Deutschland

Gender Pay Gap: Deutschland mit 22% Negativbeispiel in der EU

Der Gender Pay Gap, die Verdienstlücke zwischen weiblichen und männlichen Arbeitnehmern in Deutschland, liegt bereits seit über 15 Jahren auf einem konstant hohen Niveau von über 20%. Der Verdienstunterschied betrug auch 2012 immer noch 22%. Während Frauen auf einen durchschnittlichen Bruttostundenverdienst von 15,21 Euro kamen, verdienten ihre männlichen Kollegen im Schnitt 19,60 Euro. Die Daten hat das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Equal Pay Day am 21. März 2013 ermittelt. Die Unterschiede zwischen West und Ost sind dabei gravierend: Während der unbereinigte Gender Pay Gap in Westdeutschland 2012 bei 24% lag, ist die Verdienstlücke in Ostdeutschland mit 8% deutlich geringer.

Der bereinigte Gender Pay Gap lag bundesweit bei 7% (Stand 2010). Das bedeutet, dass Frauen bei vergleichbarer Qualifikation und Tätigkeit pro Stunde durchschnittlich 7% weniger als ihre männlichen Kollegen verdienten. In Ostdeutschland lag der bereinigte Gender Pay Gap bei 9%, da die Qualifikation und die Tätigkeit der Frauen in Ostdeutschland rechnerisch sogar einen leicht höheren Durchschnittsverdienst gerechtfertigt hätte.

Gründe für den geringeren Verdienst von Frauen

Die wichtigsten Ursachen lassen sich dabei zu rund zwei Drittel auf strukturelle Unterschiede zurückführen: Z. B. Unterschiede bei der Berufswahl und den Branchen, in denen Frauen und Männer tätig sind, ungleich verteilte Arbeitsplatzanforderungen was Führung und Qualifikation angeht und dass Frauen häufiger als Männer teilzeit- oder geringfügig beschäftigt sind.

In den 27 Mitgliedsstaaten der EU waren 21,2% der weiblichen Arbeitnehmer im Jahr 2010 Niedriglohnempfänger, gegenüber 13,3% der männlichen Arbeitnehmer. Die größten Anteile bei weiblichen Arbeitnehmern im Niedriglohnsektor verzeichneten Zypern (31,4%), Estland (30,1%), Litauen (29,4%), Deutschland und Lettland (je 28,7%) sowie das Vereinigte Königreich (27,6%). Die niedrigsten Anteile wurden in Schweden (3,1%), Frankreich (7,9%), Finnland (8,0%) und Dänemark (9,8%) registriert.

Geringerer Anteil von Frauen in Führungspositionen

Laut dem Führungskräfte-Monitor des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) ist der Anteil von Frauen in Führungs- und Managementpositionen in Deutschland zwischen 2001 und 2010 von 22 auf 30% gestiegen. In den Vorständen der 200 größten Unternehmen waren Frauen Ende 2011 allerdings lediglich mit einem Anteil von 3% vertreten. Der Gender Pay Gap in den Führungspositionen ist dabei im Durchschnitt von 30 auf 21% zurückgegangen und entspricht damit etwa dem durchschnittlichen Verdienstunterschied auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Werden allerdings Verzerrungen durch Spitzenwerte („Ausreißer“) heraus gerechnet (Medianwert), beträgt der Unterschied immer noch extreme 27% (2001: 31%).

Fortsetzung auf Seite 2 mit einem EU-Vergleich, einer Detailgrafik und einem TV-Kabarett-Highlight

Marc Brümmer

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