noch deutlich höher als „Automotoren“. Auch erschließt es sich mir nicht wieso eine Infrastruktur aufgebaut wird die schon da ist.

    1. Da irrt sich jemand gewaltig!
      Großkraftwerke kommen heute in der Tat auf 45% elektrisch, ABER das wird mit Groß KWK alles wieder zunichte gemacht. Mein Thermo-Prof sagte immer, dass Groß-KWK der größte Quatsch aller Zeiten wäre und man besser die Kohle bei den Leuten im Keller verbrennt als im Kraftwerk. Groß KWK frisst mindestens 10% elektrischen Wirkungsgrad. Wenn man dann noch CO2 abscheidet, verliert man nochmal 10%. Hinzu kommen dann noch die Übertragungsverluste elektrisch und thermisch.

      Dezentrale BHKWs hingegen sind davon nicht betroffen und schlagen das System Groß KWK um Längen. Ja, die liegen elektrisch irgendwo zwischen 25 und (selten) 35%, und auch der kombinierte Wirkungsgrad von ungefähr 90% ohne Brennwerttechnik zieht heute keinen Hering mehr vom Teller, aber der elektrische Strom muss als Abfall zum Nulltarif betrachtet werdem . Nach Verbrauch/ Verkauf des Stroms kostet die kWh Wärme aus dem BHKW ungefähr genausoviel wie aus einer Brennwertheizung, obwohl die einen ca. 15% höheren Wirkunsgrad hat und keine eine kWh Strom bereitstellt.

      Da kommt man mit Groß KWK niemals hin. Außerdem könnte man KWK als Übergangslösung betrachten. So ein Gerät hält vllt. 10 – 20 Jahre, danach schmeißt man das weg und braucht was anderes. Ein Großkraftwerk läuft 50 Jahre+ und will davor noch jahrelang geplant und gebaut werden.

      KWK müsste von der Politik mehr gefördert werden.

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