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Frauenstimmen – Männerstimmen: Warum tiefe Stimmen kompetenter klingen

Frauenstimmen sind höher als Männerstimmen, deshalb tun sich Frauen oft schwerer, sich in Wirtschaftswelt und Medien durchzusetzen. Denn die höheren Frauenstimmen klingen oft emotional, deshalb werden sie nicht ernst genommen. Barbara Blagusz, Stimm- und Sprechtechniktrainerin, erläutert die kulturellen Unterschiede in der Höhe von Frauenstimmen und gibt Tipps für eine schöne Stimme.

In ihrem heutigen Beitrag zur Themenserie „Erfolgsfaktor Stimme“ erklärt Barbara Blagusz, warum Frauenstimmen besser tiefer klingen sollten.

 

Neutrale oder Emotionsoktave?

Zwei Oktaven umfasst der natürliche Stimmumfang eines Menschen, ob Mann oder Frau. Bei beiden ist die entspannte, mittlere Sprechlage im unteren Bereich angesiedelt. Sie signalisiert: Hier wird neutral informiert. Die höhere Lage, die von innerer Anspannung zeugt, wird „Emotionsoktave“ genannt. Allerdings liegt die Informationsstimme der Frauen, also ihre mittlere Sprechlage, von Natur aus auf der Höhe der männlichen Emotionsoktave. So hören sich Frauen für das männliche Ohr immer gern zu emotional an, selbst wenn sie Beipackzettel verlesen.

Piepsmaus oder Brummbär

Wenn Frauenstimmen nach oben geführt werden, tendieren sie dazu, in die Kopfstimme zu kippen: dünn, piepsig, hektisch. Die Zuhörer haben den Eindruck übertriebener Emotionalität. Oft lautet dann die Reaktion: „Bleiben Sie doch sachlich, Frau Kollegin“. Könnte das die biologische Erklärung dafür sein, warum manche Männer meinen, mit Frauen nicht sachlich diskutieren zu können?

Tiefe Stimmen klingen kompetent

Dass tiefe Stimmen für den Zuhörer kompetent, souverän und verlässlich klingen, hat laut Studien heute mehr Gültigkeit denn je. Der Wirtschaftsfaktor Stimme dringt immer mehr ins Bewusstsein. „Männer sprechen durchschnittlich mit einer mittleren Stimmfrequenz von 120, Frauen mit 220 Hertz. Doch bei Moderatorinnen oder Politikerinnen beobachten wir, dass sie um gut 20 Hertz tiefer sprechen als der Durchschnitt“, erklärt Sprechwirkungsforscher und Psychologe Prof. Dr. Walter Sendlmeier von der TU Berlin.

Frauenstimmen – eine Modeerscheinung?

Stimmlich gesehen vollzieht sich in Mitteleuropa ein Kulturwandel. Die Frauenstimmen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten im Schnitt um eine Terz, also um zwei bis drei Halbtöne, gesenkt. Eine Folge der Emanzipation, vermuten Soziologen. Tiefe Brummbär-Organe haben sich aber nicht nur aus kulturellen Gründen durchgesetzt, Studien zeigen auch, dass sie leichter vom Zuhörer verstanden werden. Kleinmädchenstimmen hingegen sind etwas aus der Mode gekommen und nicht vereinbar mit dem Selbstbild moderner Frauen. Forscher fanden sogar Unterschiede zwischen einzelnen Sprachen. So sprechen etwa Norwegerinnen tiefer als Britinnen oder Italienerinnen – auch die Frauenstimmen in Deutschland liegen im tieferen Sprachspektrum. Laut Sendlmeier eine Folge der fortgeschritteneren Emanzipation in Deutschland und Skandinavien.

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Frauenstimmen sind höher als Männerstimmen und klingen deshalb oft weniger kompetent. (Bild: Konstantin Gastmann / pixelio.de)

Frauen wollen ernst genommen werden

Frauen wollen im Familien- und Geschäftsleben ernst genommen werden und das funktioniert mit einer Piepsstimme nicht. Daher sprechen Frauen heute unbewusst tiefer als früher. Die ehemalige englische Premierministerin Margaret Thatcher wusste um die Macht einer tiefen Stimme und trainierte sich in den 1980er Jahren sogar gezielt eine um eine Quart niedriger als der Durchschnitt klingende, fast männliche Sprechstimme an, um sich als Frau auf der männlich dominierten Politbühne Gehör zu verschaffen.

Vertrau mir!

Menschen, die mit einer warmen und tiefen Stimme sprechen, werden gern gehört. Solche Menschen genießen einen gewissen Vertrauensbonus und werden meist als kompetent, selbstsicher und glaubwürdig eingestuft. Von Frauen, die berufstätig sind, wird heutzutage Autorität und Verantwortungsbewusstsein verlangt – beides Eigenschaften, die mit einer tiefen Stimme verbunden werden.

Zwei Tipps für die Praxis!

Im folgenden habe ich für Sie ein paar Tipps, die dabei helfen Ihre Stimme schöner klingen zu lassen.

1. Die Stimme ölen

Soll Ihre Stimme warm und weich klingen, dann helfen Pastillen wie Isländisch Moos oder GeloRevoice (Apotheke). Sie wirken befeuchtend und halten die Stimmbänder geschmeidig. Vor einem längerem Stimmeinsatz (z. B. Rede oder Vortrag): heiße Zitrone, aufgepeppt mit einem Teelöffel Honig und etwas frisch geriebenem Ingwer trinken.

2. Die Kau-Übung für einen tieferen Klang

Wenn Resonanzräume gut genutzt werden, entstehen Klänge, die wegen ihrer Wärme wohltun. Beim nächsten Essen, egal ob Frühstücksbrot oder Apfelkuchen, kauen Sie den Bissen bewusst und „laut“. Sprechen sie mit leicht geöffnetem Mund während des Kauens Laute wie „mium“, „mjaum“und das möglichst tief. Das hilft Ihnen Ihre Stimmhöhe etwas herunterzusetzen.

Beispiele für männliche und weibliche Synchronstimmen finden Sie hier
Männliche Synchronstimmen: www.sozusagen.at/haetten-sie-die-stimmen-erkannt-deutsche-synchronstimmen-maenner/
Weibliche Synchronstimmen: www.sozusagen.at/haetten-sie-die-stimmen-erkannt-deutsche-synchronstimmen-frauen/

 

Über Barbara Blagusz

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Barbara Blagusz ist Kommunikationstrainerin und Top-Speakerin zu Motivation, Kundenservice und Vertriebsmanagement (Bild: © Barbara Blagusz)

Barbara Blagusz ist die einzige Stimm- und Sprechtechniktrainerin im deutsch-sprachigen Raum, die direkt aus dem Verkauf kommt. Sie ist Autorin des Buches „Erfolgsfaktor Stimme“. Seit mehr als 20 Jahren ist sie erfolgreich als Kommunikationstrainerin und Top-Speakerin in den Bereichen Motivation, Kundenservice sowie Vertriebsmanagement und hat in ihren Seminaren bereits tausende Teilnehmer mit dem Machtfaktor Stimme begeistert. Aus dieser Erfahrung schöpft sie, wenn sie über den unbewussten Machtfaktor Stimme in Beratung, Führung und Verkauf spricht. Sie ist Expertin, wenn es um schwierige Kommunikationssituationen geht und wurde dreimal „Trainerin des Jahres“. Ob herausfordernde Kundensituationen am Telefon, Reklamationen, knifflige Verhandlungen oder mitreißende Präsentationen – profitieren Sie von ihrer jahrelangen Erfahrung im Management und Vertrieb!

Mit ihrem Konzept „Der Stimmcode©“ bereitet Sie Führungskräfte und Mitarbeiter im Verkauf praxisnah auf herausfordernde Gespräch vor. Dabei demonstriert sie humorvoll eine Fülle an praktischen und sofort anwendbaren Tipps authentisch und mit wandelbarem Stimmeinsatz. Barbara Blagusz verbindet überzeugend wissenschaftliches Know How mit wertvollem Nutzen für den Alltag – Praxistipps für den Verkaufsprofi sozusagen.

Mehr erfahren Sie zu ihrer Person auf dem Expertenprofil von Barbara Blagusz und unter www.sozusagen.at

Katja Heumader

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