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Frugal Innovation: Das Erfinden neu erfinden

„Not macht erfinderisch“, ein altes Sprichwort, das bis heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Die Ressourcen werden knapper, die Einkommensschere öffnet sich auch in westlichen Industrienationen. Produkte und Services müssen sich diesen neuen Anforderungen anpassen, kreative Problemlösungen sind gefragt. Die Lösung für diese neuen Herausforderungen: Frugal Innovation. Frugal Innovation bedeutet, aus knappen Ressourcen viel zu machen. Vorreiter sind Schwellen- und Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika, die es seit jeher gewohnt sind, mit wenig zurecht zu kommen.

Quelle: TED / YouTube

Mit knappen Ressourcen zurecht kommen

In Ländern wie Kenia, Indien oder Peru sind es die Menschen gewohnt, mit geringen Ressourcen auszukommen. Deshalb sind sie die Vorreiter in Sachen Frugal Innovation. Mit geringen Mitteln schaffen sie es, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die das Leben der Menschen verbessern.

Mobile Payment aus Kenia

Ein Beispiel für eine solche Frugal Innovation ist mPesa, ein kenianisches Unternehmen, dass das Bezahlen per Mobiltelefon ermöglicht. Das beste daran ist, dass mPesa auch die Grundlage für weitere Geschäftsmodelle bildet. Denn mittels mobile payment können Produkte langsam abbezahlt werden, so dass sie für breite Bevölkerungsschichten zugänglich werden. Wie z.B. ein Solarsystem, mit dem sich saubere Energie gewinnen lässt. Das System kostet 200 Dollar – für die meisten Kenianer eine unglaublich hohe Summe. Aber durch mPesa können die Menschen pro Tag 45 Cent davon abbezahlen – und sind so nach einem Jahr die Besitzer.

Frugal Innovation wird auch im Westen immer wichtiger

Angesichts knapper werdender Ressourcen, Wirtschaftskrisen und sinkender Einkommen wird es auch in unseren westlichen Industrienationen immer wichtiger, aus geringeren Mitteln mehr Wert zu kreieren. Ansonsten laufen wir Gefahr, unseren hohen Lebensstandard zu verlieren. Die Umweltzerstörung wird immer weiter fortschreiten – deshalb müssen auch wir künftig mit weniger zurecht kommen.

frugal innovation, screenshot
Screenshot aus Navi Radjou: Creative problem-solving in the face of extreme limits © TED, Originalvideo unter http://www.ted.com/talks/navi_radjou_creative_problem_solving_in_the_face_of_extreme_limits#t-126234.

Westliche Startups

Auch in den USA und in Europa gibt es bereits einige Beispiele, die Frugal Innovation als Grundlage für ihr Geschäftsmodell entdeckt haben:

  • gThryve sammelt Daten über den Wasser- und Düngerbedarf auf Plantagen. So kann der Ressourceneinsatz optimiert und die Produktqualität verbessert werden.
  • Be-Bound ermöglicht eine Internetverbindung via sms, auch wenn weder WiFi noch 3G oder 4G-Netz vorhanden ist.
  • Compte Nickel stellt seinen Kunden eine internationales Bankkonto und eine Debitkarte zur Verfügung, die bankunabhängige Überweisungen ermöglicht.

Prinzipien von Frugal Innovation

Frugal Innovation basiert auf dem Erfindergeist von Menschen, die aus der Not eine Tugend machen und es schaffen, mit wenig zurecht zu kommen. Ressourceneinschränkungen sind für sie kein Mangel, sondern eine Chance. Frugal Innovation basiert auf drei Prinzipien:

  1. Güter müssen für viele Menschen erschwinglich sein.
  2. Es geht nicht darum, etwas komplett Neues zu erfinden, sondern darum, Bestehendes zu verbessern. So, dass Produkte und Services für mehr Menschen zugänglich werden und deren Leben verbessern.
  3. Sowohl die Entwicklung als auch der Vertrieb muss horizontal organisiert werden, statt hierarchisch. Netzwerkstrukturen sind flexibler und ermöglichen eine breitere Zugänglichkeit.

Wir im Norden und Westen können in Sachen Frugal Innovation noch viel von den ärmeren Staaten des Südens lernen!

Katja Heumader

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