Wirtschaft

Geldkoffer von afrikanischen Potentaten für französische Wahlkämpfe

Der Pariser Anwalt Robert Bourgi, derzeit Berater von Präsident Nicolas Sarkozy (UMP), behauptet, der französischen Politikelite über Jahre hinweg Geldkoffer mit jeweils Millionenbeträgen von afrikanischen Despoten überreicht zu haben. „Ich habe Chirac und de Villepin das Geld zählen sehen“, so Bourgi in einem Interview im Journal du Dimanche. Sowohl der spätere Präsident Jacques Chirac als auch der Ex-Premier und Ex-Außenminister Dominique de Villepin gehör(t)en beide ebenfalls der Regierungspartei UMP an. Auf die Frage, wie hoch die unter seinem Vorgänger Jacques Foccart angelaufenen und 2007 gestoppten Zahlungen gewesen seien, meinte Bourgi: „Unkalkulierbar (…). Mehrere Dutzend Millionen Francs pro Jahr, vor allem zu Wahlzeiten.“ Sowie: In den Koffern „waren nie weniger als fünf Millionen Francs, das konnte bis 15 Millionen gehen“.

Das erste Mal habe er in Gegenwart de Villepins bereits 1995 Geld übergeben. „Das Geld kam von Marschall Mobutu, dem Präsidenten von Zaire (heute: Kongo).“ Mobutu war für die Ausplünderung seines Landes berüchtigt und herrschte in einer der längsten und korruptesten Diktaturen Afrikas. Der CIA schätzte Mitte der 1980er Jahre Mobutus Vermögen auf ungefähr vier Milliarden Dollar  – eine zu diesem frühen Zeitpunkt des Geldmengenwachstums auch für Industrieländer schier unvorstellbare Summe, besonders aber für ein so armes Land wie den Kongo. Ein ähnliches Who-is-Who der afrikanischen Potentaten zählt er als Wahlkampfspender für den Präsidentschaftswahlkampf de Villepins 2002 auf: Abdoulaye Wade (Senegal), Blaise Compaore (Burkina Faso), Laurent Gbagbo (Elfenbeinküste), Denis Sassou Nguesso (Kongo-Brazzaville) und Omar Bongo (Gabun), die zusammen 10 Millionen Dollar für den Wahlkampf 2002 gespendet haben sollen – natürlich mit der Hoffnung auf ein späteres entsprechendes Entgegenkommen.

De Villepin wies die Vorwürfe als erfunden zurück und rückt sie in einen Zusammenhang mit der immer noch aktuellen Clearstream-Affäre. Darin wird de Villepin vorgeworfen, seinen Erzrivalen und einstigen Parteikollegen Sarkozy in einer Verleumdungskampagne zu diskreditieren. Sarkozy und weiteren Prominenten war 2004 durch gefälschte Kontolisten der Luxemburger Bankenabrechnungsstelle Clearstream der Besitz von Schwarzgeldkonten unterstellt worden. De Villepin hat mittlerweile die UMP verlassen und seine eigene Partei gegründet. Er will bei den Präsidentenwahlen 2012 antreten.

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