Energie & Umwelt

Gaspipeline Nord Stream wird am 8. November eingeweiht

Am Dienstag, den 09. November, wird die Ostseepipeline Nord Stream offiziell eingeweiht. Die 1.224 Kilometer lange Leitung verläuft von der russischen Portowaja-Bucht nahe Wyborg an der Grenze zu Finnland bis nach Greifswald an der deutschen Ostseeküste – quer durch die Hoheitssgewässer von Finnland, Schweden und Dänemark. Der Durchsatz beträgt 27,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr: Zum Vergleich: der deutsche Verbrauch liegt derzeit bei rund 95 Milliarden Kubikmetern im Jahr. Ein zweiter Strang mit einer gleichen Leistung soll Ende 2012 in Betrieb genommen werden. Russisches Gas deckt rund 35% des deutschen Bedarfs und 25% des europäischen Gasbedarfs.

Aufsichtsratschef des Nord-Stream-Konsortiums ist Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der russische Gasmonopolist Gazprom hält 51% der Anteile an dem Projektbetreiber. Die restlichen Anteile teilen sich die deutschen Konzerne BASF/Wintershall und E.ON sowie der niederländische Versorger Gasunie und die französische GDF/Suez.
Deutschland hat 2010 seinen Gasbedarf 2010 zu 29% aus Norwegen gedeckt, 22% wurden von den Niederlanden geliefert, 11% stammten aus eigenen Quellen und 5% aus Dänemark, Großbritannien sowie weiteren westeuropäischen Ländern. Somit deckte Deutschland 67% seines Gasverbrauchs aus westeuropäischen Quellen. Größter Gaslieferant war aber auch 2010 mit rund 32% Russland. Dieses will sich seinerseits von dem Transitland Ukraine unabhängiger machen. 80% des russischen Gases für Westeuropa fließen durch das Pipelinenetz der Ukraine, die sich ihrer Verhandlungsmacht bewusst regelmäßig mit Russland über einen ermäßigten Gaspreis streitet, zum Teil mit Lieferausfälle für die Abnehmer in Europa. Deren Verhandlungsmacht nimmt durch die neue Pipeline allerdings spürbar ab:  Laut der Ratingagentur Fitch führt die Nord Stream für die bisherigen Transitländer Ukraine und Slowakei zu Einnahmeausfällen von jeweils 20%. Russland besitzt rund 30,54% der weltweit nachgewiesenen Gasreserven.

Die Gasversorgung in Deutschland erfolgt derzeit ausschließlich durch Pipelinegas, ein Terminal für hochverdichtete Flüssiggasimporte per Schiff existiert noch kein einziges. Aus Norwegen werden 54 Milliarden Kubikmeter Gas über drei Pipelines nach Emden/-Bunde gebracht. Russisches Gas wird durch die Jamal Europa (Kapazität 33 Milliarden Kubikmeter, Grenzübergangspunkt Malnow) über Weißrussland und Polen sowie zu 80% durch das Ukraine-Leitungssystem (Kapazität 120 Milliarden Kubikmeter, Grenzübergangspunkte Waidhaus, Olbernhau) nach Deutschland und Europa geleitet.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler: „Auf dem Weg ins Zeitalter der erneuerbaren Energien kommt Erdgas als umweltfreundlichstem fossilen Energieträger eine zentrale Rolle zu. Nord-Stream verbessert hier die Versorgungssicherheit – nicht nur für Deutschland, sondern für weite Bereiche der Europäischen Union. Denn mit der Pipeline werden die Gasversorgungswege auf eine breitere Basis gestellt.“
 

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