Soziales

Führerschein zurück? Das geht auch ohne MPU!

Mann hält Autoschlüssel in der Hand, weil er auch ohne MPU seinen Führerschein zurückbekam

Vom Lastkraftwagenfahrer bis zum Vertriebsmitarbeiter im Außendienst: Die Berufe, in denen man vom Führerschein abhängig ist, sind hierzulande zahlreich. In vielen Branchen trifft der Verlust der Fahrerlaubnis die Beschäftigten und ihre Arbeitgeber gleichermaßen hart. In Deutschland erlangt man diese oft nur zurück, wenn man sich der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung, kurz MPU, unterzieht. Diese zu bestehen, ist alles andere als einfach. Wir verraten, wie Sie auch ohne MPU zu einem in Deutschland gültigen Führerschein kommen.

„Geeignet“ oder „nicht geeignet“, das ist hier die Frage!

Alkoholmissbrauch, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz zu schnelles Fahren … . Zugegeben, es gibt durchaus gewichtige Gründe, warum einem der Führerschein entzogen wird. Ob allerdings die MPU – im Volksmund auch „Idiotentest“ genannt – das geeignete Instrument darstellt, um zu beweisen, dass man „geeignet“ ist, ein Fahrzeug zu führen, das darf man durchaus in Zweifel ziehen! Verkehrspsychologen stellen seit Jahren die Objektivität vieler MPU-Gutachter in Frage. Unter anderem deshalb, weil jene staatlich anerkannte Organisationen, welche eine MPU durchführen, weitere, für den Prüfling kostenpflichtige, Produkte anbieten. Zum Beispiel Beratungen und Kurse, die einen auf die MPU vorbereiten. Dabei ist der Weg zurück zum Führerschein über die MPU bereits mit hohen Kosten verbunden. Zwischen 350 und 750 Euro fallen je nach Begutachtungsanlass an.* Der ADAC etwa, hat allein für die MPU, ein zehnseitiges Empfehlungspapier verfasst.**

EU sei Dank. Führerschein bekommt man auch ohne MPU zurück!

Gott sei Dank, mögen sich viele gleich denken, gibt es die Europäische Union (EU). Dank dieser ist es Berufstätige und Unternehmen nicht nur einfacher geworden, grenzüberschreitend tätig zu sein, darüber hinaus ermöglicht es der europäische Binnenmarkt, seinen Führerschein auch ohne MPU zurückzubekommen. Der EU-Führerschein ist für viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein wahrer Segen. Schließlich trifft der Verlust der Fahrerlaubnis sowohl Arbeitnehmer als auch Arbeitgeber oft besonders hart. Angestellte kommen nicht rechtzeitig in den Betrieb, um dort ihre beruflichen Tätigkeiten auszuüben. Manchen Unternehmen geht durch den Führerscheinentzug gar ein erfolgskritischer Mitarbeiter verloren, zum Beispiel im Vertrieb. Doch wie funktioniert das mit dem EU-Führerschein genau? Dazu verraten wir im Folgenden das Wichtigste:

Gültigkeit und Anerkennung

Generell ist der im Scheckkartenformat ausgestellte EU-Führerschein in jedem Mitgliedsland gültig, also auch in Deutschland. Und ab hier wird es für Menschen, die ihre Fahrerlaubnis in Deutschland abgeben mussten, interessant. In einigen Mitgliedsstaaten der EU (z. B. Tschechien oder Ungarn) existiert keine Auflage zur Durchführung einer MPU. Mit anderen Worten, man kann dort ganz ohne „Idiotentest“ einen Führerschein legal erwerben.

Damit er hierzulande anerkannt wird, müssen allerdings folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Mindestens für 185 Tage einen Wohnsitz im ausstellenden EU-Land haben
  2. Das im Ausstellungsland gültige Mindestalter erreicht haben
  3. In Deutschland gültige Sperrfrist für den Führerscheinentzug muss abgelaufen sein
  4. Erfüllung der im Ausstellungsland gültigen nationalen Regelungen

Hier noch einmal die Vorteile des EU-Führerscheins in der Kurzzusammenfassung:

  • Komplizierte und kostspiele MPU wird umgangen
  • Der hoher Prüfungsdruck entfällt (durchschnittlich fallen ca. 35 % der MPU-Teilnehmer durch die Prüfung)
  • Enorme Einsparpotenziale (die Gebühren für eine EU-weit gültige Fahrerlaubnis sind von Land zu Land verschieden)

* Vgl.: Kammholz, K.: „Verkehrssünder bekommen einen neuen Idiotentest“, gefunden auf www.welt.de, zuletzt abgerufen am 21.09.2016 unter folgendem Kurzlink: bit.ly/2dhpqp5.

** Vgl.: ADAC – Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e.V. (Hrsg.): „AutoRecht aktuell: Medizinisch-psychologische Untersuchung“, PDF-Download (barrierefrei).

Christoph Schroeder

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