Wirtschaft

Geschasster ex-BP-Chef Hayward steigt ins irakische Ölgeschäft ein

Tony Hayward war während der gigantischen Ölkatastrophe nach der Havarie der Tiefseeplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko 04-2010 Chef des britischen Ölförderers BP. Er galt als „das Gesicht der Ölpest“ und wurde schließlich wegen dem katastrophalen Krisenmanagement des Ölmultis im Oktober 2010 gefeuert. Hayward hatte das Ausmaß der Katastrophe stets herunter gespielt, die Nachlässigkeiten, die zu der Havarie der Plattform führten und im Nachhinein bekannt wurden, hatten extreme internationale Kritik hervorgerufen. So seien beispielsweise mehr als 390 fällige Wartungsarbeiten in den Monaten vor der Katastrophe nicht erledigt worden, darunter auch so bedeutende, wie an dem Sicherheitsventil am Meeresgrund, das beim Untergang der Bohrinsel versagte und damit den ungehinderten Austritt des Öls am Bohrloch ermöglicht hatte. BP hatte den Schwarzen Peter an den Betreiber der Plattform, Transocean, weitergereicht: BP hatte Transocean vorgeworfen, dass es ohne dessen „Fehlverhalten“ nicht zu der Katastrophe gekommen wäre – nicht zu der Explosion, dem Tod der elf Arbeiter und nicht zur Ölpest. „Die simple Tatsache ist, dass am 20. April 2010 jedes einzelne Sicherheitssystem und -Gerät sowie Mechanismen zur Quellen-Kontrolle auf der ‚Deepwater Horizon’ versagten.“ Die egenseitigen Vorwürfe hatten das Krisenmanagment allerdings nicht verbessert, sondern vielmehr die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf gravierende Mängel und Sicherheitslücken bei der Tiefseeölbohrung aufmerksam gemacht. Der Schaden für BP wird auf rund 40 Milliarden Dollar geschätzt.

Vor zwei Monaten kehrte Hayward ins Ölgeschäft zurück. Zusammen mit dem Multimilliardär Nathaniel Rothschild aus der gleichnamigen schillernden Bankiersfamilie, dem früheren Goldman-Sachs-Manager Julian Metherell und dem Unternehmer Tom Daniel wurde die Investmentfirma Vallares PLC gegründet und an die Londoner Börse gebracht. Ziel war es, Firmenteile von weltweit agierenden Öl- und Gaskonzernen zu kaufen, um so in das Öl-Geschäft zurückzukehren.

Am Mittwoch hat Vallares nun den türkischen Ölförderer Genel Energy International für 2,1 Milliarden Dollar gekauft, inklusive lukrativer Bohrrechte im nördlichen Irak. Das Unternehmen soll mit Vallares verschmolzen werden, Hayward soll dabei der Geschäftsführer der neu benannten Genel Energy PLC werden, die auf einen Unternehmenswert von 4 Milliarden Dollar kommt. Genel Energy ist der größte Ölförderer in der kurdischen Region des Nordiraks. Hayward: „Ich bin überzeugt, dass unsere Investoren ein starkes, bereits existierendes Unternehmen mit exzellentem Produktionsbestand, einem guten Team von bereits eingesetzten Technikern und Mitarbeitern sowie ein immenses Potenzial für zukünftiges Wachstum erwerben.“ Noch fehlt allerdings die Zustimmung der kurdischen Regionalregierung.
 

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